Toyota lässt den E-Auto-Trend weitestgehend aus und setzt auf Wasserstoffantrieb wie beim Mirai (Foto). Auch die Anbieter des Aktienfonds GG Wasserstoff gehen davon aus, dass Wasserstoff die Zukunft gehört. / Foto: Toyota

  Fonds / ETF

GG Wasserstoff-Fonds – Investment in Boom oder Blase? (Interview)

Der GG Wasserstoff-Aktienfonds greift einen der derzeit größten Investment-Trends auf: Wasserstoffaktien. Wie gut sind die Renditeaussichten? Wie hoch die Risiken? Und was hat Warren Buffett mit dem Fonds zu tun? ECOreporter hat sich mit Fondsgründer Gerd Junker über sein „Riesenbaby“ unterhalten.

Der GG Wasserstoff ist noch sehr jung, die Grünes Geld Vermögensmanagement GmbH aus Aschaffenburg hat ihn erst am 15. Dezember 2020 gestartet. Der Fonds will in Wasserstoffunternehmen investieren und in Firmen, die die „Transformation zur Wasserstoffgesellschaft unterstützen“.

Im Bestand finden sich unter anderem Aktien von Ballard Power, Plug Power, SFC Energy, FuelCell und Nel, die in den letzten Monaten stark an Börsenwert gewonnen haben. Der GG Wasserstoff ist seit Jahresbeginn 18 Prozent im Plus und hat aktuell ein Volumen von 31,5 Millionen Euro (Stand 2.2.2021). Grünes Geld geht davon aus, dass die Jahreskosten der Tranche für Privatanlegerinnen und Privatanleger bei ungefähr 2,34 Prozent liegen werden.

Wie ECOreporter das Anlagethema Wasserstoff einschätzt, erfahren Sie im Dossier Von Ballard Power bis Linde: Das sind die besten Wasserstoff-Aktien.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Gerd Junker ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Grünes Geld GmbH, die seit 2007 nachhaltige Geldanlagen anbietet. Der Finanzfachwirt und Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Wasserstoff.


ECOreporter: Herr Junker, in den letzten Monaten sind die Kurse vieler Wasserstoffaktien förmlich explodiert. Warum sollten Anlegerinnen und Anleger ausgerechnet jetzt in einen Wasserstofffonds einsteigen? Ist die Gefahr nicht viel zu groß, dass da bald eine Blase platzt? Es wäre nicht die erste im Wasserstoffsektor.

Gerd Junker: Mit der Wasserstoffwirtschaft wurde letztes Jahr ein Riese geboren. Dieser Riese ist bei der Geburt 50 Zentimeter groß gewesen und jetzt auf 52 Zentimeter gewachsen. Natürlich wird es Menschen geben, die sagen, dass ihnen dieses Wachstum zu extrem sei und sie nicht mehr an den Riesen glauben. Ich bin eher bei den Zahlen der Beratungsgesellschaft McKinsey, und wenn ich denen folge, wird dieser Riese in den nächsten Jahrzehnten auf 50 Meter wachsen, hat also eine Verhundertfachung vor sich.

Wenn Sie jemand sind, der bei einem sechs Monate alten Baby lieber abwartet, statt an langfristiges Wachstum zu glauben, sollten Sie keinesfalls in den GG Wasserstoff investieren. Wenn Sie aber jemand sind, der unserem werdenden Riesen seine Zeit lässt, dann investieren Sie kräftig. Vielleicht über einen monatlichen Sparplan, damit nutzen Sie auch den Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt, Anm. d. Red.). Ob Sie jetzt einsteigen oder noch ein halbes Jahr oder zwei Jahre warten, ist in diesem Sinne weniger wichtig. Wir selbst haben jedenfalls viel Geld im GG Wasserstoff investiert.

Aber können Sie Menschen, die auf den Erhalt ihres angelegten Kapitals angewiesen sind und das Geld in fünf Jahren wieder brauchen, guten Gewissens dazu raten, in den Fonds zu investieren?

Der GG Wasserstoff richtet sich an langfristig orientierte Anleger. Wenn man die McKinsey-Zahlen zugrunde legt und damit einen Markt für grünen Wasserstoff von 2,5 Billionen US-Dollar jährlich annimmt, könnte sich die Marktkapitalisierung der Wasserstoffunternehmen auf lange Sicht verhundertfachen. Wer acht oder zehn Jahre im GG Wasserstoff ist, nimmt einen Teil dieses möglichen Anstiegs mit.

Es ist ein internationaler Aktienfonds, der zur Hälfte in die reinen Wasserstoffunternehmen, sogenannte Pure Player, investiert, zur anderen Hälfte in Unternehmen, die wichtig für die Transformation zur Wasserstoffwirtschaft sind. Besonders diese zweite Hälfte, in der viele gestandene Unternehmen mit hohen und gut planbaren Gewinnen zu finden sind, sorgt für ein gutes Maß an Sicherheit. Wer zehn Jahre dabeibleiben und den oben erwähnten Riesen bei seinem Wachstum begleiten kann, für den sollte dieser Fonds gut geeignet sein. Wer nur fünf Jahre Anlagehorizont hat, sollte ihn lediglich als Beimischung nehmen. Vielleicht 50 Prozent GG Wasserstoff und 50 Prozent Mikrofinanz, wer weiß? Das muss der Anleger zusammen mit seinem Berater entscheiden.


Wasserstoff-Elektrolyseur von Nel. Die Aktie des norwegischen Unternehmens ist im GG Wasserstoff vertreten. / Foto: Nel

ECOreporter schätzt das Anlagerisiko beim GG Wasserstoff auch deshalb als hoch ein, weil der Fonds in Aktien von nur ungefähr 35 Unternehmen investieren will.

Wenn Sie einem der größten Investoren aller Zeiten, Warren Buffett, Glauben schenken, sorgen bereits acht bis 15 Aktien für eine ausreichende Streuung. Wir haben mehr als die doppelte Anzahl im Fonds, sodass der Anleger an dieser Stelle absolut beruhigt sein kann.

Die meisten Wasserstoffunternehmen machen Verlust, einige schon seit vielen Jahren. Ab wann werden in der Wasserstoffbranche schwarze Zahlen geschrieben?

Das Jahr 2020 war das Wendejahr in der Wasserstoffbranche – der Riese wurde wirklich geboren. In der Politik, in der Wirtschaft und auch in der Bevölkerung wurde erkannt, dass viele Branchen ohne Wasserstoff den Weg zur Klimaneutralität nicht schaffen können. Die Wasserstoffwirtschaft steht heute da, wo das Online-Business vielleicht im Jahr 2000 stand: Man wusste, das wird auf jeden Fall kommen, und man wusste, dass in den nächsten Jahren der Markt verteilt wird. Das Beispiel Amazon zeigt, dass in solchen Phasen die Unternehmen investieren und wachsen müssen. Gewinne kommen dann später, aber sie kommen im Überfluss. Wichtiger in der aktuellen Phase ist, dass die Unternehmen ausreichend Liquidität haben. Das ist bei den Wasserstoffunternehmen der Fall.

Die Kurse vieler Wasserstoffaktien schwanken sehr stark. Wie oft überprüfen Sie, ob Sie Ihren Aktienbestand nachjustieren müssen?

Wir justieren das Portfolio börsentäglich nach. Wir müssen derzeit jeden Tag zwischen ein und zwei Millionen Euro neue Gelder anlegen, da muss man sich täglich intensiv mit den Titeln beschäftigen.

Nach welchen Nachhaltigkeitskriterien – abgesehen vom Thema Wasserstoff – wählen Sie Ihre Aktien aus? Gibt es Ausschlusskriterien?

Wir haben unser Unternehmen vor 20 Jahren gegründet und vor 14 Jahren zu einem Öko-Pionier in der Finanzbranche gemacht, was nicht zuletzt unser Name Grünes Geld aussagt. Das Ziel unseres Unternehmens ist es, Mensch und Natur zu dienen. Der Fonds ist bei sehr vielen unserer bisherigen Anleger im Depot. Entsprechend werden wir umstrittene Unternehmen, zum Beispiel aus der Rüstungsbranche, außen vor lassen. Auch auf Ölmultis wie BP verzichten wir, obwohl BP auch im Bereich Wasserstoff sehr aktiv ist.

Aber das klare Investmentziel des Fonds ist die Förderung der Transformation hin zur grünen Wasserstoffwirtschaft, und wenn sich in ein paar Jahren Unternehmen, die heute für uns tabu sind, als wesentlicher Treiber für grünen Wasserstoff erweisen, folgen wir dem Ziel des Fonds und investieren. Das wird immer ein Abwägen sein. Von ESG-Ratings sind wir im Übrigen nicht restlos überzeugt, zu unterschiedlich sind die Ergebnisse der verschiedenen Methoden. Auch unser Fonds wird geratet, bei MSCI mit einem tollen A, bei ISS mit einem nur durchschnittlichen C+. Bei solchen Unterschieden ist der Anleger nur verwirrt.

Wer führt das Nachhaltigkeits-Research für Ihren Fonds durch?

Die wichtigsten Beurteilungskriterien sind unser Know-how und das, was unsere in aller Regel sehr gut informierten Anleger uns spiegeln. Wer also wie unsere typischen Mandanten zwischen 40 und 70 Jahre alt ist und eine hohe Bildung besitzt, wird sich in unseren ethisch-ökologischen Einschätzungen wiederfinden. Wir orientieren uns zwar auch an den oben genannten Rating-Unternehmen und an weiteren Quellen, aber wir vermarkten den Fonds nicht als einen modischen ESG-Fonds. Das ist nicht die Nachhaltigkeit, wie wir sie verstehen. Der Fonds ist etwas für Menschen, die das Thema Wasserstoff als nachhaltig ansehen und sicher sein wollen, dass in grundsätzlich vertrauenswürdige Unternehmen investiert wird.

Herr Junker, wir danken Ihnen für Ihre Antworten!

GG Wasserstoff – R EUR ACC: ISIN DE000A2QDR59 / WKN A2QDR5

Verwandte Artikel

21.01.21
 >
14.01.21
 >
11.01.21
 >
07.01.21
 >
06.09.22
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x