Wann ist ein Unternehmen nachhaltig? Bewertungen von Nachhaltigkeitsrating-Agenturen unterscheiden sich sehr stark. / Foto: Pixabay

02.12.19 Meldungen , Institutionelle / Anlageprofis , Finanzdienstleister

Studie: Objektive Nachhaltigkeitsbewertungen? Fehlanzeige!

Nachhaltigkeit ist bislang kein geschützter Begriff. Da verwundert es nicht, dass die Nachhaltigkeitsbewertungen von Agenturen wie MSCI ESG, RobecoSAM und anderen oft sehr stark voneinander abweichen. Das belegt eine neue Studie, die die Nachhaltigkeitsbewertungen dreier Agenturen miteinander verglichen hat.

Das Flossbach von Storch Research Institute hat die Nachhaltigkeitsbewertungen der Anbieter MSCI ESG, RobecoSAM und Sustainalytics miteinander verglichen. Die Research-Abteilung der Frankfurter Fondsgesellschaft kommt zu dem Ergebnis, dass sich die ESG-Bewertungen der drei Anbieter sehr stark voneinander unterscheiden.

Untersucht hat Flossbach von Storch unter anderem die Bewertungen für Volkswagen. Auf einer Bewertungsskala von 0 (nicht nachhaltig) bis 100 Punkten (sehr nachhaltig) erhielt VW von MSCI ESG eine Bewertung von 0 Punkten. Sustainalytics vergab hingegen 19 Punkte, und RobecoSAM bewertete VW mit 65 Punkten.

Wieder anders sieht es bei Porsche aus. Die Porsche Automobil Holding schneidet bei Sustainalytics mit 88 Punkten ab, während RobecoSAM 45 Punkte vergibt. Bei Tesla und General Motors stellt Flossbach von Storch ebenfalls sehr hohe Bewertungsunterschiede zwischen den Agenturen fest.

Europäische Unternehmen nachhaltiger?

Zudem zeigte sich eine deutliche Diskrepanz in der Bewertung einzelner Aktienmärkte. "Während nur etwa ein Viertel der deutschen Unternehmen eine Bewertung von 50 Punkten oder schlechter erhalten, finden sich jeweils 50 Prozent der US-amerikanischen Unternehmen unter beziehungsweise über diesem Wert. Die höheren Bewertungen sind aber nicht zwingend auf "nachhaltiger" wirtschaftende deutsche Unternehmen zurückzuführen“, heißt es in der Studie.

Bei MSCI ESG und Sustainalytics gibt es laut der Studie vergleichsweise viele Unternehmen, die ein hohes Rating erhalten. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei den beiden Anbietern knapp in der oberen Hälfte der verfügbaren Bewertungsskala. Bei RobecoSAM liegt der Durchschnitt bei gut 48 Bewertungspunkten.

Sind ESG-Bewertungen überhaupt brauchbar?

Das Thema Nachhaltigkeit sei vielschichtig und eine Beurteilung somit komplex und zeitaufwendig, heißt es in der Studie. Und es würde sich ein immer größerer Kreis von Investoren auf spezialisierte ESG-Ratinganbieter verlassen. "Da es jedoch an einem gemeinsamen Verständnis des Begriffs "Nachhaltigkeit" mangelt, ist nicht klar, was derartige ESG-Ratings überhaupt messen sollen", urteilt die Studie.

Aufgrund der festgestellten Abweichungen sei "ein verantwortungsvoller Umgang mit den Einschätzungen angebracht". Die Nachhaltigkeits-Bewertungen böten jedoch oftmals wertvolle Hinweise und Denkanstöße. "Ein unreflektiertes Übernehmen der Bewertungen kann dem Anspruch von verantwortungsvollem Investieren aber nicht gerecht werden“, resümiert das Flossbach von Storch Research Institute.

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