Brookfield Renewable Partners ist einer der größten Grünstromproduzenten weltweit und setzt vorwiegend auf Wasserkraft. / Foto: Fotolia, Paul Stock

21.12.18 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie

Simpel und sauber: Yieldcos - Aktien auf Erneuerbare-Energie-Kraftwerke

Hohe Dividenden, überschaubare Risiken und eine gute Umweltbilanz - das wünschen sich viele sozial-ökologisch orientierte Anleger. Sind Yieldcos die Lösung? Welche dieser Aktien mit dem seltsamen Namen bieten am meisten Klimaschonung und die höchste Dividende? ECOreporter stellt ein weitgehend unbekanntes Börsensegment vor.

Der Begriff Yieldco setzt sich aus den englischen Begriffen "Yield" (Ertrag) und "Company" (Firma) zusammen. Er ist im angelsächsischen Raum gebräuchlich. Verwendet wird der Begriff für börsennotierte Firmen, die hohe Einnahmen generieren und an die Aktionäre ausschütten. In den USA  und Kanada wird der Bezeichnung Yieldco vor allem für Produzenten von grünem Strom verwendet. Die Dividendenrenditen betragen bei manchen dieser Yieldcos mehr als 9 Prozent. Auch deutsche Anleger können in sie investieren und sich an den hohen Dividenden erfreuen.

Viele Yieldcos in den USA und Kanada sind Abspaltungen großer Versorger und sind auf den Betrieb von Solar-, Wind- und Wasserkraftwerken spezialisiert. Meist erwerben sie bereits fertiggestellte Erneuerbare-Energien-Kraftwerke. Einnahmen erzielen sie schlicht durch den Verkauf des grünen Stroms. Kein Projektentwicklungsrisiko, aber oft garantierte Einspeisevergütungen oder langjährige Verträge mit Großabnehmern (sogenannte Power-Purchase-Agreements, PPAs): Das ergibt langfristig kalkulierbare Einnahmen.

Yieldcos sind trotz der hohen Dividenden ganz gewöhnliche Aktiengesellschaften - ohne Steuererleichterungen oder Mindestausschüttungsquoten, die beispielsweise für Real Estate Investment Trusts, sogenannte REITs, üblich sind.

Brookfield Renewable Partners:  Über 7 Prozent Dividendenrendite mit grünem Strom

Ein Unternehmen aus diesem Bereich ist Brookfield Renewable Partners. Das kanadische Unternehmen setzt auf Wasser-, Wind-, Solar- und Pumpspeicherkraftwerke. Zudem hat Brookfield Renewable einige wenige Biomassekraftwerke und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen im Portfolio. Im Speichergeschäft sind die Kanadier ebenfalls aktiv. Insgesamt besitzt der Grünstromproduzent 877 Kraftwerke in 15 Ländern - neben Nord- und Südamerika auch in Europa und Asien. Sauberen Strom produziert das Unternehmen schon seit über 100 Jahren.

Mit einem Börsenwert von ungefähr 7 Milliarden US-Dollar und einer Kraftwerksnennleistung von 17,4 Gigawatt (GW) ist Brookfield Renewable Partners einer der größten Grünstromproduzenten weltweit. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres hat das Unternehmen 37,61 Gigawattstunden sauberen Strom erzeugt. Gut 76 Prozent des Stroms stammen aus Wasserkraft, 20 Prozent aus Wind und 4 Prozent aus Sonne.

Aktuell schüttet das Unternehmen eine Dividende von 1,96 US-Dollar für das Jahr 2018 aus, was einer Dividendenrendite von 7,65 Prozent beim momentanen Aktienkurs von 25,61 US-Dollar (20.12., Schlusskurs) entspricht. Auf Jahressicht hat die Aktie stark nachgegeben: Sie ist 23 Prozent im Minus.

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Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist ungewöhnlich hoch: Es beträgt 216,10. Der Grund für den niedrigen Nettogewinn sind laut Angaben des Unternehmens erhöhte Abschreibungen aufgrund des starken Wachstums. Den hohen Abschreibungen stehen jedoch im Vergleich zu den Vorjahren höhere Einnahmen aus dem Stromgeschäft gegenüber.

Brookfield Renewable hat über die Jahre die Dividenden kontinuierlich gesteigert und erweitert auch beständig das Kraftwerksportfolio. Viele Analysten schätzen die Wachstumsperspektiven als sehr gut ein. Die Aktie wird auch an deutschen Börsen gehandelt, unter anderem an der Börse Stuttgart und der Börse Frankfurt.

Transalta Renewables: monatliche Dividendenausschüttungen

Ein weiteres in Kanada ansässiges Yieldco ist Transalta Renewables. Das Unternehmen hat hauptsächlich Wind- und Erdgaskraftwerke in Betrieb (zusammen 93 Prozent der Kapazität). Wasser- und Solarkraftwerke machen knapp 7 Prozent des Portfolios aus. Die Aktivitäten von Transalta Renewables konzentrieren sich auf Kanada und Australien.

Insgesamt verfügt Transalta Renewables über eine Stromerzeugungskapazität von 2,4 Gigawatt und ist damit bedeutend kleiner als Brookfield Renewable Partners. Die Erneuerbare-Energien-Kraftwerke des Unternehmens haben in den vergangenen drei Quartalen von 2018 2,54 Gigawattstunden Strom erzeugt. Die Gaskraftwerke machten mit 656 Megawattstunden Strom einen deutlich geringeren Anteil aus.

Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beträgt gut 2,7 Milliarden Kanadische Dollar (CAD). Die Aktie von Transalta Renewables steht derzeit an der Börse Toronto bei 10,17 CAD (20.12., Schlusskurs).

Für 2018 hat das Unternehmen eine Jahresdividende von 0,939 CAD ausgeschüttet. Damit liegt die gegenwärtige Dividendenrendite für 2018 bei 9,23 Prozent. Eine Besonderheit: Die Dividende wird in monatlichen Raten über das Jahr verteilt ausgeschüttet. Mit einem KGV von 12,39 erscheint die Aktie relativ günstig bewertet. In Deutschland wird die Aktie des kanadischen Grünstromproduzenten unter anderem an der Börse Frankfurt gehandelt.

Greencoat UK Wind: 5 Prozent Dividende mit britischen Windkraftwerken

Greencoat UK Wind ist auf Windkraftwerke spezialisiert. Der grüne Stromproduzent hat 30 Windparks in ganz Großbritannien in Betrieb. Greencoat ist kleiner als die nordamerikanischen Konkurrenten: Die Gesamtkapazität der Kraftwerke liegt bei 785 Megawatt. Davon besteht der Großteil aus Windkraftanlagen an Land (93 Prozent), der Rest (7 Prozent) entfällt auf Windräder auf hoher See.

Der Börsenwert des Windstromerzeugers beträgt 1,41 Milliarden Britische Pfund (GBP). Die Greencoat UK Wind-Aktie steht an der London Stock Exchange derzeit bei 1,25 GBP, umgerechnet 1,39 Euro (21.12, 9:01 Uhr). Die Dividende für das laufende Geschäftsjahr soll 0,0676 GBP pro Aktie betragen. Das entspricht einer Dividendenrendite von gut 5,4 Prozent.

Die Dividende wird in vier Quartalsraten ausgeschüttet. Greencoat UK Wind hat die Dividenden über die Jahre kontinuierlich gesteigert. Mit einem KGV von 10,25 erscheint die Aktie optisch günstig bewertet. Das Unternehmen rechnet allerdings mit leichten Gewinnrückgängen in den kommenden beiden Jahren, sodass die niedrige Bewertung gerechtfertigt erscheint. Ein weiterer Haken: Aufgrund der unklaren Konditionen des Brexit lassen sich die Währungsrisiken bei einer Investition in ein britisches Unternehmen nicht präzise abschätzen. Anleger aus Deutschland können die Aktie an der Börse Frankfurt und der Börse Stuttgart handeln.

Terraform Power: Wind- und Solarkraft in den USA, Südamerika und Europa

Der US-Grünstromproduzent Terraform Power setzt auf Wind- und Solarkraft. Terraform Power besitzt ein Kraftwerksportfolio mit einer Gesamtleistung von 3,6 GW. Die Wind- und Solarparks befinden sich zum großen Teil in den USA (2,35 GW). Der Rest (1,28 GW) ist verteilt auf Südamerika (Chile, Uruguay) und Europa (Portugal, Spanien und Großbritannien). Allein im dritten Quartal 2018 produzierte das Unternehmen etwas mehr als 2 Gigawattstunden Strom.

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Solarpark von Terraform Power: Die Aktie bietet eine sehr hohe Dividendenrendite und gute Wachstumsaussichten. / Foto: Unternehmen

Terraform Power weist eine Marktkapitalisierung von ungefähr 2,01 Milliarden US-Dollar auf. Derzeit schüttet das Unternehmen eine Dividende für das gesamte Jahr von 0,76 US-Dollar aus. Bei dem gegenwärtigen Aktienkurs von 10,79 US-Dollar liegt die Dividendenrendite somit bei 7,04 Prozent.

Allerdings wird das Unternehmen für 2018 keinen Nettogewinn verbuchen. Der Grund: Terraform Power hat in diesem Jahr den spanischen Grünstromproduzenten Saeta Yield geschluckt. Bei einem Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden US-Dollar für die Übernahme hatte Terraform Power 550 Millionen US-Dollar an liquiden Mitteln aufzuwenden.

Die Aktie des US-Grünstromproduzenten war in diesem Jahr sehr volatil. Der Kurs schwankte zwischen 8,50 und 10,33 US-Dollar. Auf Jahressicht ist die Aktie 8 Prozent im Minus. Analysten sind zuversichtlich: Auf lange Sicht soll das Kraftwerksportfolio des Unternehmens beständig wachsen - was auch zu kontinuierlich steigenden Dividenden führen sollte. Handeln lässt sich die Aktie an der Börse Frankfurt und der Börse Stuttgart sowie an der Schweizer Börse BX Swiss.

Es gibt eine Reihe weiterer Yieldcos. Allerdings betreiben diese auch zu einem größeren Anteil konventionelle Kraftwerke:

Clearway Energy: Solar und Wind, aber auch konventionelle Kraftwerke

Clearway Energy (vormals NRG Yield) hat Wind- und Solarkraftwerke mit einer Kapazität von 3,32 GW im Portfolio. Der Rest sind Erdgaskraftwerke oder konventionelle Heizkraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 2,07 GW.

Von der Clearway Energy-Aktie gibt es sowohl sogenannte A-Shares als auch C-Shares. Die A-Share-Variante entspricht grob einer Stammaktie nach deutschem Aktienrecht und ermöglicht dem Inhaber, das Stimmrecht auf einer Hauptversammlung auszuüben. Bei einer Aktie in der C-Shares-Variante entfällt das Stimmrecht. Die Marktkapitalisierung aller Clearway Energy-Aktien beider Klassen beträgt zusammen gut 1,95 Milliarden US-Dollar.

Derzeit kostet eine stimmrechtslose Clearway Energy-Aktie der C-Shares-Variante 16,85 US-Dollar (20.12. Schlusskurs). Die Dividende für 2018 liegt bei 1,26 US-Dollar pro C-Aktie, was einer Dividendenrendite von fast 7,5 Prozent entspricht. Die Aktie notiert mehr als 20 Prozent unter ihrem Zwölfwochen-Hoch von 20,70 US-Dollar.

Mit einem KGV von 16,28 ist die Clearway Energy-Aktie moderat bewertet. Analysten rechnen mit steigenden Dividenden über die kommenden Jahre bei leicht schwankenden Gewinnen. Die Aktie ist auch auf deutschen Börsenplätzen wie der Börse Stuttgart handelbar.

 Next Era Energy ist ein weiteres Yieldco mit etwas über 4 Prozent Dividende. Allerdings betreibt das Unternehmen auch Atomkraftwerke.

Auch der kanadische Stromproduzent Northland Power setzt auf grünen Strom und bietet eine Dividendenrendite von über 5 Prozent. Erdgaskraftwerke sind ebenfalls im Portfolio.

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Solarpark von Encavis: Der deutsche Grünstromproduzent betreibt Solar- und Windparks unter anderem in Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien. / Foto: Unternehmen

Wer in europäische Grünstromstromproduzenten investieren will, hat eine relativ große Auswahl. Allerdings gelten die Unternehmen nicht als Yieldcos.

7C Solarparken: 4 Prozent Dividende mit Solarstrom

7C Solarparken setzt auf Solarkraft und bietet derzeit eine Dividendenrendite von um die 4 Prozent. Ein ECOreporter-Porträt finden Sie hier.

Encavis: Solar- und Windkraftwerke in Westeuropa

Encavis betreibt viele Solar- und Windkraftwerke in westeuropäischen Ländern und schüttet beim derzeitigen Aktienkurs eine Dividende von knapp 4 Prozent aus (zum ECOreporter-Portät geht es hier).

ABO Invest: Deutscher Betreiber von Windparks

Das Schwesterunternehmen von ABO Wind aus Wiesbaden betreibt vor allem Windkraftwerke. Anfang nächsten Jahres wird ECOreporter die Aktie analysieren.

Orsted: Dänischer Staatskonzern, der auf Windstrom setzt

Der größte dänische Energieversorger Ørsted setzt fast ausschließlich auf Strom aus Windkraft. Die Dividendenrendite beträgt derzeit etwas mehr als 2 Prozent. ECOreporter hat die Aktie hier vorgestellt.

Aventron: Schweizer Grünstromaktie

Aventron sitzt in der Schweiz und speist Strom aus Solar-, Wind- und Wasserkraftwerken in die Netze ein. Die Dividendenrendite fällt mit 2,91 Prozent passabel aus. Hier geht’s zum ECOreporter-Porträt.

Es gibt auch einen Yieldco-ETF. Der Global X YieldCo Index ETF bietet derzeit eine Dividendenrendite von 5,1 Prozent und bildet die Wertentwicklung von Yieldcos ab. Allerdings sind hierbei auch Aktien von Unternehmen enthalten, die nur zu einem kleinen Teil auf Erneuerbare Energien setzen.

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