Werk von Taiwan Semiconductor. Der Aktienkurs des weltgrößten Chip-Fertigers hat sich auf fünf Jahre gesehen verdoppelt. / Foto: TSMC

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Nachhaltige Halbleiter-Aktien: Wo bieten sich nach den hohen Kursverlusten Kaufgelegenheiten?

Technologieaktien haben seit Jahresanfang deutlich an Wert verloren. Betroffen sind auch große Chip-Konzerne, die wirtschaftlich gut dastehen. Aber es gibt auch Halbleiterunternehmen, die unter den globalen Krisen leiden. Wo kann sich aktuell der Einstieg lohnen? Wo sind die Risiken zu hoch? ECOreporter analysiert 20 besonders nachhaltige Halbleiter-Aktien.

Die Nachfrage nach Computer-Chips ist so groß wie nie zuvor. Elektroautos, riesige Server-Farmen, vernetzte Fabriken, die Digitalisierung von immer mehr Lebensbereichen – für all das braucht es Chips. Das Problem: Als Anfang 2020 die Corona-Pandemie ausbrach, rechneten viele Unternehmen der Halbleiterindustrie mit einer schweren Wirtschaftskrise und drosselten ihre Produktion. Sie jetzt nicht nur wieder hochzufahren, sondern auch deutlich auszubauen, braucht Zeit, denn oft fehlt es an Spezialmaschinen oder geschultem Personal. Zudem gibt es Versorgungsengpässe beim wichtigsten Rohstoff Silizium, auch wegen der politischen Spannungen zwischen den beiden wichtigsten Lieferanten China und USA. Und weltweit steigende Kreditzinsen machen Investitionen in neue Chip-Fabriken riskanter.

Erschwerend kommt hinzu, dass derzeit zwar insgesamt deutlich mehr Halbleiter gebraucht werden, aber nicht in allen Bereichen. Während etwa in der Automobilindustrie die Nachfrage weiterhin höher ist als das Angebot, verzeichnete die Computerbranche im dritten Quartal 2022 ihr größtes Absatzminus seit fast 30 Jahren. Für die PC-Chip-Lieferanten ist das ein Problem, weil ihre Fabriken nur dann rentabel sind, wenn sie voll ausgelastet laufen, und sich die Produktlinien auch nicht kurzfristig umstellen lassen. Soll heißen: Wer heute Computerchips herstellt, kann nicht morgen Halbleiter für Elektroautos produzieren.

Die meisten Halbleiterkonzerne haben jedoch weiterhin volle Auftragsbücher. Branchenverbänden zufolge ist der Umsatz der Chip-Industrie 2021 um mehr als 25 Prozent auf ungefähr 533 Milliarden US-Dollar gestiegen, auch wegen Preiserhöhungen. Weil die Kosten nicht im gleichen Maße gestiegen sind, erzielten viele Unternehmen bis weit ins Jahr 2022 hinein Rekordgewinne.

Da sie dieses Gewinnniveau aber wahrscheinlich nicht dauerhaft werden halten können (unter anderem wegen stark steigender Energiepreise), haben zahlreiche zuvor hoch bewertete Halbleiter-Aktien in diesem Jahr zweistellig an Wert verloren. Ein Hoffnungsschimmer: Seit Oktober lässt sich branchenweit ein neuer, noch zaghafter Aufwärtstrend beobachten (siehe Tabelle im Premium-Bereich).

20 nachhaltige Chip-Aktien

ECOreporter hat 20 besonders nachhaltige, in Deutschland handelbare Halbleiter-Aktien herausgesucht. Alle sind in tiefgrünen Fonds vertreten, die nach sehr strengen Kriterien zusammengestellt werden. Und auch die Redaktion hat die Aktien eingehend auf ihre Nachhaltigkeit abgeklopft. Energieeffiziente Produkte und Fertigungsverfahren, hohe soziale Standards, umfassende Umweltschutzkonzepte, technische Innovationen – diese 20 Unternehmen helfen mit, das Digitalzeitalter so umweltschonend wie möglich zu gestalten.

Der erste Teil des Branchenüberblicks konzentriert sich, nach Weltregionen sortiert, auf Hersteller und Entwickler von Computerchips wie AMD, Nvidia oder Infineon. Im zweiten Teil, den sie hier lesen können, geht es um Spezialmaschinenbauer, Wafer-Produzenten und Hersteller von Testanlagen.

Halbleiter – was ist das eigentlich?

Unter einem Halbleiter versteht man ein Material, das je nach Temperatur Strom leitet oder nicht, wobei die Leitfähigkeit mit der Temperatur steigt. Der wirtschaftlich wichtigste Halbleiter, das Halbmetall Silizium, wird aus Quarzsand gewonnen und ist nach Sauerstoff das chemische Element, das in der Erdkruste am häufigsten vorkommt. Der größte Teil des weltweit verwendeten Siliziums stammt aus China.

Hauchdünne Siliziumscheiben, sogenannte Wafer, können mittels Lackieren, Ätzen und Belichten so bearbeitet werden, dass dreidimensionale Strukturen entstehen, durch die Strom geleitet werden kann: Schaltkreise. Wafer sind der Grundbestandteil von Solarzellen und eines der wichtigsten Vorprodukte für die IT-Industrie. Denn wenn man Wafer in kleine Teile zersägt, erhält man Mikrochips, die Minigehirne aller digitalen Geräte. Weil diese Chips in erster Linie aus Silizium bestehen, werden sie oft genauso genannt wie ihr Ausgangsmaterial: Halbleiter.

Polysilizium-Hersteller für den Photovoltaik-Bereich wie GCL-Poly, Daqo oder Wacker Chemie analysiert ECOreporter regelmäßig unter anderem in seinen Solaraktien-Überblicken.

USA

Intel war jahrzehntelang der größte Chip-Konzern der Welt und dominiert auch heute noch gemeinsam mit Samsung Electronics den globalen Markt. Das US-Unternehmen, 1968 gegründet, gehört zu den Grundpfeilern des Silicon Valley und baute 1971 den weltweit ersten Mikroprozessor. Aktuell hat Intel einen Weltmarktanteil von etwa 15 Prozent, in einigen Chip-Segmenten sind es sogar 60 Prozent und mehr. Die Vormachtstellung bröckelt aber, weil andere Chip-Entwickler wie AMD technisch aufgeholt haben. 2020 verlor Intel seine Großkunden Apple und Microsoft, 2021 die Google-Mutter Alphabet. Zudem musste der Konzern die Einführung neuer Chips mit einer Strukturbreite von sieben Nanometern auf Ende 2022 verschieben. Je geringer die Strukturbreite, desto mehr Chips passen auf eine Wafer-Scheibe, und die einzelnen Chips verbrauchen weniger Strom (ein Nanometer ist übrigens 70.000-mal so dünn wie ein menschliches Haar).


Intel-Chef Pat Gelsinger rechnet noch bis 2024 mit Lieferengpässen bei Mikrochips. / Foto: Intel

Im Geschäftsjahr 2021 übertraf Intel mit einem Umsatzanstieg von 1 Prozent auf 79 Milliarden US-Dollar die eigenen Erwartungen. Der Nettogewinn sank wegen höherer Kosten um 5 Prozent auf 19,9 Milliarden Dollar. In diesem Jahr läuft es schlechter für den Konzern, der Umsatz wird nur bei 63 bis 64 Milliarden Dollar erwartet, weil der PC-Markt weltweit eingebrochen ist. Im dritten Quartal erzielte Intel einen Nettogewinn von 1 Milliarde Dollar, ein Jahr zuvor waren es 6,8 Milliarden Dollar. Konzernboss Pat Gelsinger denkt jetzt über Stellenstreichungen und den Verkauf unrentabler Sparten nach. Die auf autonomes Fahren spezialisierte Tochtergesellschaft Mobileye brachte Intel im Oktober als eigenständiges Unternehmen an die Börse.

Ein Vorteil, den Intel nach wie vor hat: Das Unternehmen stellt seine Chips im Gegensatz zu vielen Konkurrenten überwiegend selbst her, baut seine Kapazitäten weiter aus und tritt auch als Auftragsfertiger für Kunden wie Amazon und Qualcomm auf.  In Zeiten wackeliger Halbleiter-Lieferketten ein strategischer Pluspunkt, auch wenn wegen der hohen Investitionen erst einmal die Margen sinken. In Arizona und Ohio entstehen bis 2025 vier neue Fabriken.In Magdeburg sollen 2027 zwei große Werke eingeweiht werden, bis zu sechs weitere europäische Fertigungsstätten sind geplant. Und Intel möchte wieder Innovationsführer werden: mit 1,4-Nanometer-Chips, deren Entwicklung allerdings noch Zukunftsmusik ist.

ECOreporter traut es Intel zu, auch in den nächsten Jahren solide Gewinne zu erzielen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein Selbstläufer ist die ECOreporter-Favoriten-Aktie aber nicht mehr, im Jahresvergleich hat sie ein Drittel ihres Wertes verloren. Wer einsteigt, wird möglicherweise einen langen Atem brauchen. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das Geschäftsjahr 2022 von 15 ist die Aktie derzeit moderat bewertet. Die erwartete Dividendenrendite liegt bei 4,8 Prozent – in der IT-Branche ein hoher Wert.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Einer der größten Konkurrenten von Intel ist AMD, ein weiterer Pionier des Silicon Valley. Das 1969 gegründete Unternehmen ist auf Prozessoren, Grafik- und Netzwerkchips spezialisiert und lässt seine Halbleiter bei großen Auftragsfertigern wie Taiwan Semiconductor und der ehemaligen AMD-Tochter Globalfoundries produzieren. 2021 stieg der Umsatz um zwei Drittel auf mehr als 16 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn legte um 27 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar zu.

Nach einem guten ersten Quartal 2022 bekam auch AMD wie Intel die Flaute am PC-Markt zu spüren. Der Konzern wuchs trotz höherer Verkäufe von Chips für Rechenzentren und Spielekonsolen weniger stark als erwartet und musste seine Jahresprognose senken. Im dritten Quartal blieb von 5,6 Milliarden Dollar Umsatz nur ein Nettogewinn von 66 Millionen Dollar übrig.

Dividenden schüttet das Unternehmen nicht aus, stattdessen kauft es eigene Aktien zurück. Durch Firmenzukäufe baut AMD seine Marktposition kontinuierlich weiter aus.

Die AMD-Aktie ist in den letzten Jahren kräftig gestiegen, seit November 2017 hat sie 625 Prozent gewonnen (siehe Tabelle unten). Wer früh gekauft hat, darf sich über hohe Buchgewinne freuen. In den letzten zwölf Monaten ist der Kurs um 45 Prozent eingebrochen, mit einem erwarteten KGV für 2022 von 72 bleibt die Aktie aber weiter zu teuer. Ein zusätzliches Risiko wie bei allen Chip-Entwicklern, die keine eigene Fertigung haben: Falls es zu noch größeren Produktionsengpässen als in den letzten beiden Jahren kommt, könnte die AMD-Aktie erneut empfindlich an Wert verlieren.


Nvidia ist weltweit führend bei Grafikkarten. Die Aktie hat sich langfristig sehr gut entwickelt. / Foto: Nvidia

Nvidia ist der erfolgreichste Entwickler von Grafikkarten für Computer, Server und Spielekonsolen. Das Unternehmen aus dem Silicon Valley erzielt seit 2017 Nettorenditen von mehr als 20 Prozent und ist in den letzten Jahren stark gewachsen: 2016 setzte Nvidia noch 5 Milliarden Dollar um, im Geschäftsjahr 2021/22 waren es schon fast 27 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn legte im letzten Geschäftsjahr um 125 Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar zu.

2022 belasten unter anderem die Lockdowns in chinesischen Fertigungszentren und die gedämpfte Nachfrage nach Gaming- und Krypto-Rechnern das Geschäft. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2022/23 (August bis Oktober) ging der Umsatz zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar zurück. Der Nettogewinn brach um 72 Prozent auf knapp 680 Millionen Dollar ein.

Mit einer Marktkapitalisierung von 390 Milliarden Euro ist Nvidia mittlerweile an der Börse der wertvollste Chipkonzern der Welt (siehe Tabelle). Allerdings hat es das Unternehmen bislang nicht geschafft, im Markt für Hauptprozessoren (CPUs) Fuß zu fassen: Die geplante 40-Milliarden-Dollar-Übernahme des britischen CPU-Designers ARM scheiterte, weil Nvidia zu hohe Auflagen der Kartellbehörden befürchtete.

Wie fast alle Halbleiter-Papiere notiert die Nvidia-Aktie auf Jahressicht deutlich im Minus. Zuletzt ging es wieder aufwärts, im Monatsvergleich hat der Kurs 32 Prozent zugelegt. Auf fünf Jahre gesehen liegt die Aktie 240 Prozent im Plus. Mit einem erwarteten KGV für 2022 von 42 ist sie nach wie vor nicht günstig. Interessenten sollten auf weitere Kursrücksetzer warten.

Die Kursentwicklungen der Chip-Hersteller (sortiert nach der 5-Jahres-Performance):

UnternehmenLandWKNAktueller Kurs in € (14.11.2022)Kursent-wicklung 1 Monat (%)Kursent-wicklung 3 Monate (%)Kursent-wicklung 1 Jahr (%)Kursent-wicklung
5 Jahre (%)
Markkapita-lisierung in Milliarden €
AMD Inc.US86318671,9217,8-26,5-45,2624,7116
Nvidia Corp.US918422156,6632,2-9,4-40,6240,3390
Marvell Technology Inc.BMUA3CNLD41,005,0-19,6-34,8142,535
Qualcomm Inc.US883121117,063,4-18,2-18,4111,8131
TSMC Ltd.TW90980071,909,2-17,9-31,099,4373
STMicroelectronics N.V.NL89343836,2514,8-0,6-17,676,133
Micron Technology Inc.US86902059,749,1-0,4-7,457,265
Infineon Technologies AGDE62310029,3026,47,9-30,124,938
Skyworks Solutions Inc.US85776092,9211,3-12,9-34,3-1,715
Rohm Semiconductor Ltd.JP86908277,5511,56,2-7,9-11,48
Intel Corp.US85568129,2713,9-14,8-33,5-24,8121
ams AGAUTA118Z88,5848,20,4-48,1-84,42

Stand 14.11.2022, 12:00 Uhr; Daten ohne Gewähr

Marvell Technology hat seinen Firmensitz auf den Bermudas, die Geschäftszentrale befindet sich hingegen im US-Bundesstaat Delaware. Der Konzern ist auf Hochleistungsprozessoren spezialisiert, etwa für große Firmennetzwerke, Cloud-Server und die Automobilindustrie.

Marvell hat im Geschäftsjahr 2021/22 bei einem Umsatz von knapp 4,5 Milliarden Dollar einen Nettoverlust von 421 Millionen Dollar eingefahren. Das Unternehmen gibt viel Geld für Forschung, Entwicklung und Verwaltung aus und rechnet vorerst weiter allenfalls mit minimalen Gewinnen. Im ersten Halbjahr 2022/23 (Februar bis Juli) lag der Umsatz bei knapp 3 Milliarden Dollar, der Nettoverlust betrug 161 Millionen Dollar.

Die Aktie hat auf Sicht von fünf Jahren knapp 143 Prozent an Wert gewonnen. Viele Investoren vertrauen darauf, dass der Konzern seine Ergebnismargen in Zukunft deutlich steigern wird. Ob diese Rechnung aufgeht, ist allerdings ungewiss, auch vor dem Hintergrund steigender Kreditzinsen. ECOreporter bleibt skeptisch.


DRAM-Modul von Micron Technology. / Foto: Unternehmen

Micron Technology ist der drittgrößte Speicherchip-Hersteller der Welt nach Samsung und SK Hynix und eigenen Angaben zufolge der einzige Produzent von Arbeits- und Datenspeichern in der westlichen Hemisphäre. Der im US-Bundesstaat Idaho ansässige Konzern betreibt weltweit an 13 Standorten Fabriken, in denen auch immer mehr Chips für den neuen Mobilfunkstandard 5G gefertigt werden, und arbeitet in der Forschung unter anderem mit Intel zusammen.

Von 2018 bis 2020 sanken Microns Gewinne, seitdem geht es wieder bergauf: Der Umsatz stieg im letzten Geschäftsjahr (endete Anfang September 2022) um 11 Prozent auf 30,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn kletterte von 5,9 auf 8,7 Milliarden Dollar. Für die nächsten Quartale rechnet das Management aber wegen der Flaute am PC-Markt mit schwächeren Ergebnissen und will deshalb seine kurzfristigen Investitionen um 30 Prozent kürzen.

Auf lange Sicht geht der solide finanzierte Konzern hingegen von weiterem Wachstum aus und plant, in den nächsten 20 Jahren in den USA für 100 Milliarden Dollar neue Werke zu bauen. Micron hofft auf hohe Subventionen der Biden-Regierung, die die USA unabhängiger von der asiatischen Chip-Industrie machen will.

Microns Börsenkurs ist im schwierigen Kalenderjahr 2022 vergleichsweise stabil geblieben (siehe Tabelle). Mit einem erwarteten KGV von 8 ist die Aktie günstig, was auch daran liegt, dass die Preise für Speicherchips zuletzt gesunken sind. Ein Investment für risikofreudige Anlegerinnen und Anleger.

Skyworks Solutions ist ebenfalls am Aufbau des 5G-Netzes beteiligt. Das Unternehmen aus Massachusetts baut weltweit unter anderem Leistungsverstärker und Empfangsmodule für Mobilfunksysteme. Zu den Kunden gehören Apple, Samsung und Huawei. Nach zuvor sehr hohen Wachstumsraten stieg der Umsatz im Geschäftsjahr 2022 (endete am 30. September) allerdings nur noch um 7 Prozent zum Vorjahr auf 5,5 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn ging wegen gestiegener Kosten von 8,97 auf 7,81 Dollar je Aktie zurück.

Für die nächsten Monate rechnet Skyworks mit einer rückläufigen Nachfrage. Die Aktie hat im Jahresvergleich 34 Prozent abgegeben und ist derzeit in etwa so viel wert wie vor fünf Jahren. Mit einem erwarteten KGV von 12 ist sie moderat bewertet. Wer hier investiert, muss allerdings darauf vertrauen, dass Skyworks in den nächsten Jahren seine Gewinne wieder spürbar steigern kann. Immerhin: Vergleichsweise hohe Gewinnausschüttungen halten die erwartete Dividendenrendite bei guten 2,4 Prozent.

Deutlich bessere Geschäfte mit 5G-Chips machte zuletzt Qualcomm, einer der Weltmarktführer bei Mikroprozessoren für den Mobilfunkbereich. 2021 war der kalifornische Konzern der fünftgrößte Chip-Anbieter der Welt. Im Geschäftsjahr 2021/22 (Oktober bis September) steigerte Qualcomm seinen Umsatz zum Vorjahr um 32 Prozent auf 44,2 Milliarden Dollar. Vor allem Hauptprozessoren für Android-Handys wurden stark nachgefragt. Der Nettogewinn stieg um 43 Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar.

Nach schwachen Ergebnissen in 2017 und 2018 wächst das Unternehmen mittlerweile wieder kräftig, was sich auch im Aktienkurs widerspiegelt: Auf Sicht von fünf Jahren ist der Börsenwert trotz einiger Rücksetzer in 2022 um 112 Prozent gestiegen.

Qualcomm übernimmt für 4,5 Milliarden Dollar den schwedischen Autoteilehersteller Veoneer, um im strategisch wichtigen Automobilbereich stärker Fuß zu fassen. Für VW soll Qualcomm ab Mitte des Jahrzehnts Chips für autonome Fahrsysteme liefern. Außerdem verstärkt das Unternehmen seine Bemühungen, Intel Marktanteile bei Windows-PC-Chips abzujagen. Mit einem erwarteten KGV von 13 ist die Qualcomm-Aktie aktuell vergleichsweise günstig zu haben, dazu kommt nach einer Dividendenerhöhung im April eine attraktive Dividendenrendite von 2,4 Prozent.

Asien


TSMC ist globaler Technologieführer bei der Chip-Produktion. / Foto: TSMC

Chip-Entwickler, die keine eigene Fertigung haben (sogenannte Fabless-Unternehmen), lassen ihre Produkte bei Auftragsfertigern (Foundrys) herstellen. Der weltweit mit Abstand größte Auftragsfertiger ist Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent. Der taiwanesische Konzern beliefert viele in diesem Artikel vorgestellte Unternehmen, der wichtigste Kunde ist Apple.

Die derzeit effizientesten Chips mit einer Strukturbreite von fünf Nanometern stammen zu 80 Prozent aus Werken von TSMC. 2023 soll die Massenproduktion von Drei-Nanometer-Chips anlaufen, auch an der Fertigung von Chips mit einer Strukturbreite von einem Nanometer arbeitet TSMC bereits.

TSMC gilt als unangefochtener Technologieführer in der Chip-Produktion. In den nächsten Jahren will der Konzern mehrere neue Fabriken bauen, neben Taiwan auch in Japan und den USA. Eine Produktionsstätte für Chips der aktuellsten Generation kostet etwa 15 Milliarden Dollar.

Leisten kann sich das Unternehmen die Ausgaben. In den ersten drei Quartalen 2022 stieg der Umsatz zum Vorjahr um knapp 43 Prozent auf fast 56 Milliarden Dollar, der Nettogewinn legte um zwei Drittel auf 24,6 Milliarden Dollar zu. Die Nettogewinnmarge lag in den letzten fünf Jahren immer bei über 30 Prozent. Kostensteigerungen kann TSMC dank seiner herausragenden Marktposition über Preiserhöhungen an seine Kunden weitergeben. Die erwartete Dividendenrendite beträgt momentan 0,6 Prozent. Mit einer Marktkapitalisierung von 373 Milliarden Euro ist TSMC nach Nvidia das wertvollste Chip-Unternehmen der Welt.

Das größte Problem des Konzerns ist der chinesische Staat. China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und droht seit Jahren damit, die Armee einzusetzen, sollte sich Taiwan für unabhängig erklären. Wirtschaftlich käme Peking ein Einmarsch in Taiwan gelegen: Vor allem im Halbleiterbereich ist Taiwan China weit voraus, ein Unternehmen wie TSMC hätte für die chinesische Regierung einen hohen strategischen Wert. Weil die Gefahr einer gewaltsamen Annexion Taiwans nach Beginn des Ukraine-Kriegs gestiegen ist, hat die TSMC-Aktie auf Sicht von zwölf Monaten 31 Prozent verloren. Damit kostet sie aber immer noch doppelt so viel wie vor fünf Jahren und ist mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 60 zu teuer.

Der japanische Konzern Rohm Semiconductor ist breit aufgestellt. Er fertigt LEDs, LC-Displays, Wafer, dazu Chips, etwa für Autos, Audioanlagen und Datenspeicher. Zusammen mit Intel baut Rohm auch Prozessorsysteme. Nach zuvor vergleichsweise langsamem Wachstum hat Rohm im Geschäftsjahr 2021/22 (April bis März) kräftig zugelegt: Der Umsatz stieg um mehr als 25 Prozent auf umgerechnet 3,5 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn fiel mit 0,5 Milliarden Dollar sogar 80 Prozent höher aus als im Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2022/23 (April bis September) setzte sich das Wachstum fort: Der Umsatz legte um knapp 17 Prozent zu, der Nettogewinn um fast 70 Prozent.

Zwischen 2000 und 2012 verlor die Rohm-Aktie stark an Wert. Seitdem hat sie sich trotz einiger Rücksetzer solide entwickelt, ist allerdings wie viele japanische Aktien weit von den Wertsteigerungen amerikanischer oder europäischer Papiere entfernt. Mit einem erwarteten KGV von 15 ist die Aktie momentan nicht teuer. Eine Investment-Idee für Anlegerinnen und Anleger mit sehr langem Atem.

Europa


Chip-Produktion bei Infineon. / Foto: Unternehmen

1999 gliederte Siemens seine Halbleitersparte unter dem Namen Infineon aus und brachte sie an die Börse. Heute ist Infineon der größte Halbleiterhersteller Deutschlands und einer der zehn umsatzstärksten weltweit. Das meiste Geld verdient der Dax-Konzern aus Neubiberg bei München in den Bereichen Mobilität, Sensorik (etwa Chips für Mikrofone) und Industrieelektronik (und anderem für Windräder und Solaranlagen). Infineon betreibt Fabriken in Europa, den USA und Asien, bezieht aber auch Halbleiter etwa von Taiwan Semiconductor.

Nach einem vergleichsweise schwachen Geschäftsjahr 2020 konnte Infineon seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2021 (Oktober 2020 bis September 2021) um 29 Prozent steigern. Im Geschäftsjahr 2022 kletterte der Umsatz noch einmal um den gleichen Prozentsatz auf 14,2 Milliarden Euro. Der Nettogewinn stieg von 1,2 auf 2,2 Milliarden Euro. Für 2023 rechnet das Management mit etwa 15,5 Milliarden Euro Umsatz und einer zum Vorjahr unveränderten, um Sondereffekte bereinigten Bruttogewinnmarge von ungefähr 45 Prozent.

Die Dividende soll von 0,27 auf 0,32 Euro je Aktie angehoben werden. Die erwartete Dividendenrendite liegt damit bei 1,1 Prozent. Bis Ende 2023 will Infineon eigene Aktien im Wert von bis zu 9 Milliarden Euro zurückkaufen. Derzeit ist die Aktie nach Verlusten von 30 Prozent im Jahresvergleich mit einem erwarteten KGV von 18 nicht zu teuer für einen Einstieg.

Halbleiter für Sensoren, wie sie etwa in Beleuchtungsanlagen von Autos oder in Röntgengeräten verwendet werden, sind die Spezialität des österreichischen Konzerns ams. Die Unternehmenszentrale liegt in der Steiermark, produziert wird überwiegend in Südkorea, Singapur und auf den Philippinen. Für Anlegerinnen und Anleger sind die Investitionsrisiken gestiegen, seit ams 2020 nach turbulenten Verhandlungsmonaten den wirtschaftlich angeschlagenen Münchener Beleuchtungskonzern Osram Licht aufgekauft hat. Osram ist ein weit verzweigtes, traditionsreiches Unternehmen - entsprechend aufwendig ist die Integration in die neue Muttergesellschaft. Von 2019 bis 2021 ist der Gewinn bei ams um drei Viertel eingebrochen. ECOreporter rät derzeit von einem Einstieg in die Aktie ab - zu unklar sind die Aussichten des Unternehmens.

Chips von STMicroelectronics finden sich in Elektroautos, Waschmaschinen, Handys, elektrischen Zahnbürsten und vielen anderen Geräten. Der in den Niederlanden börsennotierte italienisch-französische Konzern hat ein großes Produktsortiment, der Schwerpunkt liegt auf dem Automobilsektor und dem sogenannten Internet der Dinge, also der Datenvernetzung von Gegenständen. STMicroelectronics fertigt überwiegend selbst, seine Werke befinden sich in Italien, Frankreich und mehreren asiatischen Ländern.

2021 setzte STMicroelectronics 12,8 Milliarden Euro um, ein Viertel mehr als 2020. Der Nettogewinn verdoppelte sich auf 2 Milliarden Euro. In den ersten drei Quartalen 2022 stieg der Umsatz weiter auf 11,7 Milliarden Euro (2021: 9,2 Milliarden Euro), der Nettogewinn verdoppelte sich auf 2,7 Milliarden Euro.

Die Verschuldung des Konzerns ist gering. Trotz einer guten Kursentwicklung seit 2019 ist die Aktie mit einem erwarteten KGV von 9 weiterhin attraktiv bewertet.

Ein mögliches Risiko: STMicroelectronics erzielt fast ein Viertel seiner Umsätze mit Chips für Apple, die Gewinnentwicklung ist daher abhängig von geschäftlichen Entscheidungen des Smartphone-Konzerns. Ein möglicher Pluspunkt: STMicroelectronics dürfte in den nächsten Jahren vom politischen Rückenwind für den Ausbau der europäischen Halbleiterindustrie profitieren. Der Konzern will in Frankreich eine gemeinsame Fabrik mit dem Chip-Fertiger Globalfoundries bauen und erhält knapp 300 Millionen Euro EU-Beihilfen für ein Wafer-Werk in Italien.

Fazit:

Die Chip-Industrie ist eine der Schlüsselbranchen der Digitalisierung und wird weiter deutlich wachsen. In den letzten Wochen haben viele Aktien nach teils erheblichen Kursrücksetzern wieder etwas zugelegt. Und die wirtschaftlichen Aussichten der Unternehmen bleiben gut - trotz Rohstoffengpässen, politischer Verwerfungen und der derzeitigen Absatzflaute im PC- und Smartphone-Sektor. Allerdings ist manche Aktie trotz des schwachen Börsenjahres 2022 immer noch zu teuer.

Positiv schätzt die Redaktion derzeit das Börsenpotenzial von Qualcomm, STMicroelectronics und Infineon ein. Wer etwas mehr Risiko eingehen möchte, kann sich die Aktien von Intel, Skyworks Solutions und Micron näher ansehen.

Den zweiten Teil des ECOreporter-Chip-Specials finden Sie hier.

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