Das Start-up Swimsol hat schwimmende Solaranlagen entwickelt, die etwa auf den Malediven im Einsatz sind. / Foto: Swimsol

22.10.18 Crowd-Investment , Crowd-Porträt

Crowd-Portale im Vergleich: Green Rocket

Green Rocket war die erste österreichische Crowdinvesting-Plattform für nachhaltige Projekte. Doch wie arbeitet das grüne Crowd-Portal? Und wie erfolgreich waren die Projekte? ECOreporter wirft einen Blick hinter die Kulissen des Crowdinvesting-Anbieters.

Eine Rendite von nachhaltig ausgerichteten Unternehmen - das wünschen sich viele sozial-ökologisch orientierte Anleger. Das in Graz ansässige Unternehmen Green Rocket vermittelt Darlehen an junge Unternehmen und Start-ups mit nachhaltigem Geschäftsmodell, mit Zinsen für die Anleger von bis zu 8 Prozent. Seit fünf Jahren ist Green Rocket aktiv. Mittlerweile haben sich mehr als 20.000 Nutzer registriert.

Die Gründer von Green Rocket betreiben noch zwei weitere Crowd-Portale. Die Plattform Home Rocket ist auf Immobilienprojekte spezialisiert, das Portal Lion Rocket vergibt Darlehen an etablierte mittelständische Unternehmen. Die Idee dahinter: Anleger können ihr Kapital einfach streuen, indem sie zusätzlich auf den Schwesterplattformen investieren. Durchschnittlich investiert jeder Anleger auf Green Rocket 1.000 Euro. Nimmt man die anderen beiden Plattformen hinzu, kommt jeder Anleger auf 1.275 Euro Anlagekapital.

Die Projekte von Green Rocket sind bei Anlegern begehrt. Ein Crowdinvesting-Projekt des österreichischen Start-ups Swimsol, das auf schwimmende Solaranlagen spezialisiert ist, erreichte binnen 15 Minuten die Fundingschwelle von 75.000 Euro.

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Welche Art von Projekten

Über Green Rocket sammeln junge Unternehmen Anlegergelder ein. Meistens handelt es sich um Start-ups oder kleinere Unternehmen, die Geld für Wachstum benötigen.

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Wolfgang Deutschmann ist Geschäftsführer von Green Rocket und betreibt noch zwei weitere Crowdinvesting-Plattformen. / Foto: Green Rocket

Die Unternehmen kommen aus den Bereichen grüne Energie, Landwirtschaft, Ernährung, nachhaltige Mobilität und Gesundheit. Nach Auskunft von Green Rocket-Gründer Wolfgang Deutschmann sollen die Projekte "einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen, der über das rein Ökonomische hinausgeht".

Zahlreiche Gesundheitsunternehmen werben derzeit Kapital auf der Plattform ein. Das Unternehmen Scarletred bietet etwa eine neuartige App samt Analyseplattform für die Erkennung und Heilung von Hautkrankheiten an. Die Firma Memocorby hat eine Stottertherapie für Schlaganfallpatienten entwickelt.

Ein ganz anderes Beispiel: Das österreichische Unternehmen Hydroconnect. Es hat auf der Plattform Geld für einen neuartigen Fischlift für Wasserkraftwerke eingeworben, der zugleich Energie erzeugt. Auch die weltweit erste zertifizierte Bio-Grillkohle - garantiert nicht aus Tropenholz - stammt von einem Unternehmen, das auf Green Rocket ein Crowd-Darlehen platziert hat.

Die Unternehmen sitzen ausschließlich in Österreich oder Deutschland. Der Grund: Es gibt keine einheitlichen EU-Rahmenbedingungen für Crowdinvesting-Darlehen. Deshalb vermittelt das Portal keine Darlehen in andere EU-Länder.

Wie prüft Green Rocket?

"Wir prüfen alle Unternehmen und Projekte sehr sorgfältig", sagt Green Rocket-Geschäftsführer Deutschmann. "Bei Bedarf ziehen wir auch Experten hinzu, um sicherzustellen, dass wir Anlegern ausschließlich Projekte mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit präsentieren."

Wie bei anderen Portalen durchlaufen die Projektvorschläge eine Prüfungsphase, ehe Anleger in sie investieren können. Das Team von Green Rocket sieht sich die Bilanzen sowie die Businesspläne der Unternehmen genau an. Nur solche Unternehmen platzieren auf der Green Rocket-Plattform ein Darlehen, deren Umsatz- und Gewinnprognosen für das Green Rocket-Team realistisch sind.

Da sich Green Rocket auf Start-ups und junge Unternehmen konzentriert, achtet Green Rocket auch darauf, dass das Kerngeschäft bereits nachhaltig Umsätze abwirft. "Viele Start-ups sind in ihr Produkt verliebt und sehen alles durch eine rosarote Brille. Das ist ein Problem", so Wolfgang Deutschmann.

Laut Angaben von Green Rocket hatten seit der Gründung 2013 gut 3.000 Firmen ein Interesse daran, auf der Plattform Kapital einzuwerben. Davon sind bisher nur 56 zum Zug gekommen.

Ablehnungskriterien

Green Rocket ist auf nachhaltige Unternehmen und Projekte fokussiert. Wenn ein Unternehmen keinen nachhaltigen Aspekt aufweist, hat es auch keine Chance, auf der Plattform Geld einzusammeln. Explizit ausgeschlossen werden Unternehmen, die Kinderarbeit fördern, in der Kohleförderung oder -energieerzeugung aktiv sind oder mit Suchtmitteln und Pornografie ihr Geld verdienen. 

Geld eingesammelt - und nun?

Nach dem Ende der Crowdfunding-Kampagne informiert Green Rocket die Anleger regelmäßig über relevante Neuigkeiten. Zudem sind die Emittenten verpflichtet, die Investoren in Quartalsberichten über die Unternehmensentwicklung auf dem Laufenden zu halten. Die Informationen sind für Investoren online zugänglich. Das österreichische Portal setzt sich auch dafür ein, dass die Unternehmen pünktlich die Darlehenszinsen an die Anleger ausschütten.

Leistungsbilanz

Green Rocket hat bis jetzt Darlehen mit einem Volumen von 13 Millionen Euro vermittelt. Bisher haben drei von 56 Unternehmen, die Geld auf der Plattform eingeworben haben, Insolvenz angemeldet. Damit liegt die Ausfallquote bei etwas über 5 Prozent - ein ähnlich hoher Wert wie bei anderen Plattformen.

Gebühren

Für Anleger erhebt Green Rocket keine Gebühren, weder für die Zeichnung des Darlehens noch für die Verwaltung der Rückzahlungen. Investieren können Anleger ab 250 Euro. Die Emittenten des Darlehens bezahlen einen Beitrag an Green Rocket, der sich aus einer fixen Gebühr und einem prozentualen Anteil an der Fundingsumme zusammensetzt.

Fazit: Green Rocket bietet Crowd-Darlehen für junge nachhaltige Unternehmen oder Start-ups an. Da die Unternehmen noch nicht etabliert sind, ist das für Anleger risikoreicher. Dennoch hat das Portal wenige Insolvenzen vorzuweisen.

"Crowdfunding ist eine gute Ergänzung zu den herkömmlichen Investmentmöglichkeiten wie Aktien, Fonds oder ETFs", so Green Rocket-Gründer Deutschmann. "Bei allen diesen Anlageformen besteht das Risiko, einen Teil des eingesetzten Kapitals zu verlieren. Im Gegenzug ist die Rendite höher als bei konservativen Anlageformen."

Dennoch rät auch der Green Rocket-Chef Anlegern, vorsichtig zu sein: "Es kann passieren, dass das gesamte eingesetzte Kapital weg ist, weil der Businessplan des Start-ups nicht aufgeht. Wir weisen explizit auf dieses Risiko hin. Wir empfehlen außerdem, Crowdfunding im Rahmen eines ausgewogenen Geldanlagemixes einzusetzen und niemals Geld zu investieren, auf das man angewiesen ist."

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