Orpea expandiert auch in Deutschland. Auf dem Bild ist ein Pflegeheim zu sehen, das am Dortmunder Phönix-See entstehen soll. / Foto: Unternehmen

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien

Soziale Aktie? Orpea profitiert, wenn Menschen alt werden

Der Gesundheitskonzern Orpea ist auf Wachstumskurs. Doch die Aktie ist hoch bewertet - was sollten Anleger tun?

Weltweit leben bereits heute 126 Millionen Menschen, die über 80 Jahre alt sind. Bis zum Jahr 2050 soll es laut Prognosen mehr als 290 Millionen Über-Achtzigjährige geben – mehr als doppelt so viele wie heute.

Dieser Trend kann sich für die Aktie des französischen Unternehmens Orpea SAS mit Sitz in Paris positiv auswirken. Es ist spezialisiert auf Pflege- und Rehabilitationsdienstleistungen.

Mit höherem Alter nimmt die Anfälligkeit für gewisse Krankheiten zu: Diabetes, Demenz, Alzheimer und Krebs. Insbesondere die Anzahl von neuro-degenerativen Erkrankungen wie Demenz und Alzheimer wird Schätzungen zufolge in der Zukunft stark ansteigen. Doch wer kümmert sich um die immer größer werdende Zahl von alten, kranken und pflegebedürftigen Menschen?

Das 1989 von dem Neuropsychiater Jean-Claude Marian gegründete Unternehmen betreibt in zehn europäischen Ländern Pflegeheime, psychiatrische Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen. In China und Brasilien ist das Unternehmen in kleinerem Umfang aktiv. Mit mehr als 86.000 Betten und mehr als 800 Heimen und Krankenhäusern gehört Orpea zu den Marktführern in Europa.

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Was macht Orpea zu einem nachhaltigen Investment?

Orpea ist ein Gesundheitskonzern. Ein Schwerpunkt des Unternehmens ist die Behandlung von Demenz. Für Demenz gibt es momentan keine medikamentöse Therapie. Orpea wendet alternative Behandlungsweisen an, um das Leiden von Demenzkranken zu lindern.

Das Gesundheitsunternehmen bietet in seinen Heimen Räume für Demenzkranke an, die so wie in der Kindheit des Patienten eingerichtet sind. Dies soll die negativen Folgen der Demenz eindämmen. Wenn sich die Patienten an ihre individuelle Vergangenheit erinnern, wirkt sich dies positiv auf ihre Stimmung und ihre geistige Leistungsfähigkeit aus. Ferner nehmen Demenz-Patienten in Orpea-Heimen an Musiktherapien, therapeutischer Gartenarbeit und Kochkursen teil - Therapieformen, die die Lebensqualität von Demenzkranken deutlich verbessern.

Als Arbeitgeber bietet Orpea faire Sozialleistungen an und hat mit fünf Prozent eine geringe Fluktuation von Arbeitskräften.

Starkes Wachstum - aber noch Luft nach oben

In den letzten fünf Jahren ist das Unternehmen beachtlich gewachsen. Die Expansion erfolgte sowohl durch Zukauf von bestehenden Heimen als auch durch den Bau von eigenen Einrichtungen. Von 2012 bis 2017 stieg die Bettenzahl jährlich um 16 Prozent. Der Umsatz von Orpea erhöhte sich über die letzten fünf Jahre jährlich um 17 Prozent und das operative Ergebnis (EBIT) um 18 Prozent. Und die Expansion soll noch weiter gehen.

Allein bis 2030 wird in den Ländern, in denen Orpea bereits aktiv ist, ein zusätzlicher Bettenbedarf von einer Million erwartet. Dabei ist China in dieser Bedarfsprognose noch nicht mit eingeplant. 


Der Pflegebedarf steigt weltweit, Orpea profitiert. / Foto: Gina Sanders, Fotolia

Orpea hat sich für den steigenden Bedarf gewappnet. Allein für den europäischen Markt plant das Unternehmen, über die kommenden beiden Jahre Pflegeeinrichtungen mit insgesamt 12.221 Betten zu errichten. Dies entspricht einem geplanten Bettenwachstum über die nächsten zwei Jahre von knapp 15 Prozent.

Noch größeres Wachstum ist allerdings außerhalb Europas zu erwarten. In China und Brasilien soll in den nächsten 30 Jahre die Anzahl der Über-Achtzigjährigen jährlich um fast fünf Prozent wachsen. Zum Vergleich: In Europa wird ein durchschnittlicher Anstieg der Achtzigjährigen von 2,2 Prozent pro Jahr prognostiziert. In China und Brasilien gibt es zudem im Gegensatz zu Europa kaum Altenpflegeheime.

Momentan sind die drei größten Märkte für Orpea Frankreich, Deutschland und Spanien. In Frankreich betreibt Orpea Einrichtungen mit knapp 33.000 Betten, in Deutschland sind es mehr als 17.000 Betten und in Spanien 8.000.

In den großen Wachstumsmärkten fasst Orpea gerade Fuß. In Brasilien betreibt Orpea Heime und Kliniken mit mehr als 2.100 Betten, in China ist es erst ein Heim mit 140 Betten.

Orpea konzentriert sich vor allem auf Länder mit hoher Kaufkraft - dort sind die Umsätze am höchsten. In Deutschland erzielt das Unternehmen 120 Euro Umsatz pro Bett und Tag. In Österreich sind es 100 Euro, und in der Schweiz 240 Euro. Doch auch in den Schwellenländern dürfte das Unternehmen höhere Umsätze einfahren, wenn das allgemeine Wohlstandsniveau wie allgemein prognostiziert ansteigt.

Starke Zahlen, hohe Schulden

Laut Geschäftsbericht für 2017 beträgt der Umsatz von Orpea 3,13 Milliarden Euro und der Gewinn 197,8 Millionen Euro. Im Vorjahr betrug der Umsatz 2,84 Milliarden Euro und der Gewinn 177,8 Millionen Euro. Das entspricht einer Umsatzsteigerung von 10,21 Prozent und einer Gewinnsteigerung von 11,24 Prozent. 

Doch das Umsatz- und Gewinnwachstum ist gehebelt. Orpea ist hoch verschuldet. Laut Geschäftsbericht hat das Unternehmen mittel- und längerfristige Verbindlichkeiten in Höhe von 4,41 Milliarden Euro. Die bestehenden und in der Entwicklung befindlichen Immobilien haben allerdings einen Bilanzwert von 4,97 Milliarden Euro. Von den längerfristigen Verbindlichkeiten verwendet Orpea 3,77 Milliarden Euro für die Finanzierung dieser Immobilien – das sind mehr als 85 Prozent der mittel- und langfristigen Schulden.

Für Orpea ist das Niedrigzinsumfeld positiv. Das Unternehmen konnte so in den letzten Jahren günstig wachsen. Orpeas Schuldenstruktur ist jedoch diversifiziert. Mehr als 50 Prozent des Fremdkapitals sind nicht über Bankdarlehen, sondern über Anleihen finanziert.

Die Kapitalmärkte sehen Orpea als verlässlichen Schuldner an. Die 2017 und 2018 auf den Markt gebrachten Anleihen von Orpea bewegen sich in einem Zinsbereich von 2,20 bis 2,625 Prozent: ein moderater Wert.

Ist die Aktie ein Kauf?

Momentan steht die Aktie bei 102,60 Euro (25.4., 12:13 Uhr). Sie notiert damit mehr als 5 Prozent unter dem Allzeithoch von 108,25 Euro, das sie vor einigen Wochen erreicht hat. 2017 beträgt die Dividende 1,10 Euro, was einer Dividendenrendite von 1,07 Prozent bei dem momentanen Kurs entspricht.  

Bei einem Kurs von 102,60 Euro und einem erwarteten Gewinn für 2018 pro Aktie von 3,68 Euro liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Orpea-Aktie bei 27,89. Ein hoher Wert, der andeutet, dass die Marktteilnehmer dem Unternehmen weiteres Gewinnwachstum bei gleichzeitig moderaten Risiken zutrauen.  

Eine Erklärung für die hohe Bewertung: In der Branche, in der Orpea aktiv ist, herrschen hohe Markteintrittsbarrieren. Unternehmen müssen zuerst über die nötigen Konzessionen verfügen, um im Pflegemarkt aktiv werden zu können. Die Qualität der angebotenen Pflegedienstleistungen und der Ruf des Anbieters ist auch relevant, um auf dem Markt bestehen zu können. Schließlich ist der Bau von Pflegeheimen und deren Betrieb kapitalintensiv.

Fazit: Orpea ist auf Wachstumskurs. Die Aktie ist schon recht hoch bewertet. Anleger sollten die Orpea-Aktie beobachten und bei günstigeren Kursen Positionen aufbauen. Insbesondere sollten Anleger genau verfolgen, wie die außereuropäische Expansion von Orpea in China und Brasilien voranschreitet. Denn auf diesen beiden Wachstumsmärkten dürfte für das Unternehmen viel zu holen sein. Ein Risiko ist allerdings ein möglicher Zinsanstieg. 

Orpea SAS: ISIN FR0000184798 / WKN 575626

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