Solaranlage von CCE am Standort von SKF im österreichischen Steyr. CCE möchte mit einer neuen Anleihe weitere Solarprojekte finanzieren. / Foto: Unternehmen

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Solaranleihe der CCE Group: 10 % Zins, kurze Laufzeit – wie riskant ist das Angebot?

Die CCE Group GmbH entwickelt Photovoltaik-Projekte in Europa und Chile. Um insbesondere die weitere Entwicklung der Projektpipeline von rund 1.300 Megawatt zu finanzieren, bietet das Unternehmen eine nachhaltige Anleihe an. Diese hat ein Volumen von 30 Millionen Euro und bietet einen Zins von 10 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von 1,5 Jahren. Die Mindestzeichnung beträgt 100.000 Euro. ECOreporter hat sich die grüne Geldanlage näher angesehen.

Bei der Anleihe handelt es sich um Inhaber-Teilschuldverschreibungen mit der Bezeichnung "10 % CCE Group Anleihe 2020 bis 2022". Die Anleihe wurde am 18. Dezember 2020 begeben. Ihre Laufzeit endet am 20. Juni 2022. Die österreichische Emittentin CCE Group GmbH ist berechtigt, die Anleihe (ISIN DE000A285FP4) mit einer Frist von 30 Tagen zum 20. Dezember 2021 vorzeitig zu kündigen. Form und Inhalt der Schuldverschreibungen bestimmen sich nach deutschem Recht.

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Aufgrund der Mindestzeichnung von 100.000 Euro besteht keine Prospektpflicht. Nach Angaben der Emittentin wurde bis Ende 2020 das Emissionsvolumen der Anleihe von 30 Millionen Euro vollständig platziert. Ein Teil davon ist nach Angaben von Clean Capital Energy (CCE) innerhalb ihrer Organisation gezeichnet worden und soll in den nächsten Wochen bzw. Monaten über die Börse wieder verkauft werden. Dazu stellt CCE nach eigenen Angaben entsprechende Verkaufsangebote bei der Börse München ein.

Die Schuldverschreibungen können nach Angaben von CCE auch direkt bei ihr erworben werden. Sie empfehle Investoren jedoch, ihr Angebot über die Börse München zu stellen, weil damit die Abwicklung erleichtert werde.

CCE Gruppe seit 2010 aktiv


Solaranlage von CCE auf Produktionsgebäuden der österreichischen Molkerei Berglandmilch. / Foto: Unternehmen

Die Emittentin CCE Group GmbH wurde im Oktober 2017 gegründet. Die CCE Gruppe ist aber laut CCE-Präsentation (zur Anleiheemission, Datei erstellt am 4.12.2020) bereits seit 2010 aktiv, als CCE Österreich von Martin Dürnberger gegründet wurde. Dürnberger ist auch Geschäftsführer der Emittentin und hat alle Fragen von ECOreporter zum Anleiheangebot zügig beantwortet.

CCE hatte laut Präsentation ab 2010 zunächst Solaranlagen in Deutschland und Italien mit zusammen rund 30 Megawatt (MW) erworben, bevor die Gruppe 2016/2017 in größerem Umfang in die Projektentwicklung einstieg. CCE ist nach eigenen Angaben mit inzwischen rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der gesamten Wertschöpfungskette von Photovoltaik-Projekten aktiv: von der Entwicklung über die Finanzierung und den Bau bis hin zum Management von Solaranlagen.

Die CCE Group GmbH ist nach Angaben von Geschäftsführer Dürnberger die Holding, unter der derzeit mehrere operative Gesellschaften und Asset-Gesellschaften gebündelt sind. Aufgrund dieser Struktur ist der Einzelabschluss für das Geschäftsjahr 2019 der Emittentin, der ECOreporter vorliegt, wenig aussagekräftig. Eine konsolidierte Bilanz steht aktuell nach Angaben des Geschäftsführers nicht zur Verfügung.

Die CCE-Gruppe hatte 2019 Dürnberger zufolge eine gesamte Bilanzsumme von rund 53 Millionen Euro bei einem gesamten Umsatz von ca. 6,5 Millionen Euro. Für 2020 sei die Bilanzsumme auf rund 75 Millionen Euro und der Umsatz auf rund 20 Millionen Euro gestiegen.

Neue Struktur soll Wachstum erleichtern

Aktuell wird laut Präsentation gemeinsam mit institutionellen Investoren eine neue organisatorische und rechtliche Struktur umgesetzt. Die neue Struktur soll es CCE ermöglichen, weiter zu wachsen. CCE hat laut Präsentation für diesen Entwicklungsschritt sowie die Anpassung der Organisationsstruktur über institutionelle Investoren bereits fixe Zusagen erhalten, um das Unternehmen langfristig mit ausreichend Eigenkapital auszustatten. Während diese nächsten Schritte für die Umsetzung durchgeführt werden, habe „sich die Gruppe entschieden, die kurzlaufende CCE Group Anleihe aufzulegen, um die Ausgangsposition weiter zu optimieren. Die bereits bestehende Pipeline wird mit dem Kapital der CCE Group Anleihe bis zur Baureife entwickelt, und neue Projekte werden ermöglicht, um damit die Voraussetzungen zu verbessern sowie den Wert der CCE weiter zu steigern.“

Der Großteil der entwickelten Projekte soll laut Präsentation in der künftigen Struktur der CCE gemeinsam mit institutionellen Investoren erworben und gebaut werden. Bis zum Laufzeitende der Anleihe 2022 soll nach CCE-Angaben auch das gesamte operative Geschäft der CCE an die neue Struktur verkauft werden.

Projektrechte für rund 1.300 MW


Der CCE-Solarpark La Huella in Chile wird derzeit gebaut und hat eine geplante Nennleistung von 86 Megawattpeak. / Foto: Unternehmen

Die CCE-Gruppe besitzt laut Präsentation über Joint Venture-Strukturen (Gemeinschaftsunternehmen) sowie über hundertprozentige Tochtergesellschaften Projektrechte für Photovoltaikanlagen mit einer Nennleistung von insgesamt rund 1,3 Gigawatt. Diese verteilen sich CCE zufolge auf Solarprojekte in Italien (750 MW), Chile (330 MW), Frankreich (130 MW), Deutschland (30 MW), Österreich (30 MW) und die Niederlande (30 MW). Das gesamte Portfolio hat bei Baureife nach Angaben der Emittentin einen Wert von rund 100 Millionen Euro.

Die Mittel aus der Anleihe werden CCE zufolge als Gesellschafterdarlehen oder Eigenkapital den Finanzierungsholdings oder direkt den Projektgesellschaften zur Verfügung gestellt. Diese sollen mit dem Anleihekapital bestehende Projekte bis zur Baureife entwickeln und weitere Projekte sichern.

Konkret kann CCE nach eigenen Angaben (Stand: 6.1.2021) voraussichtlich bis Februar ein Portfolio mit Projektrechten von rund 500 MW in Deutschland erwerben. Für den ersten Schritt werden dafür laut Präsentation 2,5 Millionen Euro des Anleihekapitals benötigt.

Umfangreiche Projektpipeline in Italien und Chile

In Italien besitzt CCE laut Präsentation gemeinsam mit enernovum Solarprojekt-Rechte mit zusammen 750 MW Nennleistung. Der Großteil der Projekte ist den Angaben nach in der finalen Entwicklungsphase. Für die Finalisierung der Pipeline bis zur Baureife ist laut Präsentation vorgesehen, mit den Mitteln der CCE Group-Anleihe 10 Millionen Euro zu investieren. Für die Entwicklung eines Photovoltaik-Portfolios von 200 MW in Italien konnte laut CCE-Presseinformation vom 23. November 2020 zusätzlich ein langfristiger Rahmenvertrag mit Hanwha Energy Corporation Europe abgeschlossen werden.

In Chile besitzt CCE laut Präsentation gemeinsam mit einer deutschen Pensionskasse Projektrechte mit einer Nennleistung von insgesamt 330 MW. Ein Projekt mit 86 MW wird bereits gebaut und ist vollständig finanziert. Bei zwei weiteren Solarprojekten in Chile mit zusammen 193 MW soll laut Präsentation im ersten Quartal 2021 der Bau beginnen. 6 Millionen Euro des Anleihekapitals sollen für den Baubeginn zur Verfügung gestellt werden.

Risiken / Fazit

Die CCE Group ist auf die Entwicklung von Photovoltaik-Projekten spezialisiert. Die Unternehmensgruppe ist erfolgreich bei der Akquise von Projektrechten und verfügt über einen guten Zugang zu institutionellen Investoren.

Es kann das Risiko bestehen, dass sich die Entwicklung von Solarprojekten zur Baureife verzögert, beispielsweise aufgrund der Corona-Pandemie. Zudem ist es grundsätzlich möglich, dass Projekte in der Entwicklungsphase oder ein Verkauf von Projekten an Investoren zu den erwarteten Konditionen scheitern. Beides kann dazu führen, dass Anlegerinnen und Anleger ihr Anleihekapital nicht oder nicht vollständig zurückerhalten.

Da die Anleihe-Emittentin eine Holding ist, aber keine konsolidierte Bilanz vorliegt, ist die finanzielle Transparenz des Angebots verringert. Den hohen Risiken des Anleiheangebotes steht ein mit 10 Prozent pro Jahr entsprechend hoher Zinssatz gegenüber.

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