Zentrale des KI-Chip-Herstellers Nvidia in Santa Clara. Der Konzern ist mittlerweile mehr als 2 Billionen Euro wert. / Foto: Nvidia

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien

Nachhaltige Halbleiter-Aktien: Bis 1.800 % Plus in fünf Jahren

Viele Chip-Konzerne haben zuletzt an Börsenwert gewonnen, die Halbleiterbranche erwartet 2024 einen neuen Umsatzrekord. Bei welchen Aktien kann sich aktuell der Einstieg lohnen? Welche Papiere sind zu teuer? Wo lauern Risiken? ECOreporter analysiert 15 besonders nachhaltige Halbleiter-Aktien.

Die Nachfrage nach Mikrochips ist so groß wie nie zuvor. Elektroautos, riesige Server-Farmen, vernetzte Fabriken, die Digitalisierung von immer mehr Lebensbereichen – für all das braucht es Halbleiter. Goldgräberstimmung herrscht in der Branche derzeit aber nicht. Denn in einigen Segmenten, etwa bei PC- und Smartphone-Chips, schwächelt die Nachfrage, weil die Gerätehersteller in den Corona-Jahren hohe Lagerbestände aufgebaut haben. Anderswo, beispielsweise bei Halbleitern für Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI), reichen die bestehenden Fabriken nicht aus, um den Bedarf zu decken. Und dann gibt es da noch den Tech-Handelskrieg zwischen China und den USA, Angriffe auf Frachter im Roten Meer, rückläufige Absatzzahlen bei Elektroautos, gestiegene Finanzierungskosten für neue Halbleiterfabriken – alles Sand im Getriebe der Chip-Industrie.

Dennoch wird die Halbleiterbranche weiter wachsen. Nach dem Rekordjahr 2022 schrumpfte der globale Markt 2023 laut dem US-Branchenverband Semiconductor Industry Association von 574 auf knapp 527 Milliarden Dollar. 2024 soll der Umsatz einen neuen Bestwert von fast 600 Milliarden Dollar erreichen. Und das Trendthema KI könnte die Umsätze noch weiter in die Höhe treiben. Das US-Analysehaus Grand View geht davon aus, dass der globale KI-Markt 2030 ein Volumen von 1,7 Billionen US-Dollar haben wird - das wäre zwölf Mal so viel wie 2022.
(ECOreporter hat sich hier einige nachhaltige KI-Aktien näher angesehen.)

Der KI-Hype ist derzeit auch der Haupttreiber an der Börse. Im Fahrwasser des Überfliegers Nvidia haben viele Halbleiter-Aktien in den letzten Monaten stark zugelegt, bei einigen hat sich der Wert auf lange Sicht vervielfacht. Die Folge: So manche Aktie ist derzeit sehr teuer. Aber es gibt weiterhin auch niedrig bewertete Papiere.

15 nachhaltige Chip-Aktien

ECOreporter hat 15 besonders nachhaltige, in Deutschland handelbare Halbleiter-Aktien herausgesucht. Fast alle sind in tiefgrünen Fonds vertreten, die nach sehr strengen Kriterien zusammengestellt werden. Und auch die Redaktion hat die Aktien eingehend auf ihre Nachhaltigkeit abgeklopft. Energieeffiziente Produkte und Fertigungsverfahren, hohe soziale Standards, umfassende Umweltschutzkonzepte, technische Innovationen – diese 15 Unternehmen helfen mit, das Digitalzeitalter so umweltschonend wie möglich zu gestalten.

Der erste Teil des Branchenüberblicks konzentriert sich, nach Weltregionen sortiert, auf Hersteller und Entwickler von Chips wie AMD, Nvidia, Intel oder Infineon. Im zweiten Teil, den wir morgen veröffentlichen werden, geht es um Spezialmaschinenbauer und Wafer-Produzenten.

Halbleiter – was ist das eigentlich?

Unter einem Halbleiter versteht man ein Material, das je nach Temperatur Strom leitet oder nicht, wobei die Leitfähigkeit mit der Temperatur steigt. Der wirtschaftlich wichtigste Halbleiter, das Halbmetall Silizium, wird aus Quarzsand gewonnen und ist nach Sauerstoff das chemische Element, das in der Erdkruste am häufigsten vorkommt. Der größte Teil des weltweit verwendeten Siliziums stammt aus China.

Hauchdünne Siliziumscheiben, sogenannte Wafer, können mittels Lackieren, Ätzen und Belichten so bearbeitet werden, dass dreidimensionale Strukturen entstehen, durch die Strom geleitet werden kann: Schaltkreise. Wafer sind der Grundbestandteil von Solarzellen und eines der wichtigsten Vorprodukte für die IT-Industrie. Denn wenn man Wafer in kleine Teile zersägt, erhält man Mikrochips, die Minigehirne aller digitalen Geräte. Weil diese Chips in erster Linie aus Silizium bestehen, werden sie oft genauso genannt wie ihr Ausgangsmaterial: Halbleiter.

Polysilizium-Hersteller für den Photovoltaik-Bereich wie Wacker Chemie analysiert ECOreporter regelmäßig in seinen Meldungen.

USA

Intel war jahrzehntelang der größte Chip-Konzern der Welt und dominiert auch heute noch gemeinsam mit dem südkoreanischen Mischkonzern Samsung Electronics den globalen Markt. Das US-Unternehmen, 1968 gegründet, gehört zu den Grundpfeilern des Silicon Valley und baute 1971 den weltweit ersten Mikroprozessor. In einigen Halbleiter-Segmenten hat Intel weiterhin einen Weltmarktanteil von mehr als 60 Prozent. Der Anteil am Gesamtmarkt, der bis 2020 bei etwa 15 Prozent lag, betrug 2023 allerdings nur noch etwa 9 Prozent. Intels Vormachtstellung bröckelt, weil andere Chip-Entwickler wie AMD technisch aufgeholt haben und Intel anders als etwa Nvidia bislang kaum Spezialchips für KI-Anwendungen anbietet. Zudem hat Intel in den letzten Jahren zu wenig High-End-Produktionsanlagen des Weltmarktführers ASML gekauft - ein großer strategischer Fehler, wie Konzernboss Pat Gelsinger mittlerweile einräumt. Ohne ASML-Anlagen lassen sich keine Chips der neuesten Generation herstellen, mit denen derzeit vor allem der weltweit führende Auftragsfertiger TSMC hohe Gewinne einfährt (siehe unten).


So soll die geplante Intel-Fabrik in Magdeburg aussehen. / Illustration: Intel

Seit 2022 laufen die Geschäfte bei Intel schlecht. 2023 sank der Umsatz noch einmal um 14 Prozent auf 54,2 Milliarden US-Dollar, der Jahresgewinn brach um 79 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar ein. Zum Vergleich: Nvidia erzielte im letzten Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 30 Milliarden Dollar. Intel leidet nicht nur unter den eigenen Fehlern, sondern auch unter der derzeit geringen Nachfrage nach PC-Chips und Standard-Halbleitern für Rechenzentren.

Konzernboss Gelsinger will nun verstärkt auf KI-Halbleiter und die Chip-Fertigung für andere Unternehmen setzen. Dazu braucht es jedoch neue Technologien und Fertigungsstätten. Alleine in den USA plant Intel, 100 Milliarden Dollar in neue Produktionskapazitäten zu investieren. Hinzu kommen mehrere Bauprojekte in Europa, unter anderem in Magdeburg. Bis sich diese Investitionen auszahlen, werden allerdings noch Jahre vergehen. Hinzu kommen Unsicherheiten im für Intel wichtigen chinesischen Markt: Der Konzern erzielte zuletzt 27 Prozent seiner Umsätze in dem Land. Marktbeobachter gehen davon aus, dass der weiter eskalierende Handelskrieg zwischen den USA und China den Gesamtumsatz von Intel um bis zu 5 Prozent drücken könnte.

Für die Aktie spricht, dass Intel im Unterschied zu vielen Konkurrenten über eigene Fertigungsanlagen verfügt und bei seinen aktuellen Bauvorhaben von hohen staatlichen Subventionen profitieren dürfte. ECOreporter sieht bei dem Konzern derzeit erhöhte Risiken, traut es dem  ECOreporter-Aktien-Favoriten aber zu, ab etwa 2027 wieder solide Gewinne zu erzielen. Nach hohen Kursverlusten zwischen 2020 und 2023 haben Investoren mittlerweile wieder etwas mehr Vertrauen gefasst: Im Jahresvergleich ist die Intel-Aktie 19 Prozent im Plus. Eine Investment-Idee für geduldige Anlegerinnen und Anleger.

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