Wasserstofftankstelle von Linde. Lohnen sich Investments in den angeblichen Energieträger der Zukunft? / Foto: Unternehmen

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien

Von Plug Power bis Linde: Das sind die besten Wasserstoff-Aktien

Wasserstoff-Aktien locken mit hohen Kursgewinnen und gelten oft als "das nächste große Ding". ECOreporter analysiert, wie viel Substanz wirklich dahintersteckt, wo sich der Einstieg lohnen kann und um welche Papiere Anlegerinnen und Anleger besser einen Bogen machen sollten.

Umweltfreundlich hergestellter Wasserstoff wird eine Schlüsselrolle bei der Energiewende zukommen. Das glauben nicht nur die deutsche Bundesregierung und andere Politikerinnen und Politiker in aller Welt, auch viele Anlegerinnen und Anleger sind davon überzeugt. Und tatsächlich ist das Potenzial des Energieträgers enorm, ob für emissionsarmes Stahlkochen in der Industrie oder im Verkehrssektor durch den Antrieb mit Brennstoffzellen, insbesondere im Fern- und Schwerlastverkehr sowie in der Luft- und Schifffahrt.

Längst können Anlegerinnen und Anleger auch über Finanzprodukte in Wasserstoff investieren, etwa über den im Dezember 2020 gestarteten GG Wasserstoff-Fonds. Dieser hat weniger als zwei Jahre nach seiner Gründung bereits ein Volumen von 100 Millionen Euro erreicht. ECOreporter hat den Fonds hier getestet. Den Wasserstoff-ETF L&G Hydrogen Economy hat die Redaktion hier unter die Lupe genommen.

In ihre nationale Wasserstoffstrategie will die Bundesregierung 9 Milliarden Euro investieren, Deutschland soll die weltweite Nummer Eins in der Wasserstoffbranche werden. Im Juli verkündete die Politik eine Wasserstoffkooperation mit Ägypten. Und die europäische Industrie sieht sich in der Lage, bis 2050 bis zu 24 Prozent des Gesamtenergiebedarfs in der EU zu decken. Sagt sie zumindest. Auch aus den USA gab es im August gute Nachrichten: Dort wurde das schon totgesagte, milliardenschwere Klima- und Sozialpaket von Präsident Joe Biden doch noch verabschiedet. Dieses sieht auch umfangreiche Investitionen in Wasserstoff vor.

Aber: Noch ist Wasserstoff überwiegend nicht nachhaltig (siehe Kasten) und zudem teuer und ineffizient. Für Brennstoffzellenbauer gilt ebenso wie für die Wasserstoffhersteller selbst, dass das Geschäftsmodell auch eine Wette auf eine künftige Nachfrage ist.

Bei Unternehmen, die keinen Gewinn machen, entfällt natürlich die Möglichkeit, die Kosten einer Aktie anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) einzuschätzen. ECOreporter verwendet daher in diesem Fall das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV), um eine Einschätzung abzugeben, ob eine Aktie günstig oder teuer ist. Das KUV ergibt sich aus dem Börsenwert des Unternehmens, geteilt durch seinen Jahresumsatz. Je niedriger das KUV, desto günstiger die Aktie – wobei dies natürlich nicht das einzige Bewertungskriterium ist.

Eine Ausnahme in der Branche bilden Unternehmen, die zwar auch, aber nicht nur auf Wasserstoff setzen – hier gibt es etablierte und profitabel arbeitende Beispiele.

Über diese Wasserstoffunternehmen berichtet ECOreporter im Folgenden:

  • Ballard Power
  • Bloom Energy
  • Clean Logistics
  • PowerCell
  • Plug Power
  • SFC Energy
  • Nikola
  • Nel
  • ITM Power
  • FuelCell Energy
  • Enapter
  • Linde
  • Air Liquide

So wird Wasserstoff hergestellt

Wasserstoff ist ein Energieträger, der Energie speichern und transportieren kann. Als Sekundärenergie muss er aber zuerst unter Verwendung von Primärenergie hergestellt werden. Umweltfreundlicher oder "grüner" Wasserstoff entsteht nur dann, wenn dazu Erneuerbare Energie genutzt wird.

Der größte Teil des heutzutage hergestellten Wasserstoffs wird von der chemischen Industrie zur sofortigen Verwendung im sogenannten Reformierungsverfahren hergestellt. Dabei wird fossilen Energieträgern, die aus Kohlen-Wasserstoff-Ketten bestehen, der Wasserstoff entzogen. Als Nebenprodukte entstehen unter anderem Kohlenmonoxid, Stickoxide und Schwefeldioxid. Nachhaltigkeit sucht man hier vergebens.

Anders bei der Wasser-Elektrolyse: Hier wird Wasser in die Bestandteile Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) zerlegt. Dafür braucht man Strom – und der kann aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden.

Speichern und transportieren lässt sich Wasserstoff relativ leicht, etwa zusammengepresst oder in flüssiger Form. Druckspeicher gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, von zehn Liter fassenden Gasflaschen bis hin zu Großspeichern mit 100.000 Kubikmetern. Langfristig soll das bestehende Erdgasnetz zur Speicherung genutzt werden.


In einer Brennstoffzelle wird im Wasserstoff gespeicherte chemische Energie als elektrische Energie freigegeben.

Trotz aller Euphorie um den möglichen Energieträger der Zukunft: Die weltweiten Krisen setzen den Wasserstoff-Aktien als typische Wachstumswerte zu – gerade Profi-Investoren suchen in unruhigen Zeiten oft etablierte und vermeintlich sicherere Werte. Gleichzeitig lassen positive Meldungen etwa über Großaufträge einzelner Unternehmen die Kurse in der ganzen Branche schnell wieder nach oben schießen – bevor Gewinnmitnahmen in der Folge erneut für Korrekturen sorgen. An der Börse ging es für Wasserstoff-Aktien in den letzten Monaten sehr oft rauf und noch häufiger runter.

Beim Blick auf die Tabelle (siehe Premium-Bereich) zeigt sich: Die meisten Aktien haben in den letzten drei Monaten und auf ein Jahr gesehen deutlich an Wert verloren, einige wenige verzeichneten aber auch hohe Zugewinne. Und langfristig zeigen die Aktien noch immer enorme Wertzuwächse, oft von mehreren hundert Prozent.

Allerdings sind die sogenannten "Pure Player", Unternehmen, die ausschließlich in der Wasserstoffwirtschaft aktiv sind, weiterhin eher eine Wette als ein Investment. Zu den Pure Playern gehören insbesondere die Wasserstoffproduzenten und die Brennstoffzellenhersteller, deren Technik etwa Lkw oder Schiffe antreibt. Es gibt auch etablierte, finanziell robuste Unternehmen mit sehr guten Aussichten, die von Wasserstoff-Geschäften massiv zu profitieren hoffen. Deren Aktien sind aber eher keine Geheimtipps.

Die Wasserstoff-Industrie ist nicht nur im globalen Kontext interessant für Anlegerinnen und Anleger, auch in Deutschland gibt es spannende Wasserstoffaktien (allerdings kaum Pure Player). Details zur Einschätzung der Aktien und ihrer Kursentwicklung finden Sie in unserem Premium-Bereich.

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