Windpark mit Vestas-Turbinen: Die Turbinenhersteller stehen momentan unter einem hohen Wettbewerbsdruck. Foto: Vestas

  Erneuerbare Energie

Windmarkt Deutschland: Profitieren Entwickler, Hersteller und Anleger? (Teil 2)

Die Bundesnetzagentur konstatiert, dass die gestiegenen Zuschlagswerte der letzten Wind-Ausschreibung den nur noch recht schwachen Wettbewerbsdruck widerspiegeln. Gestern haben wir untersucht, wie sich die Situation bei den Projektentwicklern darstellt. Heute zeigen wir auf, ob die Hersteller von Windturbinen profitieren könnten.

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Die in den letzten zwei Jahren deutlich gesunkenen Einspeisevergütungen für Windstrom in Deutschland hatten die Gewinnmargen von Projektentwicklern unter Druck gesetzt. Dieser Druck wurde dann auch an die Hersteller von Windenergieanlagen weitergegeben.

Gleichzeitig haben die renommierten Hersteller wie beispielsweise Nordex, Vestas oder Senvion aber auch effizientere Turbinen entwickelt, sodass die Gestehungskosten von Windstrom gesunken sind und voraussichtlich weiter sinken werden. Mit der dritten Ausschreibung 2018 hat sich die Entwicklung zu niedrigeren Zuschlagswerten nun zunächst wieder umgekehrt: Die Einspeisevergütungen/Zuschlagswerte sind gestiegen. Nimmt damit auch der Druck auf die Gewinnmargen der Turbinenhersteller ab?

Hält der Wettbewerbsdruck die Anlagenpreise niedrig?

Grundsätzlich sind in einer Marktwirtschaft die Unternehmen im Vorteil, die ein Produkt haben, bei dem das Angebot geringer ist als die Nachfrage. Das sind in der aktuellen Situation neben den Grundstücksverpächtern die Projektentwickler, die genehmigte Projekte haben. Die Turbinenhersteller dagegen verfügen teilweise noch über Herstellungs-Kapazitäten, die auf den Windkraftzubau-Boom der Jahre 2016/2017 in Deutschland ausgelegt sind. Sie könnten in der Regel mehr Turbinen herstellen, als in Deutschland derzeit nachgefragt werden.

Insofern ist es unwahrscheinlich, dass sie höhere Preise durchsetzen können. Grundsätzlich ist es möglich, höhere Preise mit neuen, innovativen und effizienteren Produkten wie den neuen Turbinen zu erzielen. Allerdings besteht bei den Turbinenherstellern ein starker Wettbewerbsdruck, da mehrere Hersteller neue, leistungsstärkere Turbinen auf den Markt gebracht haben. Insbesondere in der Markteinführungsphase ist es wichtig, möglichst hohe Stückzahlen abzusetzen, um das Produkt am Markt zu etablieren. Daher ist es möglich, dass Turbinenhersteller zugunsten einer Marktdurchdringung ihrer neuen Turbinen zunächst Abstriche beim Preis hinnehmen.

Kapazitäten werden abgebaut

Angesichts des sich abzeichnenden Rückgangs beim Windkraftzubau in Deutschland haben verschiedene Turbinenhersteller Sparmaßnahmen und einen Abbau von Produktionskapazitäten in Deutschland beschlossen beziehungsweise teilweise bereits durchgeführt. Insofern ist Folgendes denkbar: Falls in späteren Jahren der Windkraftzubau hierzulande wieder zunehmen sollte, könnten die Produktionskapazitäten in Deutschland zunächst zu gering sein.

Das spielt eine Rolle, da im Vergleich zu Solarmodulen die Transportkosten bei Windenergieanlagen deutlich höher sind. Von in der Folge steigenden Preisen für Windkraftanlagen würden aber voraussichtlich weniger die Turbinenhersteller, sondern vor allem Transportunternehmen profitieren.

Politik verursacht volkswirtschaftlichen Schaden

Grundsätzlich ist der Abbau und eventuelle spätere Aufbau von Kapazitäten mit erheblichen Kosten verbunden - nicht nur für die beteiligten Unternehmen, sondern für die gesamte Volkswirtschaft. Beispielsweise gehen beim Kapazitätsabbau Arbeitsplätze und in der Folge Know-how verloren. Nicht verlässliche Rahmenbedingungen, wie sie die Bundesregierung mit der nicht richtig durchdachten Einführung des Ausschreibungssystems und der aktuellen Ungewissheit hinsichtlich der angekündigten Sonderausschreibungen geschaffen hat, schaden der Volkswirtschaft. Das betrifft Hersteller, Projektentwickler, Anleger, Stromkunden und den Klimaschutz.

Von der Situation profitieren dagegen die Betreiber von alten, abgeschriebenen Braunkohlekraftwerken, die angesichts der Dumpingpreise des gescheiterten CO2-Emissionszertifikatehandels auch kaum für die von ihnen verursachten externen Kosten der Luftverschmutzung aufkommen müssen.

Lesen Sie morgen, ob sich neue Investitionschancen für Privatanleger ergeben.

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