Veränderungen im US-Gesundheitssystem drückten zum Jahresauftakt auf die Fresenius-Bilanz. / Foto: Unternehmen

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Aktienfavorit Fresenius: Ziele fest im Blick – trotz schwierigem Umfeld

Fresenius SE, Medizintechnik- und Gesundheitsspezialist, stand im ersten Quartal 2018 unter Druck. Ein starker Euro und Veränderungen im US-Gesundheitssystem belasteten zum Jahresauftakt die Bilanz.

Hinzu kam eine abgeblasene Übernahme. Warum hält der Konzern trotzdem an seinen Jahreszielen fest?

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Laut dem Vorstandsvorsitzenden Stephan Sturm ist Fresenius mit viel Schwung ins Jahr gestartet - so sein Statement bei der Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal 2018 Anfang Mai. An den Zielen, ein weiteres Rekordjahr einzufahren, hält er fest: Der Umsatz soll um 5 bis 8 Prozent und der Gewinn um 6 bis 9 Prozent steigen.

Die Erlöse gingen allerdings von Januar bis Ende März um 1 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro zurück (erstes Quartal 2017: 8,4 Milliarden Euro), der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) sank sogar um 13 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro (erstes Quartal 2017: 1,2 Milliarden Euro). Fresenius begründet den Rückgang mit einem Einmaleffekt, der das Vorjahresquartal 2017 positiv beeinflusst hatte.

Gewinn geht zurück

Für den weltweit tätigen Gesundheitskonzern mit Sitz in Bad Homburg sei ein organisches Wachstum, also das Wachstum aus eigener Kraft, von immerhin 4 Prozent dennoch ein Beleg dafür, dass sämtliche Unternehmensbereiche und Regionen ihre Geschäfte erfolgreich ausgebaut hätten. Letztendlich stehen knapp 450 Millionen Euro Gewinn in den Büchern (erstes Quartal 2017: 457 Millionen Euro).

Druck im Dialyse-Geschäft

Probleme gibt es bei der Fresenius-Tochter Fresenius Medical Care (FMC). Änderungen im US-Gesundheitssystem drücken auf die Geschäfte. Die Folge: FMC erzielte im ersten Quartal 2018 einen Gewinnrückgang um fast 10 Prozent auf 279 Millionen Euro (erstes Quartal 2017: 308 Millionen Euro). Fresenius ist an FMC mit fast 31 Prozent beteiligt, der Rest der Anteile befindet sich im Streubesitz. Die FMC-Unternehmenslenker rechnen dennoch mit einem Rekordjahr für 2018 für den weltweit führenden Anbieter von Dialyseprodukten und –dienstleistungen.

Umsatzprognose gesenkt

FMC senkte im April 2018 seine Umsatzprognose: Insgesamt peilt der Konzern mit Sitz in Hof an der Saale im Nordosten Bayerns ein Umsatzwachstum von 5 bis 7 Prozent an. Das Konzernergebnis soll hingegen um 13 bis 15 Prozent ansteigen.

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Herausforderung USA

Seit der Amtseinführung des US-Präsidenten Donald Trump sehen sich der Fresenius-Konzern und seine Töchter immer wieder mit den Umstellungen im US-Gesundheitssystem konfrontiert.

Ein weiteres Problem stellt die Anfang April abgesagte Übernahme des US-Generikaherstellers Akorn durch Fresenius dar. Der Hersteller von Nachahmerpräparaten sollte von Fresenius für insgesamt 4,4 Milliarden Euro übernommen werden, doch der Deal ist geplatzt: Fresenius wirft dem US-Konzern Betrug auf höchster Ebene vor. Es seien geschönte Daten für ein Antibiotikum und mindestens fünf weitere Produkte an Fresenius übermittelt worden. Dieses Vorgehen habe das Akorn-Management Fresenius bis Dezember 2017 verheimlicht.

Akorn sieht sich zu Unrecht mit den Vorwürfen konfrontiert und pocht weiter auf die Einhaltung der von den Fresenius gemachten Zusagen. Dazu legte Akorn beim zuständigen US-Gericht Beschwerde gegen die Kündigung des Übernahmeangebots ein. Zudem wies Akorn die Vorwürfe von Fresenius in einer Stellungnahme zurück.

Im US-Markt wachsen

Nach der fehlgeschlagenen Übernahme will Fresenius nun aus eigener Kraft in Nordamerika wachsen. Die auf Nachahmer-Präparate spezialisierte Konzern-Tochter Fresenius Kabi biete, laut Konzernchef Stephan Sturm, dafür eine gute Ausgangsposition. Er sieht weiterhin eine starke Nachfrage nach Nachahmer-Präparaten in Nordamerika. Ausgelöst durch finanzielle Einsparungen im US-Gesundheitssystem könnten US-Amerikaner zukünftig bevorzugt auf die günstigen Nachahmer-Medikamente zurückgreifen.                                                                               

Anleger skeptisch

Die Fresenius-Aktie bleibt unter Druck und verharrt in einer Seitwärtsbewegung von November 2017 bis heute im Bereich zwischen 60 und 70 Euro.

Fazit: Anteile kaufen oder aufstocken

Wir empfehlen Aktionären, eine kleine Position von Fresenius-Anteilen zu kaufen oder ihre bereits vorhandene Position aufzustocken. Zum aktuellen Preis von 66,60 Euro (8. Mai 2018, 13:30 Uhr, Xetra-Handel) bietet die Aktie eine Kaufchance.

Fresenius ist für Langfristinvestoren ein gutes Investment. Der Konzern ist sehr breit aufgestellt und dürfte nicht nur organisch, sondern auch durch Zukäufe weiter wachsen. Die Absage der Übernahme von Akorn ist positiv.

Den maximalen Anteil der Fresenius-Aktie im Depot sollte bei 3 Prozent des Gesamtdepotvolumens liegen. Eine Absicherung mittels Stopp-Loss-Kurs ist nicht zwingend erforderlich. Der Fresenius-Aktienkurs hat bereits in den vergangenen sechs Monaten eine Bodenbildung mitgemacht. Der niedrige Aktienpreis von 59,30 Euro je Anteil (26. März 2018) wurde nicht mehr unterschritten und deutlich nach oben übertroffen.                    

Anleger partizipieren zudem an einer geringen aber in den vergangenen Jahren stetig angestiegenen Dividendenrendite von aktuell (bezogen auf den Aktienpreis von 8. Mai 2018) fast 1,2 Prozent. Nach 25 Dividendenanhebungen in Folge ist Fresenius Deutschlands erster Dividendenaristokrat.

Fresenius bleibt eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Dividendenkönige. Lesen Sie auch unser ausführliches Unternehmensporträt.

Fresenius SE: ISIN DE0005785604 / WKN 578560

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