Zsolt Balogh ist seit 2015 bei der Soventix GmbH. Seit 2017 leitet er den Bereich Project Finance, der sich mit der Eigenkapitalsicherung und Schuldenfinanzierung für Solar-Projekte in Kanada, USA, Chile und anderen aufstrebenden Märkten beschäftigt. / Foto: Unternehmen

12.04.18 Crowd-Investment

Mit Crowdinvesting Teil der Energiewende werden

Schwarmfinanzierungen sind längst raus aus der Nische. Dennoch gibt es Nachholbedarf, findet Zsolt Balogh vom Projektierer Soventix.

2016 wurde in Deutschland ein Crowdinvesting-Volumen von 63,8 Millionen Euro realisiert. Ein Wachstum von 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Trotzdem könnte manches bei Crowd-Investments besser laufen - nicht nur aus Anlegersicht. Zsolt Balogh, Leiter Projektfinanzierung beim Solarunternehmen Soventix aus Wesel (Niederrhein), hat da ein paar Vorschläge. Welche, das lesen Sie in Teil 1 unseres Interviews. 

Lesen Sie im zweiten Teil, wie Anleger in kleine Solarprojekte in Afrika investieren sollten - und was die neue Bundesregierung in Sachen Crowdinvesting besser machen könnte. 

ECOreporter.de: Herr Balogh, warum hinkt Deutschland in Ihren Augen beim Thema Crowdfunding hinterher - obwohl der Markt ja massiv wächst?

Zsolt Balogh: Wir haben in den letzten Jahren ein starkes Wachstum in Deutschland erlebt. Crowdinvesting legt zunehmend sein Nischendasein ab und entwickelt sich in Richtung Mainstream. Dies gilt insbesondere für Immobilieninvestments.

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland noch weit hinterher. Die Gründe sind vielschichtig. Immer wieder ist zu lesen, dass der Rückstand auf ein eher konservativeres Anlageverhalten in Deutschland zurückzuführen ist. Dabei bleibt oft unberücksichtigt, dass Crowdinvesting gerade in Märkten stärker wächst, in denen das Finanzierungsumfeld schwierig ist. Hier ist Crowdinvesting mehr als nur eine neue Anlageform. Es schließt eine Finanzierungslücke und ermöglicht Projekte, die sonst nicht realisierbar wären.

Was haben andere Länder, was wir nicht haben? Was lernen wir beispielsweise vom größten Crowdinvesting-Markt China?

Ich sehe hier drei wichtige Faktoren. Zum einen gilt Crowdinvesting in China als wichtiges Finanzierungsinstrument und wird auf politischer Ebene stärker gefördert als hierzulande. Zum anderen scheinen chinesische Haushalte neuen Anlageformen sehr offen gegenüberzustehen. Es bestehen nicht so viele Vorbehalte wie in Deutschland.

Letztlich sind die Ersparnisse der chinesischen Haushalte deutlich gestiegen. Man sucht nach Anlagemöglichkeiten und Crowdinvesting bietet für jeden einfach zugängliche Anlageformen.

Wieso ist besonders der Bereich um Erneuerbare-Energie-Projekte hierzulande noch unterentwickelt? Die Energiewende ist doch eigentlich ein großes Thema.

Sie haben recht. Ich sehe hier deutliches Potential. Crowdinvesting bietet Anlegern die Chance, Teil der Energiewende zu werden und mit ihrem Investment nachhaltige Projekte voranzutreiben. Hier müssen wir weiter Aufklärungsarbeit leisten. Aber wir müssen auch konstatieren, dass Anleger eher kurzfristige Finanzierungen bevorzugen und Erneuerbare-Energien-Anlagen in der Regel einen längeren Rückzahlungszeitraum haben.

Die Kosten einer erneuten Emission nach fünf bis sieben Jahren sind aktuell noch zu hoch. Ein liquider Sekundärmarkt analog zu klassischen Anleihen könnte helfen, langfristige Investitionen attraktiver zu machen. Dann könnten Anleger ihre Investments auch während der Laufzeit verkaufen.

Neben dem klassischen langfristigen Kapital werden auch mittel- und kurzfristige Gelder für Bau- und Zwischenfinanzierungen von kleineren Anlagen und Portfolios benötigt. Sehen Sie hier ein bislang wenig genutztes Potential?

Ja, das sehe ich. Es gab bereits solche Produkte auf dem Markt, wie den juwi Baufestzins. Es gibt hier sicherlich mehr Bedarf.

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Über die Crowd werden auch Solarprojekte im Ausland finanziert, hier in Mali. / Foto: Africa GreenTec

Neben den deutschen sehen wir auch ausländische Projekte am Markt, jedoch bislang nur in geringerem Umfang. Mangelt es an Projekten aus dem Ausland?

Es gibt viele Projekte im Ausland, insbesondere in Entwicklungsländern, die sich gut für Crowdinvesting eignen würden. Allerdings scheuen Investoren oftmals Projekte ohne direkten Bezug zu Deutschland oder mit nur mangelnde Erfahrung. Es geht um Vertrauen. Hier können Unternehmen wie Soventix, die ihren Hauptsitz in Deutschland haben und über einen guten Track-Record verfügen, eine wichtige Rolle einnehmen.

Liegt es auch daran, dass Anleger das Risiko scheuen?

Ein gesundes Risikobewusstsein spielt bei Crowdinvesting, wie übrigens auch bei jedem anderen Investment, eine wichtige Rolle. Es stimmt aber nicht, dass es sich bei allen Crowdinvesting-Projekten per se um sehr riskante Investments handelt. So sind Erneuerbare-Energien-Projekte beispielsweise nicht intransparenter als Unternehmensfinanzierungen. Wie bei jedem Investment gilt, dass man sich vorher intensiv mit dem Investitionsziel beschäftigen sollte, also mit dem Crowdinvesting-Projekt und den involvierten Projektpartnern. 

 

Lesen Sie im zweiten Teil, wie Anleger in kleine Solarprojekte in Afrika investieren sollten - und was die neue Bundesregierung in Sachen Crowdinvesting besser machen könnte. 

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