Die Pax-Bank bietet ausschließlich nachhaltige Produkte an. / Foto: Unternehmen

22.07.20 Finanzdienstleister , Interview

Pax-Bank: „Klimawandel ganz oben auf der Agenda“ - was eine kirchliche von anderen Banken unterscheidet

Gehört eine Kirchenbank eigentlich der Kirche? Was macht sie anders als andere Banken? Wer prüft, ob Gewehre, Massentierhaltung und Uranförderung wirklich aus der Geldanlage ausgeschlossen sind? Im Interview beantwortet Jutta Hinrichs diese und weitere Fragen. Die Bankkauffrau und Diplom-Volkswirtin ist seit vielen Jahren auf ethisch-nachhaltige Geldanlagen spezialisiert und verantwortet seit Oktober 2018 die Stabsstelle Ethik & Nachhaltigkeit bei der Pax-Bank in Köln.

Die Pax-Bank hat sieben Filialen und eine Repräsentanz in Rom. 183 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Bank, deren Bilanzsumme 2,8 Milliarden Euro beträgt (1.1.2020). Das Kundengeschäftsvolumen liegt bei 7,8 Milliarden Euro.

Das folgende Interview können Sie hier als gestaltetes PDF herunterladen.


ECOreporter: Frau Hinrichs, was unterscheidet die Pax-Bank in ethischer Hinsicht von anderen, konventionellen Banken?

Jutta Hinrichs: Das lässt sich mit drei Merkmalen auf den Punkt bringen: Erstens bieten wir ausschließlich nachhaltige Produkte an, auf der Anlage- genauso wie auf der Finanzierungsseite; deutlich wird das an unseren ethisch-nachhaltigen Anlage- und Finanzierungskriterien. Zweitens hat die Pax-Bank seit 2002 einen Ethik-Beirat und seit 2018 eine Stabsstelle Ethik & Nachhaltigkeit; das hilft, das Thema ganzheitlich anzugehen. Drittens legt die Pax-Bank die nachhaltigen Maßstäbe auch an sich selbst an und erhöht damit die Glaubwürdigkeit ihres Ansatzes.

Wer kann denn Kunde oder Kundin bei Ihnen werden?

Die Pax-Bank ist offen für alle Menschen und Organisationen, die sich mit den christlichen Werten identifizieren. Zu unseren Kunden zählen wir überwiegend kirchliche, gemeinnützige, soziale Institutionen und Privatpersonen. Alle haben einen hohen Anspruch an ethisch-nachhaltige Geldanlagen – entweder durch ihre Anlagerichtlinien oder durch persönliche Motivation und Werteorientierung, die sie auch in der Geldanlage umsetzen möchten.

Die Pax-Bank fällt ja in die Kategorie Kirchenbank. Bedeutet das eigentlich, dass die Bank letztlich der Kirche gehört?

Genau genommen ist die Pax-Bank ja keine Kirchenbank, sondern eine kirchliche Bank. Sie wurde 1917 von Priestern gegründet und hatte von Anfang an einen Förderauftrag für die Sozialwirtschaft, also mit Schwerpunkt auf kirchlichen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, Kindergärten etc. Inzwischen sind Themen wie Mikrofinanzierung, erneuerbare Energie und bezahlbares Wohnen hinzugekommen. Mit allen diesen Finanzierungsthemen, aber auch mit dem Fokus des Asset Managements auf nachhaltige Produkte und Themen möchten wir unseren Beitrag für den kirchlichen Auftrag zur Schaffung von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung leisten.

Banken legen ja auch immer eigenes Geld an. Wie kann ich sicher sein, dass die Pax-Bank nicht heimlich Waffenhersteller finanziert?

Die Pax-Bank hat sich schon vor vielen Jahren einen strengen Anlagefilter gegeben, der vom Ethik-Beirat erarbeitet wurde. Dieser definiert selbstverständlich auch Rüstung als Ausschlusskriterium. Diese Ausschlusskriterien gelten sowohl für unsere Eigenanlagen als auch für die Pax-Bank-Fonds und für die fonds- und einzeltitelbasierte Vermögensverwaltung. Dass dieser Filter auch wirklich zu Ausschlüssen führt, machen wir transparent anhand einer Liste der ausgeschlossenen Unternehmen, die wir auf unserer Website veröffentlichen.

Bekommt man bei Ihrer Bank besonders nachhaltige oder ethische Finanzprodukte?

Aktuell erleben wir ja auf dem Kapitalmarkt geradezu eine Flut von Produkten, die unterschiedliche Ansprüche von Nachhaltigkeit für sich reklamieren. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Pax-Bank-Fonds aufgrund ihres strengen und umfassenden Anlagefilters besonders nachhaltig und ethisch sind. Von A wie Abtreibung über M wie Massentierhaltung bis U wie Uranförderung werden hierüber Unternehmen mit kontroversen Geschäftsfeldern bzw. -praktiken ausgeschlossen. Inzwischen schließen wir Kohleproduzenten auch komplett, also ab Null Prozent Umsatzanteil, aus.

Wer kontrolliert für die Bank, welche Aktien oder anderen Wertpapiere den ethischen oder anderen Kriterien genügen? Mit anderen Worten: Kann die Pax-Bank erkennen, welche Tochter-Tochterfirma eines Konzernes Gewehre herstellt oder Massentierhaltung betreibt?

Die Pax-Bank arbeitet seit Anfang 2020 mit der Nachhaltigkeitsagentur MSCI ESG Research zusammen. Die prüfen für uns anhand einer riesigen Datenbank, welche der vielen tausend börsengelisteten Emittenten unsere Filtereinstellungen durchlaufen, ohne „ausgesiebt“ zu werden. Dabei werden nicht nur die Unternehmen selbst, sondern auch ihre konzernweiten Verflechtungen und ihre Lieferketten in den Blick genommen. Dabei gilt allerdings auch, dass wir keinen Anspruch auf Absolutheit erheben können, gerade weil wir bei manchen Kriterien (Gentechnik, Pornografie, etc.) Toleranzgrenzen für geringfügige Umsatzanteile gelten lassen.

Würden Sie sagen, dass die Bank als ethisch-nachhaltiger Investor eine besonders engagierte Geschäftspolitik hat?

Ja, in der Tat, denn wir geben uns nicht damit zufrieden, nur mit festgelegten Kriterien die „guten“ Unternehmen auszuwählen und die „schlechten“ Unternehmen auszusortieren. Wir wollen ja schließlich auch etwas verändern und Unternehmen zu einem besseren Einsatz für Sozial- und Umweltthemen motivieren. Daher betreiben wir seit 2019 auch aktive Engagement-Dialoge, z.B. gemeinsam mit dem AKI das ökonomische Engagement mit der Automobilindustrie, wo wir mit fünf ausgewählten Konzernen über deren ESG-Risiken in den Lieferketten der Elektromobilität sprechen.

Und wie ernst nimmt die Bank das Thema Klimawandel?

Das Thema steht inzwischen ganz oben auf unserer Agenda – sowohl intern wie auch extern. Seit 2018 arbeiten wir intern beständig daran, CO2-Emissionen weitestmöglich zu vermeiden, z.B. durch Umstieg auf Naturstrom, weniger Drucken, mehr Bahnfahren etc. Was sich (noch) nicht vermeiden lässt, kompensieren wir durch Ausgleichzahlungen über die Klima-Kollekte, einem CO2-Kompensationsfonds christlicher Kirchen. Extern versuchen wir inzwischen verstärkt, gerade bei kirchlichen Einrichtungen, das Thema Energieeffizienzmanagement aktiv anzusprechen.

Frau Hinrichs, vielen Dank für Ihre Antworten!

Zur Person:

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Jutta Hinrichs, Bankkauffrau und Diplom-Volkswirtin, ist seit vielen Jahren auf ethisch-nachhaltige Geldanlagen spezialisiert und verantwortet seit Oktober 2018 die Stabsstelle Ethik & Nachhaltigkeit bei der Pax-Bank in Köln.

Über die Pax-Bank:

Die Pax-Bank als genossenschaftlicher Finanzdienstleister mit christlicher Orientierung wurde 1917 als Selbsthilfeeinrichtung katholischer Priester in Köln gegründet, Sie steht für ökonomisches Handeln mit ethischer Zielsetzung. Die Pax-Bank ist offen für alle Menschen und Organisationen, die sich mit den christlichen Werten identifizieren.

 

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