EnerKite will Flugwindkraftanlagen auf den Markt bringen. / Illustration: Unternehmen

  Anleihen / AIF, Crowd-Investment

Crowdinvesting für fliegende Windkraftanlage – hebt auch die Rendite ab?

Die EnerKite GmbH aus Brandenburg hat eine innovative Flugwindkraftanlage entwickelt. Um ihren Prototypen zur Marktreife zu führen, hat das Unternehmen ein Nachrangdarlehen begeben. Die geplante Rendite für die Anleger beträgt rund 30 bis 40 Prozent pro Jahr. Wie hoch sind die Risiken? Reicht das Kapital? ECOreporter hat beim Unternehmen nachgefragt.

Die Emittentin EnerKite GmbH möchte mit ihrer Flugwindkraftanlage EK200 günstige und grundlastfähige Windenergie liefern. Die Anlage ist vor allem für die dezentrale Energieversorgung vorgesehen, beispielsweise von Inseln, und soll dort vor allem Dieselgeneratoren ersetzen. Als Windkraftanlage im Containerformat mit integriertem Speicher ist sie nach Angaben der Emittentin in der Lage, das Rückgrat eines kompletten Insel-Stromnetzes zu bilden.

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Der Betrieb erster Pilotanlagen ist ab 2021 in Frankreich und an weiteren Standorten außerhalb Deutschlands geplant. Ein wesentlicher Einstiegsmarkt ist dabei nach Angaben der Emittentin der Sektor Bergbau und Erschließung. In der 100-kW-Leistungsklasse sind die Flugwindkraftanlagen  nach Einschätzung von EnerKite als Ersatz für Dieselstrom zur Eigenversorgung und für Erschließungsprojekte im ländlichen Raum prädestiniert.

Verzinsung ist erfolgsabhängig

Mit dem Nachrangdarlehenskapital der Anleger will die Emittentin den Funktionsprototypen der EnerKite Anlage EK200 FP zur Marktreife entwickeln und diesen in Pilotanwendungen mit Kunden betreiben. Die EK200 FP ist nach Angaben der Emittentin ein skaliertes Vorprodukt.

Das Emissionsvolumen des Crowdinvestings beträgt bis zu 1,4 Millionen Euro. Davon sind rund 310.000 Euro bereits platziert (Stand: 31. August 2020). Die Laufzeit des partiarischen Nachrangdarlehens endet am 30. April 2029. Die Verzinsung des Nachrangdarlehens orientiert sich am Erfolg des Unternehmens (z.B. Gewinn, Umsatz oder im Fall einer Veräußerung des Unternehmens einen Anteil am Exiterlös).

Anleger können das Nachrangdarlehen ab 290 Euro über die Internet-Plattform FunderNation zeichnen. Bis zu einem eingeworbenen Emissionsvolumen von 500.000 Euro erhalten Anleger einen Bonus auf die Unternehmensbewertung von rund 17 Prozent. Das bedeutet: Sobald die 500.000 Euro überschritten sind, beträgt die Mindestzeichnung (für einen Anteil) 350 Euro statt 290 Euro.

Welche Technik setzt sich am Markt durch?


Rotationsstart eines EnerKite-Prototypen. / Foto: Unternehmen

Verschiedene Unternehmen weltweit entwickeln Flugwindkraftanlagen. Eine Lösung am Markt gibt es nach Angaben der Emittentin noch nicht. Die Lösungen unterscheiden sich nach Einschätzung der Emittentin im Wesentlichen durch die Start- und Landefunktion, die Bauart der Flügel und die Art und Position der Generatoren und der Ansteuerung (am Boden oder in der Luft). Die technische EnerKite-Lösung ist nach Angaben der Emittentin besonders zuverlässig und wirtschaftlich. Nur die Konzeption des ultraleichten Flügels ohne Propeller, Antriebe, Steuerklappen und Batterien oder Speicher erlaube die Auslegung des EnerKite-Systems derart, dass der Flügel bereits bei wenig Wind damit beginnt, Strom zu produzieren. Dies führe zu dem hohen Nutzungsgrad.

Unternehmen fokussiert sich auf Entwicklung, Vertrieb und Wartung

Kern der EnerKite GmbH ist die Entwicklungsleistung (Software, Patente) mit angeschlossener Versuchswerkstatt und Prototypenbau. Entwicklung, Aufbau und die Endmontage erster EK200-Prototypen erfolge in Eigenregie. Die Endmontage der geplanten EK200-Serie plant die Emittentin an einen externen Industriepartner zu vergeben. Wesentliche Komponenten wie der Container mit Speicheranlage, die Mechanik des Start- und Landesystems und der Flügel sollen als Module zugekauft werden. Bei den Antriebskomponenten, der Hardware und der Sensorik soll es sich nach Angaben der Emittentin möglichst um bereits erprobte, auf dem Markt verfügbare und zugelassene Bauteile handeln. 

Exit-Strategie

Nach einem erfolgreichem Markteintritt und Erreichung von bestimmten Zielgrößen ist vorgesehen, das Unternehmen als Ganzes an einen strategischen Investor der Energiebranche zu veräußern.  Damit sollen größere Investitionen für die Skalierung des Produkts und den Einstieg in die Megawatt-Klasse gestemmt werden.

Wird weiteres Kapital benötigt?

Seit der Gründung in 2010 hat sich EnerKite nach eigenen Angaben über Eigenkapital und Förderprogramme finanziert. Ende 2018 konnten demnach weitere Fördermittelzuschüsse von 3,5 Millionen Euro sowie knapp 1 Million Euro von Privatinvestoren eingeworben werden.

Technologie-Entwicklung ist mit erheblichen Kosten verbunden, und Umsätze werden in der Regel in der Phase noch nicht bzw. kaum erzielt. Daher hat ECOreporter nachgefragt, wie viel von dem Kapital derzeit noch bei der Emittentin vorhanden ist.  Laut Aussage der Emittentin werden die Fördermittel anteilig ausgezahlt und laufen noch bis Februar 2021 bzw. Ende Dezember 2021.

Das einzuwerbende Crowdinvesting-Kapital von bis zu 1,4 Millionen Euro soll „für die Umsetzung des Funktionsprototyps EK200 FP, die Durchführung von Pilotprojekten mit Kunden und den Start der Serienproduktion mit anschließender Marktfreigabe verwendet“ werden. Geht die EnerKite GmbH davon aus, dass für die Umsetzung dieser Investitionsvorhaben das Crowdinvesting-Kapital (bei Vollplatzierung) ausreicht? Oder soll weiteres Kapital eingeworben werden (z.B. Fördergelder, Business Angels)? EnerKite erklärt gegenüber ECOreporter: „Wir können die beschriebenen Ziele mit den 1,4 Millionen Euro gut erreichen. Und wir sind gleichzeitig offen für Eigenkapitalgeber, diese lassen sich aber viel schneller gewinnen, wenn die EK200 FP umgesetzt ist.“

Fazit

Der wirtschaftliche Erfolg der Emittentin hängt von mehreren Einflussgrößen ab, insbesondere von der erfolgreichen Entwicklung der Prototyp-Anlage EK200 FP als Serienprodukt und deren Marktakzeptanz. Derzeit ist noch offen, ob die innovative EnerKite-Anlage zu einem wirtschaftlich und technologisch wettbewerbsfähigen Produkt weiterentwickelt werden kann und sich z. B. auch in einem jahrelangen Dauerbetrieb bewähren kann.

In frühen Produkt- und Markteinführungs-Phasen bestehen erhebliche Risiken, dass ein Produkt am Markt scheitert und die Anleger in der Folge ihr eingesetztes Kapital vollständig verlieren. Demgegenüber steht die Chance auf eine mögliche hohe Rendite im Erfolgsfall.

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