BlackRock ist einer der größten Kohleinvestoren weltweit. / Foto: Pixabay

28.01.20 Meldungen , Fonds / ETF

BlackRock und der Kohleausstieg - wie ernst meint es der Vermögensverwalter wirklich?

Der US-Vermögensverwalter und ETF-Anbieter BlackRock will sich nachhaltiger aufstellen und Geld aus Unternehmen abziehen, die Kraftwerkskohle fördern. Die Nichtregierungsorganisation urgewald begrüßt diesen Schritt – kritisiert aber, dass BlackRock mit seinem geplanten Kohlerückzug nur einen Bruchteil seiner klimaschädlichen Kohleinvestments abstoßen werde.

BlackRock-Chef Larry Fink kündigte Mitte Januar an, dass sein Unternehmen mehr gegen den Klimawandel tun wolle. In seinem alljährlichen Brief an die Firmen, deren Wertpapiere BlackRock hält, schrieb Fink, dass sich BlackRock bis 2025 von seinen Investments in Kohleunternehmen trennen möchte – aber nur, sofern diese mehr als 25 Prozent ihres Umsatzes mit der Förderung von klimaschädlicher Kraftwerkskohle erzielen.

BlackRock-Richtlinie vielversprechend - aber zu begrenzt

Dass der weltgrößte Vermögensverwalter eine Kohledivestment-Richtlinie mit konkreten Daten und Schwellenwerten veröffentlicht habe, sei ein vielversprechendes Zeichen, heißt es von urgewald. Der Geltungsbereich der Richtlinie sei jedoch "viel zu begrenzt", und weitere Schritte "müssen rasch folgen", fordert die Nichtregierungsorganisation.

BlackRocks neue Richtlinie betreffe nur Unternehmen, die Kohle fördern und weiterverkaufen, mahnt urgewald an. Nicht betroffen seien Unternehmen, die etwa Kohlestrom erzeugen. Das bedeute, dass einige der weltweit größten CO2-Emittenten - wie zum Beispiel RWE - von der neuen Richtlinie gar nicht erfasst würden. Das liege daran, so urgewald, dass die mehr als 80 Millionen Tonnen Kohle, die RWE jedes Jahr fördere, direkt in den firmeneigenen Kraftwerken verbrannt würden.

Keine Kohlekraftwerksbetreiber betroffen

"Das größte Problem an BlackRocks neuer Richtlinie ist, dass sie den emissionsreichsten Teil der Industrie ignoriert, und zwar die Kraftwerksbetreiber. Solange Energieunternehmen, die wie RWE, PGE oder Adani große Mengen Kohle verbrennen, in BlackRocks Portfolio bleiben können, hat Larry Fink seine Hausaufgaben in Sachen Nachhaltigkeit einfach nicht gemacht“, sagt Katrin Ganswindt, Energie- und Umwelt-Kampaignerin bei urgewald.

Zudem würden die weltweit größten Kohlebergbauunternehmen, wie BHP Billiton aus Australien oder XCEL Energy aus den USA, im Portfolio von BlackRock bleiben. Dies schlicht deshalb, weil sie auch mit Metallen und Erzen handelten und der Kohleanteil am gesamten Umsatz unter 25 Prozent liege. Deshalb seien Umsatzkriterien nicht ausreichend, um mit einem angedrohten Divestment Druck auf die Unternehmen und Aktionäre ausüben zu können.  

Auch Kohlekraftwerksentwickler werden nicht erfasst

BlackRock hält urgewald zufolge außerdem Anleihen und Aktien im Wert von über 17 Milliarden US-Dollar an mehr als 80 Kohlekraftwerksentwicklern. Laut einer von urgewald auf der Weltklimakonferenz in Madrid veröffentlichten Studie ist BlackRock damit aktuell der weltweit größte institutionelle Investor in Unternehmen, die neue Kohlekraftwerke bauen.

Für einen effektiven Kohleaustritt brauche es absolute Grenzen, die sich auf den Umfang des gesamten Kohlegeschäfts eines Unternehmens beziehen. "Die Größe zählt. Das ist auch der Grund, weshalb Investoren wie der Norwegische Pensionsfonds oder der französische Versicherungsriese AXA Richtlinien veröffentlicht haben, durch die Firmen ausgeschlossen werden, deren Kohle-Gesamtproduktion bei mehr als 20 Millionen Tonnen pro Jahr liegt oder die mehr als 10 Gigawatt Kohlekapazität installiert haben. Richtlinien, die Kohle-Unternehmen aufgrund ihrer diversifizierten Einnahmequellen nicht erfassen, sind einfach nicht gut genug“, sagt Heffa Schücking, Gründerin von urgewald.

Konkrete Vorschläge für Divestment-Richtlinie

Die Nichtregierungsorganisation hat einige Vorschläge, was BlackRock anders machen könnte. Um sicherzustellen, dass BlackRocks Kohle-Richtlinie die gesamte Kohleindustrie abdeckt und nicht nur einen Bruchteil wie aktuell, müsste BlackRock vier Kriterien anwenden.

Erstens: BlackRock sollte laut urgewald seine Richtlinie in allen Geschäftsbereichen und auf passive Fonds anwenden. Die meisten Vermögenswerte von BlackRock werden passiv und für Dritte verwaltet. Derzeit gelte die neue Richtlinie nur für aktiv verwaltete Vermögenswerte.

Zweitens: BlackRock muss urgewald zufolge dem Versicherer AXA folgen und alle Kohlekraftwerks- und Kohlebergbauentwickler sofort aus seinem Portfolio ausschließen.

Drittens müsse BlackRock einen Schwellenwert von 25 Prozent für Kohle bei der Energieerzeugung einführen, um auch Versorgungsunternehmen (wie RWE) und nicht nur Bergbauunternehmen zu erfassen. Um Kohleinfrastrukturunternehmen auszuschließen - zum Beispiel Firmen, die Bergbaumaschinen verkaufen oder Kohle transportieren - , sollte BlackRock andere Einnahmequellen in den Kohle-Umsatzanteil miteinbeziehen.

Viertens müsse BlackRock absolute Schwellenwerte festlegen. Als Vorbild nennt urgewald die Erfassung von Bergbau- und Energieunternehmen in der Datenbank Global Coal Exit List.

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