Leef Blattwerk stellt aus den Blättern der Arekapalme unter anderem Geschirr her. Derzeit sammelt das Unternehmen Geld über die Crowd ein. / Foto: imago images, Wirestock

  Anleihen / AIF, Crowd-Investment

Crowdinvesting von Leef Blattwerk mit 9,5 % Zins plus Bonus

Die Leef Blattwerk GmbH hat Produkte wie beispielsweise Geschirr und Verpackungen aus Palmblättern entwickelt. Um insbesondere Maßnahmen zur Umsatzsteigerung zu finanzieren, bietet das Unternehmen über die Plattform econeers ab 250 Euro Nachrangdarlehen an. Deren Zins beträgt 9,5 Prozent pro Jahr (inklusive Frühzeichnerbonus) plus einem umsatzabhängigen Bonuszins von bis zu 30 Prozent. Wie hoch ist das Risiko?

Anbieterin und Emittentin der Nachrangdarlehen ist die Leef Blattwerk GmbH aus Potsdam. Bei der Emittentin handelt es sich laut Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB, Stand: 26.5.2023) um ein innovatives Unternehmen, das im Markt für klimaneutrale Verpackungen und weitere klimaneutrale Produktkomponenten aus Palmblättern aktiv ist.

Laut econeers-Projektprofil stellt Leef Blattwerk mit seinen Produktionspartnern in Südindien die Produkte aus Palmblatt her. Im econeers-Blog-Interview vom 19. Juni 2023 erläutert der Geschäftsführer der Emittentin, Claudio Fritz-Vietta: „Wir haben ein Blatt gesucht, das dick genug ist, um ein ganzes Produkt zu formen, ohne dass man mehrere Blätter zusammenfügen muss. Dazu musste dieses Blatt aus einem völlig pestizidfreien Anbau stammen und ein Nebenprodukt sein, um einen expliziten Anbau zu vermeiden. So haben wir das Blatt der Arekapalme in Indien gefunden, das bis zu sechsmal im Jahr ganz natürlich von der Palme abgeworfen und normalerweise verbrannt wird.“

Wohin fließt das Crowdinvesting-Kapital?

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Das Emissionsvolumen des Nachrangdarlehensangebots beträgt bis zu 750.000 Euro. Bei einer Vollplatzierung verbleiben laut VIB abzüglich der emissionsbedingten Kosten von rund 103.000 Euro Nettoeinnahmen von rund 647.000 Euro. Die Nettoeinnahmen will die Emittentin laut VIB insbesondere in den Bereichen Personal (sechs neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) und Einkauf (Warenvorfinanzierung) investieren.

Laufzeit und Zins

Die Verträge über die partiarischen Nachrangdarlehen haben eine unbefristete Laufzeit. Eine ordentliche Kündigung durch die Anlegerin/den Anleger oder die Emittentin ist laut VIB frühestens zum 31. Dezember 2028 mit einer Frist von sechs Monaten zum Ende des jeweiligen Geschäftsjahres möglich.

Der Zinssatz der Nachrangdarlehen beträgt 8,5 Prozent pro Jahr. Leef Blattwerk gewährt laut VIB zusätzlich einen Zinsbonus von 1,0 Prozent pro Jahr bei einer Investition in den ersten sieben Tagen ab dem Beginn der Emission (20.6.2023).

Darüber hinaus gewährt die Emittentin einen umsatzabhängigen einmaligen endfälligen Bonuszins, abhängig vom höchsten ausgewiesenen Jahresumsatz der Leef Blattwerk GmbH während der Laufzeit der Vermögensanlage. Auf den bereitgestellten Darlehensbetrag erhält die Anlegerin oder der Anleger laut VIB einen Bonuszins von 10 Prozent ab einem Umsatz über 50 Millionen Euro, 20 Prozent ab einem Umsatz über 55 Millionen Euro oder 30 Prozent ab einem Umsatz über 60 Millionen Euro. Bleibt der Umsatz unter 50 Millionen Euro, wird kein Bonuszins gewährt.

Derzeit ist die Emittentin von solchen hohen Umsatzzahlen noch weit entfernt. Gemäß den Angaben im econeers-Projektprofil hat das Unternehmen 2022 einen Umsatz von etwas mehr als 1,3 Millionen Euro erreicht. Das ist den Angaben nach eine Steigerung um über 500.000 Euro gegenüber dem Vorjahr.

Hohe Risiken

Bei der Vermögensanlage handelt es sich um unbesicherte partiarische Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt. Demnach ist laut VIB die Zahlung der Zinsen und Tilgung der Nachrangdarlehen insoweit ausgeschlossen, als zum Zeitpunkt der Fälligkeit der Zahlung im Fall der Liquidation oder Insolvenz der Emittentin die Ansprüche der nicht nachrangigen Gläubiger noch nicht vollständig erfüllt sind oder die Erfüllung der Ansprüche aus den Nachrangdarlehen zur Zahlungsunfähigkeit und/oder Überschuldung der Emittentin führen würde.

Der auf Grundlage des letzten aufgestellten Jahresabschlusses vom 31. Dezember 2021 berechnete Verschuldungsgrad der Emittentin kann nicht ermittelt werden, da das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt laut VIB einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von rund 2,8 Millionen Euro auswies. Gemäß den Angaben im Jahresabschluss 2021 ist diese Zahlenangabe im VIB nicht korrekt. Laut Jahresabschluss 2021 beträgt die Bilanzsumme der Emittentin rund 2,8 Millionen Euro, während sich der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag auf rund 2,3 Millionen Euro beläuft. Zum 31. Dezember 2020 betrug der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag der Emittentin erst rund 900.000 Euro. Ein Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2022 ist noch nicht im Bundesanzeiger offengelegt.

Es besteht das Risiko, dass sich das Geschäftsmodell der Emittentin am Markt für klimaneutrale Verpackungen und weitere klimaneutrale Produktkomponenten aus Palmblättern nicht behaupten kann. Zu den marktspezifischen Einflussfaktoren gehören laut VIB insbesondere Unternehmensgründungen im internationalen Umfeld und im gleichen Segment und der damit einhergehende Kosten- und Preisdruck.

Die Emittentin kann zahlungsunfähig werden oder in Überschuldung geraten. Dies kann der Fall sein, wenn sie geringere Einnahmen und/oder höhere Ausgaben als erwartet zu verzeichnen hat. Für Anlegerinnen und Anleger bestehen erhebliche Risiken, ihr eingesetztes Kapital zu verlieren.

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