Isatu Hirche ist Geschäftsführerin der AUDITcapital GmbH. Das Unternehmen unterstüzt Bürger bei der Durchführung von Energieprojekten. / Bild: Unternehmen

01.06.18 Erneuerbare Energie

Energiewende: Bürger am Drücker - Teil 2 der Serie

Mehr als ein Drittel des Stroms in Deutschland kommt mittlerweile aus regenerativen Quellen. Kann die Bürgerenergie den Anteil an grünem Strom noch weiter steigern? Lesen Sie hier den zweiten Teil unseres Porträts der Bürgerenergiebewegung.

Immerhin, Anfang dieses Jahres lieferten die Erneuerbaren Energien in Deutschland schon 36 Prozent des Stroms. Dabei besaßen Privatpersonen und Landwirte rund 40 Prozent der grünen Kraftwerke.

Grüner Strom gilt als teuer - das Gegenteil ist der Fall

Die gelten in der öffentlichen Meinung jedoch vielfach als teuer. Von der BILD bis zur Lokalzeitung – oft wird der ständig steigende Strompreis den sauberen Energien in die Schuhe geschoben. Dabei sind die Fakten leicht zu recherchieren, und sie belegen das Gegenteil: Es gibt keine neuen Kraftwerke, die billiger Strom produzieren als die Erneuerbaren.

Die Bundesnetzagentur hat in diesem Jahr mehrfach veröffentlicht, zu welchen Strompreisen sich die Betreiber von Solar- und Windkraftwerken verpflichtet haben: Sonnenstrom wollen sie, so ein Ergebnis einer amtlichen Ausschreibung aus Februar 2018, für 3,86 bis 4,59 Cent pro Kilowattstunde (kWh) ins Netz einspeisen.

Windstrom im Durchschnitt für 4,73 Cent pro kWh. Zum Vergleich: Der normale Stromverbraucher bezahlt für den Strom 30 Cent, also etwa das Siebenfache. Den Rest heimsen die Betreiber der Stromnetze, das Finanzamt und andere ein.

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Ökostrom hilft, unabhängiger von autoritären Regimen zu werden

Die Erneuerbaren Energien bieten noch andere Vorteile als den günstigen Preis: „Sie vermindern die Abhängigkeit von Öl- und Gaslieferungen aus politisch instabilen Regionen, mit denen wir als demokratische Gesellschaften autoritäre Regime und Menschenrechtsverletzungen finanzieren, indem wir ihnen diese Rohstoffe abkaufen“, erläutert Isatu Hirche, Geschäftsführerin der Marburger AUDITcapital GmbH. Ihr Unternehmen unterstützt Bürger, welche die Energiewende in Eigenregie vorantreiben wollen.

Bürgerenergieprojekte müssen gut geplant werden

Damit Bürgerenergieprojekte bei den neuen, seit 2017 geltenden gesetzlichen Genehmigungsverfahren für neue saubere Kraftwerke überhaupt eine Chance haben, sind sie privilegiert. Dazu müssen sie allerdings nachweisen, dass sie wirklich Bürgerprojekte sind.

„Bei Windprojekten an Land darf kein Mitglied mehr als zehn Prozent der Stimmrechte haben, es müssen mindestens zehn natürliche Personen Anteilseigener sein“, zählt Hirche einen Teil der Voraussetzungen auf. „Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, solche Bürgerenergieprojekte zu starten; wenn man weiß, wie es geht, ist es gut schaffbar“, ermuntert sie.

Unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten

Doch auch Solar- und Windprojekte benötigen natürlich Kapital. „Von der Genossenschaft über die GmbH, von Darlehen bis zum Crwodfunding - es sind heute viele Finanzierungswege begehbar, und alle sind zigfach erprobt“, sagt Hirche.

„Der Bürger ist am Drücker, und er muss die Chance nun nutzen“, fordert Bürgerenergie-Experte Biermann und nennt das Beispiel Energiegenossenschaft: „Die ist der Rahmen, den wir bereitstellen, der Bürger muss ihn nutzen“, erklärt er. Hirches Fazit ist zugleich Plädoyer: „Nur mit starkem Engagement der Bürger vor Ort wird die Energiewende so erfolgreich, dass wir die Ziele des Pariser Weltklimaabkommens erreichen können!“

Lesen hier den ersten Teil unseres Porträts der Bürgerenergiebewegung.

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