In Deutschland dürfen Aktien-Apps bestimmte Provisionen nicht mehr kassieren. Das könnte Folgen für Anlegerinnen und Anleger haben. / Foto: Pixabay

  Nachhaltige Aktien

EU verbietet Provisionen für Neobroker – was sich beim Aktienkauf ändern kann

Seit dem 1. Juli gilt auch in Deutschland das EU-weite Verbot bestimmter Provisionen beim Wertpapierhandel über Apps. Die Regelung verändert das Geschäftsmodell vieler Neobroker, die Wertpapierhandel besonders günstig oder sogar kostenlos anbieten. Was das für Anlegerinnen und Anleger bedeutet.

Beim sogenannten Payment for Order Flow (PFOF) erhielten Broker bislang Geld von bestimmten, meist kleineren Handelsplätzen, wenn sie Kauf- und Verkaufsaufträge ihrer Kunden dorthin weiterleiteten. Diese Zahlungen waren für viele Neobroker eine wichtige Einnahmequelle – und ermöglichten Kundinnen und Kunden Handelsgebühren von oft nur einem Euro oder sogar kostenlose Sparpläne.

Anbieter wollen Gebührenmodelle vorerst beibehalten

Die Europäische Union hat diese Praxis jedoch verboten, Deutschland hat dieses Verbot nun umgesetzt. Die Politik befürchtet einen Interessenkonflikt: Broker könnten Aufträge an den Handelsplatz weiterleiten, der die höchste Provision zahlt – und nicht dorthin, wo Anlegerinnen und Anleger den besten Preis erhalten. Mit dem Verbot soll der Wertpapierhandel transparenter werden und sich stärker an den Interessen der Kundinnen und Kunden orientieren.

Für die Anbieter bedeutet das den Wegfall einer wichtigen Einnahmequelle, PFOF-Provisionen machten zuletzt bis zu 20 Prozent der Gesamtumsätze aus. Laut einer Umfrage des Verbraucherportals biallo.de wollen Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital, Smartbroker+ oder Traders Place ihre bisherigen Gebührenmodelle aber zunächst weitgehend beibehalten. Kostenlose ETF-Sparpläne und günstige Einzelorders soll es weiterhin geben. Die Unternehmen wollen dafür stärker auf andere Erlösquellen setzen, etwa kostenpflichtige Zusatzangebote, eigene Handelsplattformen wie EIX (Scalable) oder Einnahmen aus Zinsen und Währungsumrechnungen.

Allerdings behalten sich die Neobroker Änderungen bei einzelnen Angeboten oder neuen Ordertypen vor. Anlegerinnen und Anleger, die Aktien-Apps nutzen, sollten deshalb künftig die tatsächlichen Kosten eines Wertpapierkaufs im Blick behalten. Neben den Ordergebühren können etwa Unterschiede bei den Kauf- und Verkaufskursen, vor allem im sehr frühen oder sehr späten Handel, oder neue Gebührenmodelle die Gesamtkosten beeinflussen.

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