Blockheizkraftwerk von Luana - energieeffizient, aber derzeit kein krisensicheres Investment. / Foto: Luana

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Luana Blockheizkraftwerke Deutschland 3 – Anlegern drohen Verluste (Interview)

Die Erdgaspreise sind in den letzten zwei Jahren massiv gestiegen. Das ist auch ein Problem für Blockheizkraftwerke (BHKW), die bislang meistens noch mit Erdgas betrieben werden und daher an Marktwert eingebüßt haben. Das betrifft auch die Anlegerinnen und Anleger, die sich vor rund sieben Jahren mit insgesamt 11 Millionen Euro an „Blockheizkraftwerke Deutschland 3“ (BHKW 3) von Luana Capital beteiligt haben. Die Beteiligungsgesellschaft hat ihnen nun den Verkauf der BHKW zu einem Preis vorgeschlagen, der für die Investoren einen Teilverlust ihres eingesetzten Kapitals bedeuten würde.

Zu den Hintergründen hat ECOreporter Marc Banasiak befragt. Er ist einer der zwei Luana-Gründer, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft BHKW 3 und Aufsichtsratsvorsitzender der Luana AG. Welche Optionen haben die Anlegerinnen und Anleger? Zudem erläutert Banasiak Probleme, die auch private Gaskunden betreffen.

Luana hat kürzlich ihre Leistungsbilanz 2021 veröffentlicht. Diese stellt die Entwicklung der bisherigen öffentlichen Beteiligungsangebote zum 31. Dezember 2021 dar (Redaktionsschluss 30. September 2022).

ECOreporter: Die Auszahlungen lagen laut Leistungsbilanz bei der Beteiligung BHKW 3 schon vor diesem Jahr unter der Prognose: Insgesamt 79 Prozent waren bis 2021 geplant, tatsächlich wurden nur 39 Prozent bis 2021 ausgezahlt. Was sind die Gründe dafür?

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Marc Banasiak: Während der Laufzeit hatten sich leider mehrere Risiken realisiert. Zum Beispiel hatte sich die Errichtung von fünf wohnwirtschaftlichen Neubauten bauseitig deutlich verzögert, und letztlich ist vor allem ein Kooperationspartner für sechs Standorte in die Insolvenz gegangen. Die Projekte wurden dann an die Hausverwaltung veräußert. Das hat sich leider negativ auf die Performance und damit auch die möglichen Ausschüttungen ausgewirkt.

Nun wurden die Kommanditistinnen und Kommanditisten der Beteiligung BHKW 3 aufgefordert, über den Verkauf der 19 BHKWs an eine Luana-Gesellschaft abzustimmen. Der zur Abstimmung vorgelegte Verkaufspreis entspricht nach Ihren Angaben 24,5 Prozent der Kommanditeinlage. In dem Fall fällt die Schlussausschüttung deutlich geringer aus als im Prospekt prognostiziert. Wodurch verringert sich der Verkaufspreis?


Marc Banasiak ist Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft BHKW 3. / Foto: Luana

Hinsichtlich des Investorenmarktes für rein erdgasbetriebene Energiezentralen nimmt das Interesse mittlerweile überproportional ab, da Erdgas im Zuge des Krieges in der Ukraine nicht mehr als klimafreundliches oder grünes Investment gesehen wird. Das sah am 2. Februar dieses Jahres noch anderes aus. An diesem Tag wurde Erdgas durch die EU-Kommission als grüne Energie klassifiziert. Auch wenn Deutschland sich dafür stark gemacht hatte, soll nun die Energieversorgung möglichst unabhängig hiervon sein, und neue Bauprojekte werden, wenn möglich, gänzlich ohne Erdgasanschluss ausgeschrieben.

Wir haben als Geschäftsführung die Anlegerinnen und Anleger von BHKW 3 in zwei Schreiben im Mai und Juni diesen Jahres über die jeweils aktuelle Situation und die Folgen für die Beteiligungsgesellschaft unterrichtet und im Geschäftsbericht im August die erheblich gestiegenen Risiken verdeutlicht.

Laut Prospekt war vorgesehen, die BHKW nach rund sechs Jahren Laufzeit voraussichtlich zum Jahresende 2021 zu veräußern. Warum ist der Verkauf 2021 nicht erfolgt? Wäre zu dem Zeitpunkt noch ein höherer Verkaufspreis zu erzielen gewesen?

Es gab einen Vorratsbeschluss im Rahmen der außerordentlichen Gesellschafterversammlung vom 10. Dezember 2021. Dort ist mit qualifizierter Mehrheit für die Veräußerung aller Blockheizkraftwerke und des gesamten Gesellschaftsvermögens der Beteiligungsgesellschaft sowie die Liquidation zu einem Mindestrückfluss von 110 Prozent in Bezug auf das gezeichnete Kommanditkapital gestimmt worden. Ein entsprechender Beschluss ist die Grundlage sämtlicher Verkaufsverhandlungen.

Hinsichtlich der Verkaufsbemühungen hat die Geschäftsführung der Beteiligungsgesellschaft Sondierungsgespräche mit einer zweistelligen Anzahl von in der Mehrzahl reinen Finanzinvestoren geführt, von denen sich zwei, die aber ebenfalls im Energiegeschäft tätig sind, als aussichtsreichste Kandidaten herauskristallisiert hatten.

Der EU-Beschluss Anfang Februar 2022 war für den eingeleiteten Verkaufsprozess der Beteiligungsgesellschaft zunächst eine positive Nachricht, da institutionelle Investoren sich verstärkt an ESG-konformen Investitionen orientieren. Bereits Ende desselben Monats, am 24. Februar 2022, hat sich die Situation allerdings ins Gegenteil verkehrt: Mit dem Krieg in der Ukraine, den politischen Sanktionen gegen Russland, dem Lieferstopp und den dann eingetretenen Preissprüngen bei Erdgas sowie dem Ausrufen der Alarmstufe für den Notfallplan Gas sind diese Investoren schlagartig weggebrochen.

Theoretisch wäre im letzten Jahr oder zu Jahresanfang wohl noch ein höherer Preis möglich gewesen. Die Entwicklung in 2022 hat alle überrascht. Der Blick in die Zukunft stimmt wenig optimistisch.

Im Lagebericht zum Jahresabschluss 2021 der Emittentin LCF Blockheizkraftwerke Deutschland 3 GmbH & Co. KG steht: „Preisschwankungen werden über bestehende Preisgleitklauseln an Kunden weitergegeben, wodurch nach derzeitigem Stand keine negativen Auswirkungen auf die Ertragslage erwartet werden.“ Zudem wird im Prospekt von 2015 ausgeführt, dass die „betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von BHKW bei 10 Jahren liegt und Energielieferverträge mit Endkunden ebenfalls für mindestens 10 Jahre abgeschlossen werden“.  Wäre es daher nicht eine wirtschaftlich sinnvolle Option aus Sicht der Kommanditisten, die Beteiligung „Blockheizkraftwerke Deutschland 3“ noch einige Jahre weiterlaufen zu lassen?

Über die Preisgleitklauseln können Steigerungen der Erdgaspreise an die Endkunden weitergegeben werden. Hierbei sind aber mehrere Punkte zu berücksichtigen:

Auch wenn unsere Preise noch gesichert sind, hätten wir bei einem Ausfall des Gasversorgers oder Weitergabe von Preissteigerungen aktuell schnell verzehnfachte Einkaufspreise für Erdgas. Daraus resultieren grundsätzlich Liquiditätsrisiken, denn wir müssen beim Gaseinkauf ja erst mal in Vorleistung gehen. Zudem besteht das Risiko, dass Endkunden die hohen Preise irgendwann nicht mehr bezahlen können und die Beteiligungsgesellschaft dann Zahlungsausfälle verkraften muss.

Die Anpassungen der Abschläge können teilweise erst mit Erstellung der Gesamtrechnung im Folgejahr angepasst werden. Das war früher eher unkritisch, weil die Schwankungen nicht in dieser Dimension vorlagen. Jetzt nicht mehr. Die Gasumlage wurde zwar wieder zurückgenommen, aber die drei anderen Umlagen Speicherumlage, Bilanzierungsumlage und Konvertierungsumlage sind seit Oktober zu zahlen. Hier allein entstehen uns in der Beteiligungsgesellschaft noch in 2022 erhöhte Kosten im sechsstelligen Bereich. Wenn die aktuell geplanten Entlastungen vom Staat nicht rechtzeitig kommen, sehe ich hinsichtlich der Liquidität erhebliche Schwierigkeiten für die Beteiligungsgesellschaft.

Wie sehen Sie insgesamt die aktuelle Situation und die Perspektiven am Gasmarkt und für BHKW?

Im Moment befinden wir uns im Ergebnis leider in einer Phase großer Unsicherheit. Der Staat ist in der Verpflichtung, verbindliche Regeln zu schaffen, unter denen die Akteure mit einem gewissen Maß an Sicherheit planen können. Eine Pressekonferenz und ein Beschluss ohne Durchführungsverordnung reichen da lange nicht. Es kommt meines Erachtens auch deutlich zu spät. Die Entwicklungen waren frühzeitig absehbar.

Ich gehe nach wie vor davon aus, dass es zukünftig möglich sein muss, dass wir in Deutschland mit einer erprobten Technologie arbeiten, die sich aufgrund der hohen Effizienz wirtschaftlich betreiben lässt. Wir gehen jedoch davon aus, dass die durchschnittlichen Gaseinkaufspreise erhöht bleiben, die Verkaufspreise für Wärme und Strom sich ebenfalls korrespondierend auf einem erhöhten Niveau einpendeln werden und der Einsatz von Blockheizkraftwerken als Brückentechnologie dann weiterhin wirtschaftlich sinnvoll und darstellbar sein wird. Ansonsten würde es wahrscheinlicher, dass das Energieversorgungssystem in Deutschland kollabiert.

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