Mitarbeiterinnen in der Fabrik von Thai Duong. / Foto: Thai Duong Rubber JSC

  Crowd-Investment

ecoligo: Crowdinvestment für Solaranlage in Vietnam mit 5,5 % Zins – wie hoch sind die Risiken?

ecoligo lässt derzeit in Vietnam eine Solaranlage auf einem Fabrikdach errichten. Die Fabrik produziert insbesondere Gummidichtungen und -ringe. Das Solarprojekt können Anleger ab 100 Euro über die Online-Plattform ecoligo.investments finanzieren. Wie kann sich die veränderte rechtliche Struktur des Crowd-Angebots auf das Risiko für die Anleger auswirken?

Der Käufer des Solarstroms (Endkunde) in Vietnam, Thai Duong JSC, wurde nach ecoligo-Angaben im Jahr 2000 gegründet. Der Hersteller von Kleinteilen und Zubehör aus Gummi, Metallen und Plastik für verschiedene Anwendungsbereiche beschäftigt den Angaben zufolge an drei Standorten rund 300 Mitarbeiter.

Die beiden Fabrik- und das Bürogebäude von Thai Duong JSC sollen mit einer Solaranlage ausgestattet werden. Der erste Teil der geplanten Photovoltaikanlage soll eine Gesamtleistung von 244 Kilowattpeak (kWp) haben und sich auf dem Dach einer der beiden Produktionshallen befinden. Insgesamt umfasst die Solaranlage, die ecoligo baut und die in zwei weiteren Phasen über ecoligo.investments finanziert werden soll, 800 kWp. Das Emissionsvolumen des aktuellen Crowdinvestings, das die 244-kWp-Anlage finanziert, beträgt 199.000 Euro.

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Variabler Stromverkaufspreis

Die Emittentin ecoligo Projects Four UG (haftungsbeschränkt) soll die Nettoeinnahmen aus dem Nachrangdarlehen der Anleger an den Projektinhaber, die in Vietnam ansässige ecoligo Co., Ltd., weiterleiten. Die Projektinhaberin soll das Solarprojekt nach der Errichtung betreiben und Erträge aus einem Stromverkaufsvertrag (Power Purchase Agreement) mit dem vietnamesischen Solarstrom-Endkunden erwirtschaften. Der Strompreis gemäß Stromverkaufsvertrag orientiere sich dabei am Stromtarif des lokalen Energieversorgungsunternehmens Vietnam Electricity. Der Strompreis soll stets 12 Prozent unter diesem Tarif liegen, aber mindestens bei 1350 VND/kWh (umgerechnet derzeit rund 0,05 Euro/kWh). Der Strompreis wird vom Endkunden in Vietnamesischen Dong (VND) bezahlt. Der Tarif werde jährlich vom Energieversorgungsunternehmen neu berechnet und veröffentlicht. Aktuell liegt laut ecoligo der Tarif des Kunden durchschnittlich bei 1.950 VND/kWh und der Strompreis damit bei 1.716 VND/kWh.

Solarstrom-Endkunde kann Solaranlage kaufen

Neben dem Strompreisrisiko besteht unter anderem auch das Risiko, dass die Solaranlage die einkalkulierten Stromerträge nicht erreicht und damit geringere Einnahmen verbucht als geplant. Weiterhin besteht ein Risiko, dass der Projektinhaber am Ende der rund sechsjährigen Nachrangdarlehens-Laufzeit die dann fällige Rest-Tilgungskomponente von 75 Prozent des Nachrangdarlehensbetrages nicht (in voller Höhe) an die Emittentin leisten kann. Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn der Endkunde die Kaufoption für die Solaranlage nicht ausübt und der Projektinhaber keine Anschlussfinanzierung erreicht. In der Wirtschaftlichkeitsberechnung für die 244-kWp-Solaranlage sind die Erlöse aus dem Verkauf der Solaranlage für 2026 mit 178.200 Euro angesetzt. Das ist nur knapp weniger als die kalkulierten Investitionen in Solaranlage und Projektentwicklung von rund 179.400 Euro.

Risiken des Projektinhabers

Es besteht das Risiko, dass dem in Vietnam ansässigen Projektinhaber ecoligo Co., Ltd. in Zukunft nicht die erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen, um seinen Verpflichtungen gegenüber der Emittentin vollständig nachzukommen. Der wirtschaftliche Erfolg des Projektinhabers hängt laut Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) von mehreren Einflussgrößen ab, insbesondere der Entwicklung des Erneuerbare-Energien-Marktes, auf dem der Projektinhaber tätig ist, der Entwicklung des Strompreises oder des Preises anderer Energieträger und der Zahlungs- und Leistungsfähigkeit von Kunden und Lieferanten. Politische Veränderungen, Zins- und Inflationsentwicklungen, Länder- und Wechselkursrisiken sowie Veränderungen der rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen können nachteilige Auswirkungen auf den Projektinhaber haben.

Emittentin auf Projektinhaberin in Vietnam beschränkt

Die Emittentin ecoligo Projects Four UG (haftungsbeschränkt) betreibt kein eigenes operatives Geschäft, sondern hat den Zweck, die in Deutschland eingeworbenen Nachrangdarlehen von Crowdinvestoren an die in Vietnam ansässige Projektinhaberin ecoligo Co., Ltd. in Form eines weiteren Darlehens weiterzuleiten.

Dieselbe Struktur wurde nach Angaben von ecoligo bereits bei zwei weiteren Projekten in Vietnam umgesetzt und ist auch bei Folgeprojekten mit der Projektinhaberin ecoligo Co., Ltd. vorgesehen. Es ist laut ecoligo geplant, dass die Emittentin keine Darlehen an sonstige Firmen innerhalb der ecoligo-Gruppe weiterleitet. Dadurch soll das Risiko auf Projekte der in Vietnam ansässigen ecoligo Co., Ltd. beschränkt werden.

Es besteht das Risiko, dass sich andere Projekte, in die der Anleger nicht selbst investiert hat, nachteilig auf sein getätigtes Investment auswirken. Dies kann etwa der Fall sein, wenn ein anderes Projekt der ecoligo Co., Ltd. wirtschaftlich fehlschlägt und die Projektinhaberin ihre fälligen Verbindlichkeiten gegenüber der Emittentin nicht bedienen kann.

Übersichtlichkeit versus Risikostreuung?

In diesem Jahr hat ecoligo bereits mehrere Crowdinvestments auf den Markt gebracht, bei denen die Anleger mittelbar von Projekten auf drei Kontinenten abhängig waren. Auch bei dem ab April angebotenen Crowdinvestment für eine 994-kWp-Solaranlage in Vietnam waren die Anleger mittelbar davon abhängig, dass kenianische Unternehmen Blumen verkaufen können und Touristen wieder nach Costa Rica dürfen.

Mit der neu gegründeten ecoligo Co., Ltd. soll das Risiko auf Projekte der in Vietnam ansässigen Projektinhaberin beschränkt werden. Die Anleger des vorliegenden Crowdinvestments sind somit mittelbar von der wirtschaftlichen Entwicklung von bislang drei Solarprojekten in Vietnam abhängig. Mit der Ausrichtung der Emittentin auf nur ein Investitionsland steigt die Übersichtlichkeit, und die Risikoabschätzung wird tendenziell erleichtert. Demgegenüber verringert sich aber bei Investitionen in Projekte in nur einem Land die länderbezogene Risikostreuung, sodass bestehende Länderrisiken möglicherweise – abhängig vom jeweiligen Investitionsland – höher zu gewichten sind.

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