Kohlebagger von RWE. / Foto: Pixabay

06.12.19 Meldungen , Finanzdienstleister

"Raus aus Kohle und Rüstung!“ – Nikolaus-Proteste bei der Deka

Die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald protestiert heute vor der Zentrale der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka Investments in Frankfurt. Mit dabei ist "Knecht Ruprecht“, der statt Geschenken eine Forderung an die Deka im Gepäck hat: "Raus aus Kohle und Rüstung!“

Nach aktuellen urgewald-Recherchen investiert Deka Investments noch immer Hunderte Millionen Euro in Unternehmen, die neue Kohlekraftwerke bauen, Waffen für laufende Kriege liefern oder Atomwaffen herstellen. urgewald verlangt Ausschlusskriterien für solche Firmen.

Laut urgewald hält Deka Investments 309 Millionen US-Dollar in Aktien und Anleihen von Unternehmen, die neue Kohlekraftwerke planen. Darunter Uniper, die 2020 mit Datteln 4 in Nordrhein-Westfalen einen neuen Kohlemeiler ans Netz bringen wollen, und das indische Unternehmen NTPC, der weltgrößte Entwickler von neuen Kohlekraftwerken.

Kohleunternehmen in Nachhaltigkeitsfonds

Auch andere Kohlegiganten wie RWE befinden sich urgewald zufolge in Deka-Portfolios. Selbst in den als nachhaltig beworbenen Fonds des Finanzinstituts seien Kohleunternehmen zu finden: im Deka Nachhaltigkeit Balance Fonds zum Beispiel die australische AGL Energy Ltd, die Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von über 6.850 Megawatt betreibt und zusätzlich 30 Millionen Tonnen Kohle jährlich im Bergbau fördert.

"Während immer mehr Investoren komplett aus Kohleinvestitionen aussteigen und ihr Portfolio Paris-kompatibel ausrichten, steckt die Deka noch tief in der Kohle“, sagt Kathrin Petz, Finanzexpertin bei urgewald. "Mit ihrer Gemeinwohlorientierung lässt sich das angesichts der Klimakrise nicht vereinbaren. Immer mehr Menschen fordern kompromisslosen Klimaschutz, darauf muss ein öffentlich-rechtlicher Vermögensverwalter wie Deka reagieren.“

urgewald kritisiert auch Rüstungs-Investments der Sparkassen-Tochter. Stichproben zu neun führenden Rüstungsexporteuren in Kriegsregionen bzw. Atomwaffenherstellern hätten ergeben, dass die Deka aktuell Aktien und Anleihen von über 1 Milliarde US-Dollar an Unternehmen wie Airbus, BAE Systems, Northrop Grumman oder Rheinmetall hält. Wettbewerber seien da weiter: Union Investment, Fondsanbieter der Genossenschaftsbanken, habe vor kurzem Atomwaffenhersteller aus seinen Publikumsfonds aussortiert.

"Auszusteigen, ist kontraproduktiv fürs Klima“

ECOreporter hat die Deka mit den Vorwürfen von urgewald konfrontiert. Ein Deka-Sprecher teilte der Redaktion mit: "Wie urgewald sind auch wir der Meinung, dass Kohle kein Energieträger der Zukunft ist. Der notwendige Wandel funktioniert aber nur, wenn er für die Region und die Menschen vor Ort eine nachhaltige wirtschaftliche Zukunftsperspektive bietet. Jetzt etwa aus RWE auszusteigen, ist kontraproduktiv für das Klima. Wir gäben unseren Einfluss als Aktionär auf und könnten den Wandel des Konzerns nicht mehr begleiten. Und wie soll der Konzern in umweltfreundliche Energien investieren, wenn die Anleger gerade jetzt aussteigen und ihm damit den Geldhahn zudrehen?“

Auch zu den Rüstungs-Investments äußerte sich der Deka-Sprecher gegenüber ECOreporter: "Beim Thema Rüstung fordert urgewald, dass die Deka Investments aus Unternehmen wie Airbus, ThyssenKrupp und Daimler aussteigt. Das ist unverantwortlich. Das sind keine menschenrechtsverletzenden Rüstungsunternehmen, sondern Säulen der deutschen Wirtschaft und wichtige Wirtschaftsmotoren in ihren Regionen.“

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