Crowdinvesting boomt: In Deutschland hatte der Crowdinvesting-Markt 2017 laut dem Portal crowdfunding.de ein Volumen von 200 Millionen Euro, ein Plus von 117 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. / Foto: Pixabay

26.06.18 Crowd-Investment , Crowd-Porträt

Crowd-Portale im Vergleich - Teil 1

Solaranlagen für Dörfer in Mali, Öko-Ferienhäuser an der Ostsee oder Elektro-Roller in München: Die Bandbreite der Crowd-Investments ist groß. Mittlerweile hat sich etwa ein Dutzend grüner Online-Plattformen am Markt etabliert. Im Vergleich zwei Portale, die sich früh auf nachhaltige Projekte spezialisiert haben: LeihDeinerUmweltGeld.de und wiwin.de.

Insgesamt 200 Millionen Euro investierten deutsche Anleger 2017 per Crowd-Investment. Mehr als doppelt so viel wie 2016. Ein Schwerpunkt: grüne Projekte. Die suchen zum Beispiel Anleger für Solarprojekte in Entwicklungsländern, für Windparks, Biobier-Brauereien, Elektroautos oder energieeffiziente Wohnanlagen. Zwei bekannte und nachhaltig ausgerichtete Crowd-Plattformen sind wiwin.de und LeihDeinerUmweltGeld.de.

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Matthias Willenbacher, Gründer von wiwin. Foto: Jörg Weber, ECOreporter.de

Normalerweise benötigen Anbieter für Projekte einen Prospekt, der rechtlich bis ins Detail geregelt ist und den die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüft. Für Crowd-Investment-Plattformen gilt aber eine Ausnahme: Projekte bis 2,5 Millionen Euro Volumen kommen ohne Vermögensanlageprospekt aus. Allerdings vermittelt wiwin auch größere Projekte, etwa die Anleihe "Green City Energy Solarimpuls I" mit einem Volumen von bis zu 50 Millionen Euro. Diese laufen auf der Internetseite jedoch nicht unter Crowd-Investment, sondern unter "Kapitalanlagen".

Wiwin (Sitz der GmbH ist in Mainz) entstand aus juwi, einem internationalen Projektentwickler für Erneuerbare Energie. Von 2011 bis 2016 hieß wiwin noch juwi Invest GmbH. Das Ziel der beiden juwi-Gründer war es, Bürger stärker an der Energiewende zu beteiligen. Matthias Willenbacher – einer der Gründer – formte 2016 aus juwi Invest die eigentliche Plattform wiwin.de.

LeihDeinerUmweltGeld (abgekürzt: LDUG) ist eine Crowd-Investment-Plattform, bei der sich Anleger ab 100 Euro an Projekten beteiligen können. 2013 wurde LDUG von der LeihDeinerStadtGeld GmbH gegründet, die heute CrowdDesk GmbH heißt. CrowdDesk selbst bietet auch White-Label-Lösungen für den Start und Betrieb von Plattformen zur Schwarmfinanzierung an. Der Sitz ist in Frankfurt am Main. Die Gründer von LeihDeinerStadtGeld, Steffen Boller, Jamal El Mallouki und Johannes Laub, sahen ihr Unternehmen als bürgerschaftliche und unternehmerische Antwort auf die weltweite Finanzkrise. Schon im Januar 2013 ging das erste Crowdfunding bei LDUG an den Start.

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Welche Art von Projekten?

Wiwin vermittelt ausschließlich nachhaltige Kapitalanlagen. "Unser Ziel ist es, einen wesentlichen Beitrag zum Umbau der Geldanlage zu leisten: Weg vom anonymen 'Geld abgeben' hin zum bewussten Anlegen in nachhaltige Werte", teilt das Unternehmen mit. Nachhaltig seien laut der eigenen Philosophie Projekte aus den Bereichen Erneuerbare Energien, nachhaltiges und ökologisches Bauen, Elektromobilität und ökologische Landwirtschaft.

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Johannes Laub (l.), Jamal El Mallouki, LDUG-Geschäftsführer. / Foto: LDUG

Ähnlich ist die Ausrichtung von LDUG – die Plattform vermittelt ausschließlich Projekte aus den Bereichen Erneuerbare Energien, Energieeffizienzmaßnahmen sowie Projekte mit ökologischem Mehrwert. Drei Crowd-Projekte sind bei wiwin erfolgreich finanziert worden, fünf Projekte sind aktuell noch zeichenbar (Stand: Mitte Mai 2018). Weil die Crowd-Plattform erst seit 2016 existiert, sind es deutlich weniger als bei LDUG. Dort gab es 36 Angebote, wobei Anleger Mitte Mai 2018 noch in vier Angebote investieren konnten. Bisher gab es eine Insolvenz eines Projektes bei LDUG. Das war 2014 die Kastner & Callwey Medien (KCM) aus der Nähe von München. Hier hatte LDUG zusammen mit der Crowd-Plattform bettervest Geld eingesammelt.

Klassische und schriftlich festgelegte Nachhaltigkeitsleitlinien für die Plattform selbst haben weder LDUG noch wiwin. Bei der Nachhaltigkeit der Projekte stützt sich wiwin im Auswahlprozess auf einen Kriterienkatalog. Bisher ist der Katalog nicht öffentlich, aber die Kriterien sollen künftig transparenter werden. Die Leitlinien von LDUG ergäben sich aus dem Vermittlungsfokus, so die Angabe.

Wie prüfen die Plattformen?

Wiwin gleicht zuerst die Kriterien zur Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit des Projektes mit dem eigenen Katalog ab. Kriterien sind bei der Vorprüfung zum Beispiel das Finanzierungsziel, die Referenzen und Erfahrung des Emittenten, der Absatzmarkt und der Businessplan. Im Zuge dessen überprüft man auch, ob das Projekt mit der wiwin-Philosophie konform ist. Wenn das erfolgreich abgeschlossen ist, folgt im zweiten, entscheidenden Schritt immer eine Due-Diligence-Prüfung, bei der die Experten wirtschaftliche Kennzahlen, die Stabilität des Geschäftsmodells, den Markt und noch viele weitere Aspekte analysieren.

LDUG bezieht sich auf die Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV). Demnach unterliegt LDUG bzw. die CrowdDesk GmbH einer bestimmten Pflicht: Sie muss ihre Tätigkeit als Vermittler mit "der erforderlichen Sachkenntnis, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit im Interesse des Anlegers ausüben". Die vermittelten Projekte werden durch die Plattform "plausibilisiert", LDUG schaut also: sind die wirtschaftlichen und technischen Kennzahlen realistisch – und wie stehen die Chancen, dass das Darlehen bedient wird? Darüber hinaus liefern externe Gutachter wie Allianz Climate Solutions und bulwiengesa je nach Projekt Analysen und Dritteinschätzungen. Jedoch gibt es nicht zu jedem Projekt ein Gutachten, denn letztendlich entscheiden Emittenten selbst, ob sie diese zusätzlichen Informationen Anlegern zur Verfügung stellen möchten.

Lesen Sie morgen in Teil 2, wann die beiden Plattformen Projekte ablehnen, ob es Zahlungsausfälle gab und welche Gebühren für Anleger anfallen.

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