Tommy Piemonte ist Leiter des Nachhaltigkeitsresearchs bei der Bank für Kirche und Caritas. / Foto: Unternehmen

16.07.19 Meldungen , Finanzdienstleister , Fonds / ETF

Bank für Kirche und Caritas überarbeitet Anlagestrategie

Die Bank für Kirche und Caritas (BKC) überarbeitet ihre Anlagestrategie. Wie die genossenschaftlich organisierte Bank aus Paderborn meldet, soll die neue Anlagestrategie auf die aktuellen ökologischen und sozial-ethischen Herausforderungen reagieren und das Rendite-Risiko-Verhältnis der eigenen Investments weiter verbessern.

Ab Juli dieses Jahres will die BKC nicht mehr in Unternehmen investieren, die Strom aus Kohle produzieren. Ausgeschlossen sind laut BKC alle Stromerzeuger mit einem Umsatzanteil von Kohlestrom ab 20 Prozent oder einer jährlichen Produktion von mehr als 10 Millionen Megawattstunden Strom aus dem klimaschädlichen Brennstoff.

Investitionsrichtlinien werden strikter

Seit 2016 investiert die christliche Bank nicht mehr in die Förderung von Kraftwerkskohle, Ölsand und Ölschiefer. Nun wird diese Investitionsrichtlinie weiter verschärft.

Die BKC will alle Arten von unkonventioneller Öl- und Gasförderung aus ihren Investments ausschließen sowie die Förderung fossiler Energieträger in der Arktis und die Stromproduktion aus Öl ab einem Umsatzanteil von 50 Prozent. Neben dem Ausschluss von Firmen mit klimaschädlichem Geschäftsmodell hat die BKC Unternehmen neu auf ihrer Ausschlussliste, die Geld mit Cannabis oder Laser-Blendwaffen verdienen.  

Neuer Anlageansatz ersetzt "Best-in-Class"-Verfahren

Reformiert hat die katholische Bank auch den grundlegenden Anlageansatz ihrer Fonds. Das "Best-in-Class"-Verfahren wird durch ein "Worst-in-Universe"- und "Worst-in-Class"-Konzept ersetzt. Im Best-in-Class-Verfahren werden die nachhaltigkeitsbesten Unternehmen einer Branche in einen Fonds aufgenommen. Das neue Anlageverfahren der BKC schließt hingegen die schlechtesten Unternehmen eines Anlageuniversums und einer Branche aus. Zudem setzt die BKC in Zukunft auf das Verfahren der "ESG-Integration". Bei diesem Analyseansatz werden Nachhaltigkeitsaspekte, die Risiko- und Renditeauswirkungen haben können, in die klassische Finanzanalyse mit eingebunden.

Minderung des Risikos

 "Ziel unseres innovativen Ansatzes ist es, zielgenau diejenigen Unternehmen auszusortieren, die das höchste ESG-Risiko (Environment, Social and Governance, deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) im gesamten Anlageuniversum und zugleich das höchste ESG-Risiko in ihrer Branche haben“, erklärt Tommy Piemonte, Leiter Nachhaltigkeitsresearch bei der Bank für Kirche und Caritas.

"Durch dieses Vorgehen sind wir in der Lage, nicht nur aus Nachhaltigkeitssicht schlechte Unternehmen zu meiden, sondern eben auch frühzeitig finanzielle Risiken aufzuspüren, die mit solchen Unternehmen einhergehen können."

Nachhaltigkeitsresearch wird ausgeweitet

Um die Veränderungen in der Anlagestrategie adäquat umsetzen zu können, nutzt die BKC nun ein breiteres Spektrum von Nachhaltigkeitsanalysen. Seit Juli dieses Jahres arbeitet die BKC mit vier Nachhaltigkeits-Ratingagenturen zusammen - mit MSCI ESG Research, Sustainalytics, VigeoEiris und imug. Vorher hatte die kirchliche Bank ihre Analysen nur von imug bezogen.

Die vier Agenturen unterscheiden sich unter anderem in der Anzahl der Unternehmen, die sie abdecken, und in ihrem Fokus in der Nachhaltigkeitsanalyse – manche sind stärker auf Kontroversen, andere auf die Verfehlung von Ausschlusskriterien spezialisiert. Mit den Analysen von den vier Agenturen möchte die kirchliche Bank die Qualität ihrer Nachhaltigkeitseinschätzungen weiter verbessern.

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