Gerd Junker führt zusammen mit seiner Frau Carmen die Grünes Geld GmbH. / Foto: Unternehmen

25.11.19 Finanzdienstleister , Fonds / ETF

"Wir haben eine gute Einschätzung von Nachhaltigkeit" – Interview mit Gerd Junker zum Robo Advisor klimafonds.de

klimafonds.de ist ein digitaler Vermögensverwalter, der für Anleger ein ETF-Portfolio zusammenstellt. Im ECOreporter-Interview erklärt Gerd Junker, Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH, wieso der Robo Advisor auf ETFs setzt, für welche Anleger er sich eignet und warum eine digitale Vermögensverwaltung einen menschlichen Berater noch nicht vollständig ersetzt.

ECOreporter: Können Sie unseren Lesern kurz erklären, was ein Robo Advisor ist?

Gerd Junker: Ein Robo Advisor ist ein digitaler Vermögensverwalter, der für einen Anleger ein Wertpapier-Portfolio zusammenstellt – ähnlich wie ein Berater aus Fleisch und Blut. Der Anleger erklärt, wie risikoaffin er ist und welche Anlageziele er hat, und der Robo Advisor bietet ein mögliches Portfolio an. Im Moment leisten Robo Advisor noch keine umfassende Finanzberatung: Versicherungen kann man über einen Robo Advisor nicht abschließen. Auch in Sachwerte kann man nicht über einen Robo Advisor investieren.

Für welche Zielgruppe ist Ihr Robo Advisor geeignet?

Unser Robo Advisor klimafonds.de spricht ethisch-ökologisch orientierte Anleger an, die kostengünstig investieren wollen. Um zu investieren, müssen Anleger ihre Wohnung nicht verlassen, sie benötigen keinen Termin bei einem menschlichen Berater und können zu jeder Uhrzeit ein Wertpapierdepot einrichten. Das Ganze dauert nicht mehr als 20 Minuten. Wenn das Depot einmal steht, muss sich niemand darum kümmern. Das erledigt der Robo Advisor.

Wie hoch sind die Gebühren?

Die Kosten für unseren Robo Advisor liegen bei 0,08 Prozent pro Monat – sind also äußerst gering. Hinzu kommen die Gebühren für die ETFs von vielleicht 0,3 bis 0,4 Prozent pro Jahr.

Ihr Klimafonds investiert in ETFs. Können Sie uns sagen, wieso Sie auf ETFs setzen?

ETFs punkten mit hohen Renditen und niedrigen Gebühren. Gleichzeitig sind sie sehr liquide. Das heißt: Anleger können ihr investiertes Vermögen schnell wieder in Bares umwandeln.

Wegweiser_kleines Format-1.jpg
Der Robo Advisor klimafonds.de setzt auf kostengünstige ETFs. / Foto: Unternehmen

Die großen ETF-Anbieter wie BlackRock (iShares), Vanguard oder UBS sind nicht gerade für ihre Nachhaltigkeit bekannt. Gibt es überhaupt ETFs für nachhaltige Anleger?

Anleger müssen bei der Geldanlage zwischen Rendite, Kosten und Nachhaltigkeit abwägen. Für ETFs sprechen vor allem die niedrigen Kosten, dafür sind sie nicht ganz so grün wie mancher aktiv gemanagte Fonds. Wir bemühen uns aber, für unseren Robo Advisor die nachhaltigsten ETFs herauszusuchen. Unsere ETFs investieren nicht in Rüstungskonzerne oder in Tabak. Wir setzen zudem nur auf ETFs, die tatsächlich die Aktien aus dem abgebildeten Index kaufen – also die Wertentwicklung des Index physisch replizieren. Synthetisch replizierende ETFs haben wir nicht im Programm (Anmerkung der Redaktion: Synthetische ETFs bilden die Wertentwicklung eines Index mithilfe eines Tauschgeschäfts, eines sogenannten Swaps, ab und halten nicht die Wertpapiere des Index). Wer aber höhere Ansprüche an Ethik und Ökologie hat, sollte sich bei Sachwertinvestments, grünen Versicherungen oder strengen aktiv verwalteten Nachhaltigkeitsfonds umsehen – das bieten wir unter gruenesgeld24.de an.

Viele nachhaltig ausgerichtete Anleger möchten ihr Geld nicht in Öl- und Kohleunternehmen stecken. Ihr Robo Advisor heißt passenderweise Klimafonds. Wie schließen Sie aus, dass in den ETFs Klimasünder enthalten sind?

Unser Ansatz beim klimafonds.de ist nicht der Ausschluss aller Unternehmen, die mit fossilen Energien Geld verdienen. Wir müssen uns auf die Nachhaltigkeitsansätze der ETFs verlassen. Meist wählen Nachhaltigkeits-ETFs ihre Aktien nach einem sogenannten Best-in-Class-Prinzip aus, investieren also in die 10 oder 20 Prozent der nachhaltigsten Unternehmen ihrer Branche. Es sind dann auch Unternehmen in den ETFs, die beispielsweise Öl und Gas fördern. Die Anbieter der ETFs achten aber darauf, dass die Unternehmen kontinuierlich ihre Emissionen reduzieren und so ein Stück zum Klimaschutz beitragen. Außerdem setzen wir in allen Angeboten auf spezielle Clean-Energy-ETFs, die in Erneuerbare Energien und Unternehmen mit klimafreundlichem Geschäftsmodell investieren. Dadurch können Anleger sicher sein, insgesamt ein klimafreundliches Depot zu haben.

Welche weiteren Nachhaltigkeitskriterien müssen die ETFs erfüllen, in die Sie investieren? Führen Sie auch selbst Nachhaltigkeitsanalysen durch?

Wir beschäftigen uns schon sehr lange mit dem Thema nachhaltige Geldanlage. Wir sind seit 2001 als Unternehmen tätig, seit 2007 unter dem Namen Grünes Geld. In tausenden von Gesprächen mit unseren Anlegern und durch Lektüre der Fachpresse haben wir eine sehr gute Einschätzung gewonnen, was Anleger aus Deutschland als nachhaltig einstufen und was nicht. Das deckt sich nur bedingt mit den Nachhaltigkeitsbewertungen von Rating-Agenturen, die das komplexe Thema Nachhaltigkeit in Zahlen pressen müssen. Entsprechend sehen wir die Auswahl geeigneter Nachhaltigkeits-ETFs eher als eine Kunst denn als eine Wissenschaft an. Formelle Kriterien gibt es deshalb bei uns nicht. An der Stelle gilt für uns: Herz vor Hirn.

Trennen Sie sich von ETFs, wenn sie Ihren Nachhaltigkeitsansprüchen nicht mehr genügen?

Ja, auch wenn es bisher nur bei gruenesgeld24.de und den dortigen aktiv verwalteten Fonds vorgekommen ist. Wir haben Grünes Geld gegründet, weil wir an einer Protestaktion gegen gentechnisch veränderten Mais teilgenommen haben und später merkten, dass Monsanto in einem unserer Fonds die größte Position war. Alle Anleger können sich sicher sein: Ethik und Ökologie sind für uns eine Herzensangelegenheit und nicht verhandelbar.

Haben Sie auch ein Angebot für christlich orientierte Anleger?

Es gibt starke Überschneidungen zwischen christlichen und sozial-ökologischen Anlagerichtlinien. Aber christliche Anleger haben besondere Anforderungen, zum Beispiel beim Thema Verhütung. Auf klimafonds.de bieten wir keine christlich ausgerichteten Anlagelösungen an. Aber auf gruenesgeld24.de haben wir geeignete Musterdepots mit aktiven Fonds.

Können Anleger über den Klimafonds auch in Alternative Investmentfonds (AIFs), Nachrangdarlehen, Immobilien oder Rohstoffe investieren?

Wir bieten auf klimafonds.de auch Beratungen für diese Anlageformen zu einem attraktiven Honorarpreis an (hier finden Sie mehr Informationen). Anleger können einfach eine Beratung hinzubuchen.

Seit wann bieten Sie den Klimafonds an, und wie haben sich die Portfolios der Anleger bisher entwickelt?

Wir bieten klimafonds.de seit 2018 an. Seit Januar 2018 lässt sich die Wertenwicklung der Portfolien verfolgen. Wir bieten ein defensives, ein ausgewogenes und ein wachstumsorientiertes ETF-Portfolio an. Die Entwicklung kann sich sehen lassen. Zum Beispiel hat das defensive Portfolio nach Kosten von Januar 2018 bis November 2019 6,2 Prozent an Wert gewonnen. Das ausgewogene ETF-Portfolio machte etwas über 10 Prozent und das wachstumsorientierte sogar 15,4 Prozent. Wer Anfang 2019 eingestiegen ist, konnte sich über eine noch bessere Rendite freuen. Der Wertzuwachs lag beim defensiven Portfolio bei fast 9 Prozent, beim ausgewogenen Portfolio bei 14 Prozent und beim Wachstumsportfolio bei 21 Prozent.

Was passiert mit den ETFs der Anleger, wenn Sie sich entscheiden, in den Ruhestand zu gehen?

Anleger müssen sich keine Sorgen machen. Die ETFs sind von Dritt-Anbietern. Selbst wenn wir unser Unternehmen verkaufen oder schließen, ändert das nichts an den ETFs – sie bleiben im Besitz der Anleger. klimafonds.de wird von der Grünes Geld GmbH angeboten, also einer juristischen Person. Sollten wir in den Ruhestand gehen, werden sich bestimmt andere Personen finden, die die GmbH weiterführen. Außerdem spielt das Thema Ruhestand in unseren Planungen für die nächsten 20 Jahre noch keine Rolle.

Digitale Vermögensverwaltung – wird der Markt weiter wachsen? Wie sieht es mit der Konkurrenz aus, vor allem durch große internationale Technologiekonzerne?

Der Markt wird sicherlich wachsen, denn wer online einkauft, seinen Urlaub online bucht und seinen Lebenspartner online findet, für den ist es nur konsequent, auch sein Geld online anzulegen. Schließlich ist es ist günstiger, schneller und bequemer.

Die heutigen Robo Advisor können jedoch noch keine komplexen und individuellen Fälle lösen oder tiefgrüne Vorschläge bieten – das ist ähnlich wie mit den autonomen Autos, die nach heutigem Stand auch nur die Spur halten oder rückwärts einparken können. Von einem Auto ohne Lenkrad reden wir wohl erst in Jahrzehnten. Wir sind uns sicher, dass es für eine ziemlich lange Zeit ein Nebeneinander geben wird. Manche bevorzugen den Weg über Robo Advisor, manche informieren sich komplett selbst, und manche möchten mit einem persönlichen Berater sprechen, der eine individuellere Lösung bietet. Ob große Technologiekonzerne einsteigen, kann keiner verlässlich sagen. Bis heute zeigen sie sich sehr zurückhaltend - bestimmt schreckt sie die hohe staatliche Regulierung und die Zersplitterung der Märkte ab.

Herr Junker, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

Gerd Junker ist Gründer und Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH, einer auf nachhaltige Geldanlagen spezialisierten Vermögensverwaltung. Der Finanzfachwirt und Diplom-Ingenieur leitet das Unternehmen zusammen mit seiner Frau Carmen Junker seit 2001.

Verwandte Artikel

22.11.19
Visual Vest: Die meisten jungen Deutschen setzen aus Bequemlichkeit auf unrentable Geldanlagen
 >
17.10.19
“Eine erfreuliche Dynamik im nachhaltigen ETF-Markt“ – Interview mit der Grüne Welt GmbH
 >
12.08.19
Einfach, digital, nachhaltig – Interview zum Robo Advisor von VisualVest
 >
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x