Auch die Geldanlage kann zu mehr Klima- und Umweltschutz beitragen. / Foto: Pixabay

01.11.19 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Anleihen / AIF , Crowd-Investment , Finanzdienstleister , Fonds / ETF

Grün anlegen: So einfach geht es!

Sie wollen Ihr Geld mit Sinn anlegen? Also einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und Menschen in Entwicklungsländern helfen? Und die Rendite soll auch nicht auf der Strecke bleiben? ECOreporter zeigt Ihnen, worauf Sie achten müssen. 

Schauen Sie sich bitte einmal eine ganz normale Steckdose an. Wissen Sie, wie viel grünen Strom sie im Durchschnitt liefert? Im ersten Halbjahr 2019 waren es bereits über 40 Prozent! Vor gut 30 Jahren dagegen lieferten fast nur Atom- und Kohlekraftwerke den Strom. Dann begannen die ersten grünen Anleger, Summen ab 500 D-Mark aufwärts in kleine Windkraftanlagen zu investieren. Echtes Risikokapital.

Ohne dieses Geld wäre die Windkraft nicht zum Erfolgsmodell geworden. Einige Jahre danach wiederholte sich das mit Solaranlagen. Noch etwas später waren Wind- und Solarenergie so ausgefeilt, dass milliardenschwere Investoren einstiegen.

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Die ersten Windräder konnten nur mit dem Geld von grünen Anlegern aufgebaut werden. / Foto: Nordex

Mittlerweile finden private Anleger hier kaum noch Anlagemöglichkeiten, weil die großen Kapitalgeber jedes neue Wind- oder Solarprojekt jagen wie der Fuchs den Hasen. Ungerecht? Vielleicht sollte man es lieber so betrachten: Die Geschichte beweist, dass man auch mit kleinen Geldanlagen die Welt verändern kann. Insbesondere, wenn man den Hebel richtig ansetzt. Ohne die kleinen Summen privater Anleger wäre die Energiewende schließlich nicht auf dem Weg. Weder in Deutschland noch anderswo auf der Erde.

Der weit fortgeschrittene Klimawandel, das ausdauernde Engagement der immer noch so jungen Greta Thunberg und die Proteste von Schulkindern und Eltern weltweit führen dazu, dass sich nun wieder hunderttausende Menschen fragen, ob sie mit ihrem eigenen Lebensstil etwas zur Nachhaltigkeit beitragen können.

Auch mit der Geldanlage? Ja! Hier ist es sogar einfacher als in den meisten anderen Lebensbereichen. Denn über Sparen und Investieren muss man nicht jeden Tag nachdenken, sondern in der Regel nur in größeren Zeitabständen – und das richtig angelegte Geld arbeitet trotzdem auch in der Zwischenzeit für Nachhaltigkeit.

Allerdings: Zuallererst sollte man sich zehn Minuten nehmen und über Grundsätzliches nachdenken. Welche Bank will ich, welche Art von Geldanlage – und wozu überhaupt Geld anlegen? Notieren Sie auf einem Blatt einige Fragen an sich selbst. Wie viel Geld haben Sie und verdienen Sie? Wie viel Geld brauchen Sie monatlich, für sich, für die Ausbildung Ihrer Kinder, für Anschaffungen? Wie lange können Sie Erspartes weglegen?

Und dann: Was ist Ihnen wichtig? Rendite? Sicherheit? Klimaschutz? Soziales? Keine Investitionen in Waffen, in Unternehmen, die von Kinderarbeit profitieren? Eine gesetzliche Definition für Nachhaltigkeit existiert nicht. Nehmen Sie es also persönlich: Allein Ihre Werte und Ideen zählen! Was Sie für nachhaltig halten, ist das Richtige für Ihr Geld.

Wenn Sie Anregungen haben möchten, dann schauen Sie einmal in die  ECOreporter Siegel-Kriterien. So, und wenn Sie jetzt Ihre Antworten haben, dann planen Sie: Bis wann wollen Sie wie viel Ihres Geldes nachhaltig anlegen? Sie müssen nicht alles auf einmal umschichten. Tappen Sie nicht in die beliebte deutsche Konsequenz-Falle: Ich kann ja doch nicht zu 100 Prozent ändern – also lasse ich alles beim Alten. Stattdessen gilt: Jeder umgeschichtete Euro hilft!

Welche Bank wähle ich?

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Filiale der GLS Bank. / Foto: Unternehmen

Viele fragen sich alles Erstes: Muss ich die Bank wechseln, wenn ich nachhaltig investieren will? Das können Sie natürlich tun. Hier finden Sie grüne, nachhaltige, ethische Banken. Eine Übersicht über aktuelle Gebühren und Konditionen finden Sie hier. Beachten Sie: Ihre Bank arbeitet mit Ihrem Geld.

Und eine nachhaltige Bank arbeitet auch mit Ihrem Guthaben auf dem Giro- oder Festgeldkonto nachhaltig. Ihre konventionelle Hausbank tut das vielleicht nicht. Möchten Sie jedoch aus persönlichen Gründen einfach bei der Filiale Ihrer Bank bleiben? Dann weisen Sie dort öfters darauf hin, dass Sie nachhaltig investieren möchten. Kleine Anstöße in die nachhaltige Richtung sind für konventionelle Banken wichtig.

Natürlich, bei nachhaltigen Banken erhalten Sie ausschließlich grüne, ethische Produkte. Aber solche Geldanlagen bekommen Sie auch bei konventionellen Banken. Denn im Prinzip funktioniert jede Bank wie ein Lebensmittelmarkt: Sie können dort die Produkte kaufen, die von ganz verschiedenen Herstellern stammen. Der normale Supermarkt verkauft ja auch Bio-Lebensmittel.  

Sie müssen also nur selbst wissen, was Sie wollen, und Ihre konventionelle Bank entsprechend beauftragen. Dabei hilft Hartnäckigkeit, denn die Banken möchten Sie oft gerne zum Produkt des Monats bekehren. Wimmeln Sie das ab und bleiben Sie bei Ihrem Plan! Und um den umzusetzen, helfen Ihnen die folgenden Tipps.

Das Aktiendepot auf Nachhaltigkeit umpolen

Wie man unter den tausenden Aktien dieser Börsenwelt die nachhaltigen findet? ECOreporter hat selbst hunderte Aktien im Blick, die als nachhaltig gelten. Um es für Sie einfach zu machen, hat die Redaktion allerdings eine kleine Auswahl an Aktien zu ECOreporter-Favoriten gekürt. In drei Kategorien: Dividenden-Könige, also Konzerne – groß, eher hellgrün, stabil, mit möglichst sicheren Dividenden. Die Liste dieser 15 Aktien finden Sie hier.

Dann die Mittelklasse-Aktien: Schon eher Unternehmen, die man sich als grün vorstellt. Wieder 15 Werte  - zur Liste geht es hier. Und dann die Grünen Spezialwerte. Kleiner, grüner, ambitionierter. Aber auch riskanter. Wie Sie die drei Aktienarten gewichten sollten, erklärt Ihnen unser Musterdepot unten.

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Insulin von Novo Nordisk: Das dänische Unternehmen gehört zu den ECOreporter-Aktien-Favoriten. / Foto: Unternehmen

Wenn Sie aber schon auf grüne Aktien spezialisiert sind oder mehr Auswahl haben möchten: Schauen Sie sich die aktuellen Übersichten an zu den Windaktien, den Solaraktien, den Wasseraktien (etwa hier und hier) und den veganen Aktien. Bitte bedenken Sie bei nachhaltigen Aktien: Sie beteiligen sich an einem Unternehmen. Kursschwankungen gehören dazu. Über die letzten Jahrzehnte sind Aktien dennoch die wohl lohnendste Anlageform gewesen.

Anleihen, Nachrangdarlehen und Ähnliches

Sie wollen direkt in Unternehmen investieren, die grünen Strom erzeugen, die Wind- und Solaranlagen bauen und die Energiewende vorantreiben? Dann haben wir bei den ECOanlagechecks für Sie Möglichkeiten aufgelistet. Das sind alles Finanzprodukte von Unternehmen, die kerngrün sind. Mehr Wirkung für Klimaschutz kann Geld kaum haben. Beachten Sie aber bitte die Hinweise auf die teilweise langen Laufzeiten und die Risiken. Sie können manche grüne Anleihe auch an der Börse kaufen. Hier haben wir drei solcher Möglichkeiten dargestellt: Einfach und erprobt.

Den richtigen nachhaltigen Fonds finden

Mittlerweile sind hunderte nachhaltige Fonds in Deutschland zum Verkauf zugelassen. Nur wenige bekommen in den ECOfondstests von ECOreporter gute Noten und werden zum ECOreporter-Fonds-Favoriten. Wenn Sie einen Fonds suchen, der zu Ihnen passt, schauen Sie bitte zunächst in die ECOfondstests. ECOreporter untersucht die Fonds bis in die letzten Winkel hinein, im Kampf gegen die Grünwäscher, die auch noch Kohleaktien als nachhaltig bezeichnen. Keine Sorge: So viele ECOreporter-Fonds-Favoriten gibt es nicht, die Auswahl wird Sie nicht viel Mühe kosten. Und die Renditen werden auch bewertet – Sie müssen nicht auf Gewinn verzichten.

ETF: Geht´s auch grün?

Immerhin, einige Dutzend ETFs, die sich nachhaltig nennen, gibt es. Mehr zu ETFs können Sie hier lesen.

Crowd-Investment

Start-ups finanzieren, durchaus riskant – aber innovativ und grün? So etwas findet man beim Crowd-Investment. Hier finden Sie einen Überblick über nachhaltige Crowd-Plattformen. Ein inspirierendes Interview mit einem der grünen Pioniere lässt Sie erkennen, ob diese Anlageform für einen Teil Ihres Vermögens die richtige ist.

Nachhaltig anlegen ganz konkret

Hier und hier finden Sie zwei ECOreporter-Musterdepots, eine Art Schnittmuster für eine nachhaltige Geldanlage. Im echten Leben ist Anlageberatung natürlich wesentlich komplexer. Daher ersetzen solche Musterdepots weder Beratung noch intensive eigene Beschäftigung mit der Geldanlage. Aber sie bieten Anregung.

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