mRNA-Produktion bei BioNTech. Die nachhaltige Aktie hat auf Jahressicht 180 Prozent gewonnen. Kann sich ein Kauf noch lohnen? / Foto: BioNTech

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BioNTech: Boostert der Corona-Impfstoff die Aktie?

Das derzeit vielleicht wichtigste Unternehmen der Welt kommt aus Mainz. Die BioNTech SE trägt mit ihrem Impfstoff entscheidend zur Eindämmung der Corona-Pandemie bei. Aber ist der Konzern auch eine aussichtsreiche nachhaltige Geldanlage?

Mehr als zwei Milliarden Corona-Impfdosen haben BioNTech und der Produktionspartner Pfizer in den ersten zehn Monaten 2021 weltweit ausgeliefert. Bis Ende des Jahres sollen knapp drei Milliarden Dosen produziert werden, 2022 ungefähr vier Milliarden. Ende März nächsten Jahres will BioNTech den ersten spezifischen Impfstoff gegen die Omikron-Variante auf den Markt bringen.

BioNTech und der US-Pharmakonzern Pfizer verfügen zusammen über 20 Impfstofffabriken auf vier Kontinenten, ihre Lieferkette ist leistungsstärker und stabiler als die des derzeit größten Konkurrenten Moderna. Aber reicht das, um die hohen Kursgewinne der BioNTech-Aktie zu rechtfertigen?

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Impfstoff soll für alle bezahlbar sein

BioNTech erzielt aktuell Milliardengewinne, legt es jedoch nicht auf Gewinnmaximierung an. Das türkischstämmige Medizinerehepaar Uğur Şahin und Özlem Türeci, das die Firma 2008 gegründet hat, setzt sich für eine gerechte und bezahlbare Verteilung des Impfstoffs ein. In diesem und im nächsten Jahr will BioNTech insgesamt zwei Milliarden Impfdosen zum Selbstkostenpreis an arme Länder und Hilfsorganisationen abgeben. 2022 möchte der Konzern außerdem erste Produktionsstätten in Afrika aufbauen.


Die BioNTech-Gründer Özlem Türeci und Ugur Sahin bei der Verleihung des Deutschen Zukunftspreises 2021 in Berlin. / Foto: imago images, Political-Moments

Einen Teil seiner Gewinne investiert BioNTech in das ursprünglich wichtigste Vorhaben von Sahin und Türeci: innovative Krebsmedikamente zu entwickeln. Aktuell arbeiten die mittlerweile über 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konzerns (Frauenanteil: 54 Prozent) an rund 20 Präparaten, von denen einige wie der Corona-Impfstoff auf neuartigen mRNA-Wirkmechanismen basieren. Die Medikamente sollen unter anderem zur Behandlung von Eierstockkrebs, Prostatakrebs, Lungenkrebs, Darmkrebs und Hautkrebs eingesetzt werden. Vier Präparate befinden sich mittlerweile in der zweiten von drei klinischen Testphasen, einige weitere in Phase eins. Zudem entwickelt BioNTech Impfstoffe gegen Malaria, Tuberkulose und die Grippe.

Hohe Gewinnmargen

Der seit Dezember 2020 zugelassene Corona-Impfstoff Comirnaty ist das erste kommerzielle Produkt von BioNTech. Innerhalb weniger Monate hat Comirnaty aus dem defizitären Start-up eines der wertvollsten deutschen Unternehmen gemacht. Für das Geschäftsjahr 2021 rechnet BioNTech mit einem Umsatz von 16 bis 17 Milliarden US-Dollar, fast ausschließlich aus dem Verkauf von Corona-Impfdosen. In den ersten neun Monaten verbuchte das Unternehmen einen Nettogewinn von 7,1 Milliarden Dollar. Etwa 1 Milliarde Dollar wollen Sahin und Türeci bis Jahresende für Forschung und Entwicklung ausgeben.

Ende September verfügte BioNTech über einen Cash-Bestand von 2,4 Milliarden Dollar. Der Konzern ist solide finanziert: Vermögenswerten von 14,2 Milliarden Dollar standen Ende September Schulden in Höhe von 5,5 Milliarden Dollar gegenüber. Aktuell ist BioNTech an der Börse mehr als 60 Milliarden Dollar wert (Stand 23.12.2021).

Aktienkurs fast verdreifacht

Die Aktie von BioNTech ist seit 2019 an der US-Börse Nasdaq gelistet. 17,25 Prozent der Anteile hält Unternehmensgründer Sahin, 47,37 Prozent eine Beteiligungsgesellschaft der Strüngmann-Brüder, die 2015 ihren Pharmakonzern Hexal verkauft haben und seitdem in aufstrebende Firmen investieren. Bislang zahlt BioNTech keine Dividende.

Auf Jahressicht ist der Börsenkurs um 180 Prozent gestiegen. Seit Anfang August, als die Aktie bei 380 Euro stand, zeigt sich eine Abwärtstendenz, allerdings auf hohem Niveau. Momentan kostet die Aktie im Tradegate-Handel 232,10 Euro (Stand 23.12.2012, 10:28 Uhr). Der Kurs ist schwankungsanfällig, weil die Aktie für viele Anlegerinnen und Anleger ein Spekulationsobjekt ist und entsprechend oft ge- und verkauft wird.

Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2021 liegt bei 7 – ein niedriger Wert. Allerdings profitiert BioNTech derzeit stark von seinem medizinischen und logistischen Vorsprung im Impfstoffgeschäft. Ob das aktuelle Gewinn- und Margenniveau mittelfristig zu halten ist, erscheint fraglich. Zum Vergleich: Der hoch profitable Schweizer Pharmariese Roche wird in diesem Jahr mit mehr als 100.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in seinem Kerngeschäft voraussichtlich einen Gewinn von ungefähr 17 Milliarden Dollar erzielen. BioNTech dürfte auf einen Jahresgewinn von knapp 10 Milliarden Dollar kommen – mit nicht viel mehr als 2.500 Angestellten. Aber: Auch mit einem Drittel des aktuellen Gewinns wäre das Unternehmen immer noch akzeptabel bewertet. Und BioNTech ist derzeit an der Börse günstiger als der US-Konkurrent Moderna: Dessen erwartetes KGV liegt bei 10.

Fazit

BioNTech ist ein junges, nachhaltiges Unternehmen, das sich trotz Milliardengewinnen weiterhin im Aufbau befindet. Bislang vertreibt die Firma nur ein Produkt, die nächsten Marktzulassungen werden noch Zeit brauchen. Aber: BioNTech ist führend bei innovativen mRNA-Verfahren und hat jetzt dank der wahrscheinlich noch auf Jahre hinaus hohen Nachfrage nach Corona-Impfstoff das Kapital, um die Entwicklung seiner anderen Präparate voranzutreiben. Ein erheblicher Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten wie CureVac, die nach wie vor rote Zahlen schreiben.

Ein Investment in BioNTech ist letztlich auch eine Wette darauf, dass das Unternehmen abseits des Corona-Impfstoffs Erfolg haben wird. Auf lange Sicht könnte dies gelingen, die Voraussetzungen sind derzeit günstig.

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BioNTech SE ADR: ISIN US09075V1026 / WKN A2PSR2

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