"Die Eignung des Projekts ergibt sich nicht aus der Solaranlage, sondern aus dem Kapitalbedarf", sagt Zsolt Balogh vom Projektentwickler Soventix. / Foto: ECOreporter.de

13.04.18 Crowd-Investment

Crowd-Investment: "Viele Kleine machen den Unterschied"

Schwarmfinanzierungen sind nicht risikoarm - was spricht dafür? Das lesen Sie in Teil 2 unseres Interviews mit Zsolt Balogh von Soventix.

Zsolt Balogh leitet bei Soventix in Wesel (Niederhein) den Bereich Project Finance, der sich mit der Eigenkapitalsicherung und Schuldenfinanzierung für Solar-Projekte in Kanada, USA, Chile und anderen aufstrebenden Märkten beschäftigt.

Im ersten Teil des Interviews ging es unter anderem um die Frage, wieso Deutschland in Sachen Crowdinvesting noch hinterherhinkt - trotz der Energiewende. 

ECOreporter.de: Herr Balogh, derzeit gibt es zum Beispiel viele kleine Crowdinvestments in Solarprojekte in Afrika - ein Totalverlust ist immer möglich. Warum sollte man trotzdem investieren? Doch nicht wegen der Rendite?

Zsolt Balogh: Es stimmt, dass ein Totalverlust theoretisch möglich ist. Aber auch bei Immobilienprojekten, Unternehmensanleihen oder Aktieninvestments sind Totalverluste möglich. Empfehlenswert ist eine Diversifikation bei den Anlagen: ein Crash auf dem Immobilienmarkt in Deutschland würde den Betrieb von Solaranlagen im Ausland nicht betreffen und deren Stabilität dann besonders zum Vorschein bringen. Darüber hinaus sollte man sich stets vor Augen führen, dass hochverzinste Investments häufig mit höheren Risiken einhergehen. Ein Anleger sollte daher stets den Blick auf das Chancen-Risiken-Verhältnis richten.

Bei Investitionen in Erneuerbare-Energien-Projekte in Entwicklungsländern sollte man aber auch weiche Faktoren berücksichtigen: den Beitrag zum Klima(schutz), den sozialen Beitrag durch bessere Lebensqualität und Bildung und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Letzteres ist seit geraumer Zeit auch wichtiges Thema in der Politik, wo nicht nur Großvorhaben sondern vor allem viele "Kleine" den Unterschied machen können.

Für welche (Solar-)Projekte sind Crowd-Kampagnen empfehlenswert, für welche nicht?

Die Eignung des Projekts ergibt sich nicht aus der Solaranlage, sondern aus dem Kapitalbedarf. Kleine Anlagen lassen sich oft ohne eine Finanzierung über die Crowd nicht realisieren. Hier ist vielerorts eine klassische Finanzierung über Banken aussichtslos.

Es gibt eine Vielzahl an Crowdfunding-Plattformen - verlieren Anleger da nicht schnell den Überblick? Wäre weniger nicht mehr?

Ich kann gut nachvollziehen, dass die Vielfalt einen Anleger überfordern kann. Ich sehe das breite Angebot jedoch positiv. Wettbewerb hilft, um die aktuell noch hohen Transaktionskosten zu senken. Darüber hinaus arbeiten Plattformen oft zusammen, insbesondere wenn das Volumen größer ist oder der Funding-Zeitraum verkürzt werden soll.

Zeigt das Beispiel greenXmoney, dass nur breiter aufgestellte Plattformen Erfolg haben können? Oder lag es an den komplizierten Produkten (Stichwort "Wattpapiere"), dass greenXmoney den Betrieb einstellen musste?

Das Konzept von greenXmoney fand ich sehr interessant, sowohl aus Anleger- als auch Investorensicht. Dieses Modell funktioniert, wenn ausreichend große Volumina umgesetzt werden, um die laufenden Kosten der Plattform tragen zu können. Das war hier leider nicht der Fall. Die Auftragsentwicklung blieb hinter den Erwartungen zurück. Eine Integration des Geschäftsmodels in eine größere Plattform könnte die Rentabilität trotz geringerem Volumen verbessern.

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Zsolt Balogh ist Leiter Projektfinanzierung beim Solarunternehmen Soventix aus Wesel (Niederrhein). / Foto: Unternehmen

Der Bundesverband Crowdfunding fordert unter anderem prospektfreie Emissionen bis zu einem Schwellenwert von 8 Millionen Euro. Auch verlangt der Verband eine „passende“ Vermittlerlizenz für digital vermittelte Finanzanlagen - d.h., die Aufsicht über die Plattformen soll nicht strenger werden, als sie ist. Unterhöhlt das nicht den Verbraucherschutz?

Es ist aus meiner Sicht wichtig, das differenziert zu betrachten. Je strenger die Regulierungen werden, desto höher werden die Transaktionskosten. Um diesen entgegenzuwirken, steigt das Investitionsvolumen. Größere Volumina können Investitionsrisiken reduzieren und die Stabilität erhöhen, da kleinere Investitionsvorhaben stärker durch unerwartete Einmalkosten gefährdet werden. Verbraucher werden durch die wachsende Verantwortung der Plattformen und Emittenten geschützt, brauchen aber auch einen gesetzlichen Rahmen, der schwarze Schafe ausschließt.

Erhoffen Sie sich für das Crowdfunding Verbesserungen von der neuen Bundesregierung und Finanzminister Olaf Scholz?

Ich erwarte, dass die Bundesregierung in den kommenden Jahren weiterhin an der Verbesserung der Rahmenbedingungen arbeiten wird und, dass wir in Richtung eines einheitlichen Europäischen Marktes auch für den Bereich der Crowd-Finanzierungen weitere Schritte vorankommen.

Wie viele Projekte konnte Soventix schon mithilfe der Crowd realisieren? 

Wir haben Kunden geholfen, drei Anlagen in Südafrika über die Plattform "The Sun Exchange" zu finanzierten. Die Anleger haben Solarzellen gekauft und langfristig an den Stromnutzer verpachtet, zu einer erwarteten Eigenkapital-Rendite von zehn Prozent. In Kanada wurden mehrere Anlagen an eine Energie-Genossenschaft verkauft, die sich über Anleihen an ihre kanadischen Mitglieder finanziert.

Wir sind bei der Umsetzung des ersten Projektes in Chile über die deutsche Plattform ecoligo.investments mit einer geplanten Finanzierung von über 130.000 Euro. Unser Ziel ist es, in den kommenden zwei Jahren 2 bis 5 Millionen Euro für Solaranlagen unter anderem in Kanada, Chile, Lateinamerika, Südafrika und Nigeria einzusammeln.

--- SEITENUMBRUCH ---

Was haben Sie genau mit dem Schwarmgeld gemacht, und wir zahlen Sie die Zinsen zurück?

Diese Mittel werden ausschließlich für die Finanzierung von Solaranlagen verwendet. Die Zins- und Rückzahlung erfolgt aus Stromerlösen, Einnahmen aus der Nutzung der Anlagen und ggf. einer Refinanzierung basierend auf den erwarteten Cash-Flows der Anlagen.

Unsere neuste Emission hat eine Laufzeit von nur vier Jahren. In diesem Zeitraum wollen wir ein Portfolio von kleineren Solaranlagen aufbauen und dieses Portfolio refinanzieren, wenn eine für Banken und Investoren attraktive Mindestgröße erreicht wird. Damit schließen wir eine Marktlücke.

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Mithilfe der Crowd werden ganze Dörfer in Afrika elektrifiziert, hier in Nigeria. / Foto: Unternehmen

Warum sind Sie den Weg über die Crowd gegangen?

Für den Aufbau eines Portfolios von kleineren Solaranlagen ist es schwierig, einen konventionellen Partner zu finden. Mit der Crowd können wir diese Lücken schließen.

Wieso ist ein Unternehmen aus Wesel als Projektierer in Nigeria oder der DomRep aktiv?

Wir glauben an die Kraft der Sonne. In diesen Ländern kommen oft teure Diesel-Generatoren zum Einsatz, die Netze sind teilweise instabil. Es gibt aber eine um 80% höhere Sonneneinstrahlung als in Deutschland. Der Strombedarf ist groß und wächst stetig an. So kann man Strom unter dem aktuellen Marktpreis und ohne Förderung produzieren und dabei eine vernünftige Rendite realisieren.

Was war ausschlaggebend für die Kooperation mit ecoligo.investments?

Unser Partner ecoligo.investments fokussiert sich auf Entwicklungsländer und hat eine gute Zusammenarbeit mit Allianz Climate Solutions. Sie verstehen wie Solaranlagen funktionieren, welche Risiken es gibt und achten auf umsetzbare Strukturen und stabilen Cash-Flows. Das schafft Vertrauen bei den Anlegern.

Die Gründer sind selbst als Entwickler in Ghana, Kenia und anderen Märkten tätig, zum Teil leben sie aktuell auch in diesen Ländern, bringen das Verständnis für die Herausforderungen in diesen Märkten mit und haben ein nachhaltiges Interesse an erfolgreichen Projekten.

Herr Balogh, wir danken Ihnen für die Antworten!

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