mRNA-Produktion bei BioNTech in Marburg. Wie aussichtsreich ist die Aktie des Impfstoffspezialisten? / Foto: BioNTech

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CureVac verklagt BioNTech wegen Patentrechten

Die Biotech-Firma CureVac aus Tübingen hat den sehr viel erfolgreicheren Konkurrenten BioNTech aus Mainz verklagt. CureVac möchte eine „angemessene Entschädigung“ für seine Grundlagenforschung zu mRNA-Molekülen, auf denen unter anderem der Corona-Impfstoff von BioNTech basiert.

CureVac hält vier mRNA-Patente, die das Unternehmen durch BioNTechs Impfstoff verletzt sieht. Das Landgericht Düsseldorf soll jetzt klären, wie stark die jeweiligen Patente in die Entwicklung des BioNTech-Impfstoffs eingeflossen seien, so CureVac-Chef Franz-Werner Haas. Die Höhe der Entschädigung müsse das Gericht bestimmen. CureVac strebt nach eigener Aussage keine einstweilige Verfügung an und will auch keine anderen rechtlichen Schritte einleiten, die den Verkauf des BioNTech-Impfstoffes behindern könnten.

CureVac sieht sich als frühester Pionier auf dem Gebiet der mRNA-Technologie. Das Unternehmen hat es bislang nicht geschafft, einen eigenen Corona-Impfstoff auf den Markt zu bringen, seit Ende März läuft eine klinische Studie für einen neuen Kandidaten.

BioNTech erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur zu den Vorwürfen, die eigene Arbeit sei "originär, und wir werden sie entschieden gegen alle Anschuldigungen der Patentverletzung verteidigen". Es sei nicht ungewöhnlich, dass andere Pharmafirmen im Zuge des Erfolgs des BioNTech-Vakzins nun behaupteten, der Impfstoff verletze möglicherweise ihre geistigen Eigentumsrechte.

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Die BioNTech-Aktie bewegt sich seit Februar mit einigen Ausschlägen im Wesentlichen seitwärts. Im Monatsvergleich hat sie 6 Prozent zugelegt, auf Jahressicht notiert sie 16 Prozent im Minus. Aktuell kostet sie im Tradegate-Handel 155,35 Euro (Stand 6.7.2022, 9:34 Uhr).

Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2022 von unter 4 ist die Aktie sehr günstig bewertet. Allerdings profitiert BioNTech derzeit stark von seinem medizinischen und logistischen Vorsprung im Impfstoffgeschäft, aus dem nahezu der komplette Konzernumsatz kommt. Ob das aktuelle Gewinn- und Margenniveau mittelfristig zu halten sein wird, erscheint fraglich, da möglicherweise zukünftig deutlich weniger Corona-Impfungen gebraucht werden.

Zum Vergleich: Der hoch profitable Schweizer Pharmariese Roche erzielte 2021 mit mehr als 100.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Gewinn von ungefähr 15 Milliarden Euro. BioNTech schaffte einen Überschuss von 10 Milliarden Dollar – mit nicht viel mehr als 2.500 Angestellten. Aber: Auch mit einem Drittel oder Viertel des aktuellen Gewinns wäre das Unternehmen immer noch akzeptabel bewertet. Und BioNTech ist derzeit an der Börse etwas günstiger als der US-Konkurrent Moderna: Dessen erwartetes KGV liegt bei etwas über 5.

Dennoch bleibt die BioNTech-Aktie eine Wette darauf, dass das Unternehmen abseits des Corona-Impfstoffs Erfolg haben wird. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben: BioNTech ist führend bei innovativen mRNA-Verfahren und hat derzeit dank der weiterhin hohen Nachfrage nach Corona-Impfstoff das Kapital, um die Entwicklung seiner anderen Präparate voranzutreiben, die vor allem in der Krebstherapie zum Einsatz kommen sollen.

Ein ECOreporter-Porträt von BioNTech finden Sie hier.

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BioNTech SE ADR:

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