Spa von Weleda in Den Haag. Das Unternehmen wächst vor allem im Bereich Naturkosmetik. / Foto: Weleda

24.08.20 Aktientipps , Nachhaltige Aktien

Weleda: Anthroposophen-AG auf Wachstumskurs

Der Naturkosmetikhersteller Weleda erzielt seit Jahren stabile Gewinne. Trotzdem sind die Anteilsscheine des Schweizer Unternehmens nach wie vor günstig zu haben. Lohnt sich aktuell der Einstieg? Und was bedeutet es für Weleda, dass die französische Regierung auf Abstand zur Homöopathie geht?

Was haben Victoria Beckham, Julia Roberts und die Sängerin Adele gemeinsam? Alle drei sind begeisterte Fans von Weleda-Kosmetik. Die Naturkosmetik des 1921 von Rudolf Steiner und Ita Wegmann gegründeten Unternehmens steht aber nicht nur bei den drei Berühmtheiten hoch im Kurs. Auch viele Normalsterbliche schwören auf die Kosmetik des Schweizer Konzerns – allein auf Facebook hat das Unternehmen mehr als 1,2 Millionen Fans.

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Deutschlandzentrale von Weleda in Schwäbisch Gmünd. / Foto: Weleda

Allgemein gilt: Das Geschäft mit Naturkosmetik boomt und drängt immer stärker aus dem Nischendasein hinaus. In Deutschland beträgt der Marktanteil der Naturkosmetik bereits mehr als 10 Prozent. Branchenriesen wie L’Oréal sind früh auf den Zug aufgesprungen – jedoch nur mit mäßigem Erfolg. Einer der globalen Marktführer ist nach wie vor Weleda, eines von wenigen Unternehmen, die sich trotz eines dreistelligen Millionenumsatzes anthroposophischen Grundsätzen und der bio-dynamischen Landwirtschaft verpflichtet fühlen. Weleda beschäftigt weltweit mehr als 2.500 Mitarbeiter und verkauft seine Produkte in über 50 Ländern (Stand Januar 2020).

Alles öko bei Weleda?

Das Unternehmen mit Sitz in Arlesheim ist ein Musterknabe in Sachen Nachhaltigkeit. Weleda beweist, dass Profitabilität und ökologische und soziale Rücksichtnahme durchaus miteinander vereinbar sind. Die Geschäftsberichte des Unternehmens schlüsseln detailliert auf, welche Fortschritte Weleda bei der Nachhaltigkeit macht. Drei Beispiele: 2019 stammten 80 Prozent der verwendeten pflanzlichen Rohstoffe aus Bioanbau. 98 Prozent der Abfälle wurden wiederverwertet. Und 94 Prozent des verbrauchten Stroms kamen aus erneuerbaren Quellen.

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Auch legt das Unternehmen großen Wert auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Am Produktionsstandort in Schwäbisch Gmünd gibt es etwa eine eigene Waldorf-Kita, und die Arbeitnehmer können aus familiären Gründen individuelle Arbeitszeiten vereinbaren. Nicht umsonst wurde das Unternehmen mit zahlreichen Nachhaltigkeitspreisen ausgezeichnet: 2016 etwa mit dem Swiss Ethics Award und im selben Jahr mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis.

Stark bei Naturkosmetik, Einbußen bei Globuli

Doch wie ist es um die nackten Zahlen bestellt? Die Geschäftszahlen, die das Unternehmen für 2019 veröffentlicht hat, sind solide. Der Umsatz stieg um 4 Prozent zum Vorjahr auf 429 Millionen Euro. Knapp 49 Prozent seiner Umsätze erwirtschaftete Weleda in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Für das Umsatzwachstum war wie schon in den Vorjahren die Naturkosmetiksparte verantwortlich. Weltweit erhöhte sich der Umsatz von Weleda-Kosmetik um 6,3 Prozent auf 327 Millionen Euro. Wachstumstreiber waren vor allem Europa, die USA und Südkorea.

Der Umsatz der Arzneimittelsparte ging mit 102 Millionen Euro um 2,3 Prozent zum Vorjahr zurück. Hauptgrund für das Minus war Weleda zufolge die Entscheidung der französischen Regierung, die Kosten für homöopathische Medikamente nur noch eingeschränkt von den Krankenkassen erstatten zu lassen. Frankreich ist nach Deutschland der wichtigste Markt für Weleda.

Keine Dividende für 2019

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Pflegeprodukte von Weleda. / Foto: Unternehmen

Das Unternehmen war über die letzten Jahre hindurch profitabel. Im Geschäftsjahr 2019 belief sich der Konzernnettogewinn auf 13 Millionen Euro. 2018 waren es 14,3 Millionen Euro. Weleda gab im letzten Jahr fast 14,5 Millionen Euro für Investitionen aus. 3,5 Millionen Euro mehr als 2018. Die Eigenkapitalquote stieg von 51 auf 53 Prozent.

Weleda schüttet regelmäßig Dividenden aus. Seit dem Geschäftsjahr 2016 beträgt die Dividende 35 Schweizer Franken (CHF) pro Partizipationsschein. Für das Geschäftsjahr 2019 hat Weleda wegen der Corona-Krise keine Dividende ausgezahlt.

Corona und die besondere Situation in Frankreich

Bislang ist Weleda eigenen Angaben zufolge ohne größere Blessuren durch die Corona-Krise gekommen. Auf Anfrage von ECOreporter erklärte Unternehmenssprecher David Oechsle, man habe die Absatzkanäle in den meisten Ländern auch während des Lockdowns offen halten können. Bei der Produktion und Auslieferung der Produkte sei es nur zu geringen Einschränkungen gekommen.

Wie sind die Zukunftsaussichten für Weleda? Dazu äußerte sich Unternehmenssprecher Oechsle gegenüber ECOreporter am 18.8.2020 wie folgt: „Nach aktueller Einschätzung wird der Umsatz von Weleda hinter den Erwartungen zurückbleiben. Insbesondere für das dritte und vierte Quartal 2020 erwarten wir einen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr. Neben verschiedenen Maßnahmen, um auf der Kostenseite reagieren zu können, wurde für drei Monate Kurzarbeit beantragt, unter anderem auch in Deutschland und in der Schweiz. Insgesamt erwartet Weleda, dass sich die getroffenen Zukunftsentscheidungen wie Investitionen in Forschung und Entwicklung, die Umsetzung einer langfristigen Strategie für das Pharmageschäft, die Einführung von Naturkosmetik-Neuprodukten sowie der weitere Ausbau der Märkte außerhalb Europas langfristig positiv auf das Betriebsergebnis auswirken werden.“

Auf dem französischen Markt rechnet Weleda mit weiteren Einbußen, die nicht mit der Corona-Pandemie zusammenhängen: „Wir erwarten“, so David Oechsle, „dass sich der Wegfall der Erstattungsfähigkeit ab 2021 in Frankreich weiter negativ auf unsere Umsätze auswirken wird. Aus diesem Grund arbeiten wir an einer Strategie, mit der ein nachhaltiges Geschäftsmodell für die Zukunft aufgebaut werden kann. Mehr können wir dazu im Moment noch nicht sagen. Da sich die Situation in den anderen Ländern grundlegend von der in Frankreich unterscheidet, halten sich die negativen Auswirkungen des Umsatzes auf die Weleda Gruppe voraussichtlich in Grenzen.“

Wem gehört Weleda?

Hauptaktionäre des Unternehmens sind die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft und die Klinik Arlesheim AG, vormals Ita Wegmann Klinik. Auf beide Aktionäre entfallen die größten Anteile der Namensaktien und damit auch die meisten Stimmrechte (knapp 80 Prozent). Ein signifikanter Teil des Gewinns wird von Weleda für Spenden verwendet – das ist in den Statuten des Unternehmens ausdrücklich so vorgesehen. Dabei werden Organisationen, die den beiden Hauptaktionären nahestehen, besonders großzügig bedacht.

Im Jahr 2019 wurde insgesamt ein Betrag von 2,6 Millionen Euro gespendet. Hauptprofiteur war die Freie Hochschule für Geisteswissenschaften in Dornach – eine Hochschule, die unter der Schirmherrschaft der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft steht. Insgesamt flossen an die Freie Hochschule im letzten Jahr 2,2 Millionen Euro.

Die Marke macht‘s

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80 Prozent der von Weleda verwendeten pflanzlichen Rohstoffe tragen ein Bio-Siegel. / Foto: Unternehmen

Weleda ist trotz des auf Nachhaltigkeit bedachten Wirtschaftens auf Expansionskurs. Die Expansion erfolgt nicht sprunghaft, sondern in kleinen, bedächtigen Schritten. Vor allem soll die stagnierende Arzneimittelsparte neu belebt werden. Auch hat die Unternehmensführung vor,  die anthroposophische Medizin, für die Weleda Spezialist ist, auf schulmedizinische Grundlagen zu stellen.

Der Burggraben, der das Unternehmen gegenüber der Konkurrenz abschirmt, ist das starke Markenimage. Laut einer Umfrage des Magazins Stern aus dem Februar 2020 steht Weleda bei den als am nachhaltigsten wahrgenommenen Marken in Deutschland auf Platz 16 (von 790 abgefragten). Im Bereich Pflege und Kosmetik hat Weleda der Umfrage zufolge sogar das nachhaltigste Image.

Mit einem starken Markenimage geht für gewöhnlich auch eine Preissetzungsmacht eines Unternehmens einher. Heißt: Die Kunden sind meistens gewillt, einen Aufschlag für die Produkte gegenüber vergleichbaren Produkten mit einem minderen Image zu bezahlen. Höhere Produktionskosten oder Erhöhungen der Rohstoffpreise können deshalb an die Kunden weitergegeben werden. Auch im Falle Weledas kann man davon ausgehen, dass der Hersteller über eine derartige Preissetzungsmacht verfügt – vor allem, weil es sich bei den Produkten des Unternehmens um nicht-zyklische Konsumgüter handelt.

Aktie oder Partizipationsschein?

Von Weleda gibt es sowohl Namensaktien mit unterschiedlichen Nennwerten als auch 19.000 Partizipationsscheine. Der Kauf von Namensaktien ist an eine Zustimmung durch den Verwaltungsrat des Unternehmens gebunden. Wer Weleda-Namensaktien kauft, muss zudem Mitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft sein. Partizipationsscheine, die keine Stimmrechte besitzen, können Anleger ohne Zustimmung des Verwaltungsrats erwerben. Die Weleda-Partizipationsscheine sind nur im außerbörslichen Handel erhältlich. Sie werden beispielsweise bei der Berner Kantonalbank und der Züricher Kantonalbank angeboten. 

Der Kurs des Weleda-Partizipationsscheins liegt momentan bei 4.175 CHF (OTC-X-Handel, 14.8.2020, 14:21 Uhr). Von Anfang 2018 bis zum Corona-Börsencrash im März 2020 war der Kurs um mehr als 50 Prozent auf 4.540 CHF gestiegen. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beträgt ungefähr 9, der Partizipationsschein ist also niedrig bewertet. Zum Vergleich: Die Aktie des Branchenriesen L’Oréal hat ein erwarteten KGV für 2020 von 39.

Lohnt sich der Einstieg bei Weleda?

Weleda-Partizipationsscheine werden in einem sehr geringen Volumen gehandelt. Für langfristig orientierte Anleger muss dies nicht unbedingt ein Nachteil sein. In der Regel besitzen große institutionelle Anleger keine Anteilspakete von Weleda. Institutionelle Marktteilnehmer schichten oft bei besseren Gelegenheiten ihr Portfolio um und trennen sich von großen Stückzahlen einer Aktie. Dadurch beeinflussen sie die Kurse einer Aktie nachhaltig. In kleinerem Volumen gehandelte Aktien sind derartigen Kursschwankungen nicht so stark ausgesetzt.

Wenn Weleda seine Wachstumsziele konsequent verfolgt und eine Lösung für seine Probleme in Frankreich findet, dürfte dies auch für die Anteilseigner von Vorteil sein. Denn das Unternehmen ist profitabel und dürfte es in der Zukunft auch bleiben. Langfristig orientierte Anleger können mit einer kleinen Position einsteigen.

Weleda AG N-PS: ISIN CH0004960180 / WKN 908429

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