Viele der von ECOreporter analysierten Gesundheitsaktien entwickelten sich in den letzten drei Monaten besser als der Vergleichsindex. / Foto: Pixabay

21.03.19 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Aktien-Favoriten

Gesundheitsaktien: Bis zu 53 Prozent Plus

Katheter, Hörgeräte, Krebsmedikamente, künstliche Hüftgelenke – das sind einige der wichtigsten Produkte der von ECOreporter analysierten nachhaltigen Gesundheitsunternehmen. Wo lohnt sich der Einstieg, und von welchen Aktien sollte man derzeit besser die Finger lassen?

Weltweit werden die Menschen immer älter, und sie können ihr Leben dank verbesserter Medikamente und Medizintechnik länger genießen. Das Geschäftsfeld Gesundheit wächst und hat weiter gute Aussichten.

ECOreporter hat im Dezember 2018 zehn Aktiengesellschaften herausgesucht, die die Gesundheit und Lebensqualität von Menschen verbessern und als überdurchschnittlich ökologisch und sozial gelten (die beiden Artikel finden Sie hier). Bei einigen mittelgroßen Unternehmen wie dem Naturkosmetikhersteller L’Occitane oder dem Homöopathie-Spezialisten Boiron gibt es keine K.o.-Kriterien in Sachen Nachhaltigkeit – sie sind auch für anspruchsvolle Anleger geeignet. Pharmakonzerne wie Roche, Novartis oder Novo Nordisk kommen hingegen nicht ohne Tierversuche und Gentechnik aus.

In der aktuellen Branchen-Analyse untersucht ECOreporter noch vier weitere Aktien: den dänischen Medizintechnikanbieter Ambu, den australischen Hörimplantate-Hersteller Cochlear, das auf Cannabis-Medikamente spezialisierte britische Unternehmen GW Pharmaceuticals und den Schweizer Zahnmedizinkonzern Straumann.

Der weltweite Gesundheitsbranchen-Aktienindex MSCI World/Health Care legte in den letzten drei Monaten um 12 Prozent zu. Viele der von ECOreporter analysierten Gesundheitsaktien konnten den Index schlagen. Einige sind aktuell allerdings sehr hoch bewertet.

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GW Pharmaceuticals plc: Cannabis als sanfte Medizin

Viele Menschen verbinden mit Cannabis vor allem qualmende Joints. Die Pflanze kann aber auch für medizinische Zwecke genutzt werden. Kleinere Pharmafirmen stellen schon seit Jahren Arzneimittel auf Cannabis-Basis her. Das britische Unternehmen GW Pharmaceuticals, gegründet 1998, bietet unter anderem Cannabis-Medikamente zur Behandlung von Epilepsie und Multipler Sklerose an.

GW Pharmaceuticals ist noch weit von der Gewinnzone entfernt. Im letzten Quartal 2018 betrug der Umsatz 6,7 Millionen US-Dollar, der Nettoverlust lag allerdings um ein Vielfaches höher: bei fast 72 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen investiert viel Geld in Forschung und Entwicklung, geht aber davon aus, 2019 die Zulassung für mehrere neue Medikamente zu erhalten und dann die Umsätze deutlich steigern zu können. Die Cash-Reserven von GW Pharmaceuticals betrugen Ende 2018 immerhin 592 Millionen US-Dollar, die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 4,6 Milliarden Euro.

Die Aktie des Unternehmens unterliegt starken Kursschwankungen. Ende Dezember notierte sie bei 83,50 Euro, aktuell steht sie in der Nähe ihres Allzeithochs von 159 Euro. Auf Sicht von drei Monaten hat die Aktie um fast 53 Prozent zugelegt. Ein Investment für risikofreudige Anleger.

Straumann AG: Gute Zähne als Geschäftszweck

Straumann gehört zu den weltweit größten Zahnmedizinkonzernen und bietet neben Implantaten, Kronen und Brücken auch Verfahren zum Knochenaufbau und zur Geweberegeneration an. Das Schweizer Unternehmen mit Sitz in Basel berücksichtigt bei der Produktion Umweltaspekte und legt seine Umweltkennzahlen offen.

In den letzten drei Monaten ist der Kurs der Straumann-Aktie um fast 30 Prozent gestiegen. Das Unternehmen hat 2018 Produkte im Wert von 1,2 Milliarden Euro abgesetzt – ein Plus von 23 Prozent. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) lag bei 302 Millionen Euro. Für 2019 erwartet Straumann ein Umsatzwachstum von 13 Prozent.

Auch die Straumann-Aktie notiert aktuell in der Nähe ihres Allzeithochs (718 Euro). Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 46 ist die Aktie hoch bewertet. Bei sinkenden Kursen können sich Einstiegschancen ergeben.

Stryker Corp., Coloplast A/S, Novo Nordisk A/S: Aussichtsreiche Aktien

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Stryker stellt unter anderem Transportliegen für den Rettungsdienst her. / Foto: Unternehmen

Die ECOreporter-Favoriten-Aktien Stryker, Coloplast und Novo Nordisk haben sich in den letzten drei Monaten mit einem Kursplus zwischen 15,4 und 24,2 Prozent besser entwickelt als der MSCI World/Health Care Index. Stryker ist nach Einschätzung von ECOreporter derzeit die aussichtsreichste nachhaltige Gesundheitsaktie – ein aktuelles Porträt der Aktie finden Sie hier.

Auch die dänischen Unternehmen Coloplast und Novo Nordisk veröffentlichten in den letzten Wochen ansprechende Geschäftszahlen. Coloplast ist momentan hoch bewertet – wer in die Aktie einsteigt, sollte in der Lage sein, zwischenzeitliche Kursverluste auszusitzen. Die Novo Nordisk-Aktie ist günstiger zu haben, der Diabetes-Spezialist hat allerdings vor wenigen Tagen ein wichtiges Gerichtsverfahren gegen den Generikahersteller Teva verloren.

Fresenius AG und Sonova AG holen Kursverluste auf

Der Hörgerätehersteller Sonova legte in den letzten drei Monaten um mehr als 23 Prozent zu und konnte den starken Kursrückgang aus dem Herbst 2018 komplett aufholen. Das Schweizer Unternehmen hat seine internationalen Vertriebsstrukturen gestrafft und wegen des drohenden Brexits einen Teil seines britischen Dienstleistungszentrums nach Spanien und Vietnam verlagert. Nach einer Kaufempfehlung der Großbank UBS ist der Aktienkurs von Sonova im Januar deutlich gestiegen. Die Aktie ist derzeit mit einem KGV von 31 nicht günstig bewertet. Es empfiehlt sich, auf sinkende Kurse zu warten und zu beobachten, wie Sonova mit dem verschärften Konkurrenzkampf auf dem US-Markt umgeht.

Der Kurs der ECOreporter-Favoriten-Aktie Fresenius stieg in den letzten drei Monaten um 14 Prozent. Der Bad Homburger Gesundheitskonzern konnte damit einen Teil der hohen Wertverluste aus dem vierten Quartal 2018 wieder wettmachen.

Fresenius leidet unter dem schwächelnden Geschäft seiner Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care und rechnet für 2019 wegen Umstrukturierungsmaßnahmen nicht mit steigenden Gewinnen. Anleger sollten die Aktie halten, aber absichern. Wie das geht, erfahren Sie hier.

Cochlear Ltd.: Patentklau bei Hörimplantaten?

Cochlear ist eigenen Angaben zufolge Weltmarktführer für Hörimplantate. Mit seinen Produkten hilft das australische Unternehmen Menschen mit mittelgradigem bis vollständigem Hörverlust, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Im zweiten Halbjahr 2018 stiegen die Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf umgerechnet 444 Millionen Euro, der Nettogewinn kletterte um 11 Prozent auf 80 Millionen Euro.

Derzeit laufen mehrere Klagen der Biotech-Unternehmen AMF und Advanced Bionics gegen Cochlear. Die US-Firmen werfen dem Implantathersteller vor, Technik zu verwenden, an der sie Patente halten. Im November 2018 wurde Cochlear deshalb von einem Gericht in den USA zu einer Strafzahlung von 268 Millionen US-Dollar verurteilt. Cochlear hat Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Die Aktie des Unternehmens hat sich in den letzten fünf Jahren solide entwickelt, und die Zukunftsperspektiven im Kerngeschäft sind gut. Anleger sollten jedoch den Ausgang der Gerichtsverfahren abwarten, bevor sie einen Einstieg in Erwägung ziehen.

Ambu A/S: Notfallmedizin als Lebensretter

Beatmungsbeutel, Gesichtsmasken, EKG-Elektroden – Ambu stellt Medizintechnik für den Rettungsdienst und die Notfallversorgung in Krankenhäusern her. Das 1956 gegründete dänische Unternehmen vertreibt seine Produkte weltweit und konnte im letzten Quartal 2018 seinen Umsatz auf dem US-Markt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent steigern. Insgesamt stieg der Quartalsumsatz um 15 Prozent auf 88 Millionen Euro. Der Nettogewinn legte um 125 Prozent auf 8,4 Millionen Euro zu. Auch für das laufende Geschäftsjahr erwartet Ambu ein Umsatzwachstum von 15 Prozent.

Nach sehr starken Wertschwankungen im letzten Jahr zeigt der Aktienkurs von Ambu mittlerweile wieder kontinuierlich nach oben. Mit einem KGV von 113 ist die Aktie extrem hoch bewertet. ECOreporter empfiehlt, auf fallende Kurse zu warten.

Cigna Corp.: Kappt Trump die Rabatte für Medikamente?

Als einziges der von ECOreporter analysierten Gesundheitsunternehmen hat Cigna seit Mitte Dezember an Börsenwert verloren – um mehr als 10 Prozent. Der US-Krankenversicherer, der in mehreren nachhaltigen Fonds und Indizes vertreten ist, brachte Ende letzten Jahres die Übernahme des US-Pharmakonzerns Express Scripts erfolgreich über die Bühne. Den Kaufpreis von 54 Milliarden US-Dollar schätzen einige Analysten aber als zu hoch ein. Außerdem droht die Trump-Regierung damit, die staatlich festgelegten Rabatte für Arzneimittel in den USA zu kürzen – auf den Krankenversicherer kämen dann zusätzliche Kosten zu.

Durch seine strategischen Firmenzukäufe ist Cigna jedoch grundsätzlich gut für Krisen gewappnet. Die Aktie ist momentan mit einem nicht zu hoch erscheinenden KGV von 17 bewertet. Die Jahresdividende von Cigna liegt seit 2009 bei mickrigen 0,04 US-Dollar je Aktie.

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