Dirk Kannacher (GLS Bank): "Der Insolvenzverwalter ist bemüht, eine Sanierung des Unternehmens zu erreichen." / Foto: GLS Bank

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MindTags ist insolvent – was geschieht mit dem Geld der Crowd-Anleger?

Die MindTags GmbH hat über ein Crowd-Investment 400.000 Euro von Anlegern eingesammelt. Jetzt ist bei dem Berliner Unternehmen das Insolvenzverfahren eingeleitet worden. ECOreporter hat dazu ein Interview mit GLS Bank-Vorstand Dirk Kannacher geführt.

MindTags hat eine integrative Smartphone-App für Menschen mit körperlichen Einschränkungen entwickelt. Die App hilft ihren Nutzern dabei, sich in Museen, öffentlichen Gebäuden und Freizeitparks zurechtzufinden.

Mit den Einnahmen aus dem Crowd-Investment, das über das Portal GLS Crowd angeboten wurde, sollten weitere Orte an das Informationssystem der MindTags-App angeschlossen werden.

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Am 4. Juli bestellte das Amtsgericht Charlottenburg den Rechtsanwalt Christian Graf Brockdorff von der Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff zum vorläufigen Insolvenzverwalter für die MindTags GmbH. Über die Gründe für die Insolvenz ist bislang nichts bekannt. Nach Auskunft der Kanzlei BBL ist Insolvenzverwalter Brockdorff zuversichtlich, dass das Unternehmen weitergeführt werden kann.

Ob das Geld aus dem Crowd-Investment zurückgezahlt werden kann, ist derzeit noch unklar. Da die Anleger sich über ein Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt an dem Projekt beteiligt haben, werden ihre Ansprüche erst nach denen der anderen Gläubiger bedient. Ein Teil- oder Totalverlust des investierten Geldes ist möglich.

Interview mit Dirk Kannacher

ECOreporter hat Dirk Kannacher, Vorstandsmitglied der GLS Bank, zu der Insolvenz von MindTags befragt. Die Bochumer GLS Bank schlägt der Plattform GLS Crowd die Crowd-Projekte vor.

Herr Kannacher, wie bewerten Sie die Insolvenz der MindTags GmbH?

Dirk Kannacher: Mit MindTags waren und sind die Kolleginnen und Kollegen der GLS Crowd sehr intensiv im Austausch. MindTags ist zwar kein Startup im klassischen Sinne, dennoch ein junges Unternehmen in einer  frühen Phase seiner Entwicklung. Dabei sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Die zur Verfügung stehende Technik ist marktreif und bereits an verschiedenen Stellen im Einsatz. Das Team hat fachlich und persönlich überzeugt. Faktisch muss durch eine Skalierbarkeit eine ökonomische Tragfähigkeit erreicht werden. Ob dies gelingt, kann allerdings nicht im Vorhinein beantwortet werden. Im Verlauf kann es manchmal notwendig sein, dass weitere Finanzierungsrunden erfolgen müssen. Um diese hat sich MindTags früh bemüht, allerdings konnten in der letzten Phase keine weiteren Mittel mehr eingeworben werden. Aktuell analysiert der eingesetzte Insolvenzverwalter die Lage und ist bemüht, eine Sanierung des Unternehmens zu erreichen.

Wie sehen Sie grundsätzlich das Risiko von Crowd-Angeboten? Was sollten Anleger wissen, damit sie das Thema Nachrangdarlehen richtig einschätzen können? Muss man vielleicht noch genauer und deutlicher über die Risiken informieren?

Diese Fragen haben wir uns als Bank, die die Projekte auswählt und der GLS Crowd zur Vermittlung vorschlägt, von Beginn an immer wieder gestellt, und auch unsere Kundenumfrage haben wir darauf ausgerichtet. Dazu gab es verschiedenste Rückmeldungen. Unter anderem haben uns Anleger gesagt, dass sie die Frage nicht verstehen und es für sie selbstverständlich ist, dass mit dieser Form des Investments Risiken verbunden sind. Es ist aber ein Unterschied, theoretisch über Verluste zu lesen und informiert zu werden, und dann tatsächlich in die Situation zu kommen, Geld zu verlieren.

Bei der Finanzierungsform der Nachrangdarlehen handelt es sich um ein Risikoinvestment mit eigenkapitalähnlicher Qualität. Diese Form von Kapital ist erforderlich, um Weiterentwicklung und Innovation unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Kriterien zu ermöglichen. Bei allen bisherigen Investments haben wir im Nachgang keine Fakten gefunden, die wir bei der Auswahl der Projekte anders bewertet hätten. Letztendlich müssen wir auch ein Stück darauf vertrauen, dass die Anlegerinnen und Anleger ihre Entscheidungen bewusst treffen und die Höhe ihres Investments angemessen zum Risiko wählen.

Herr Kannacher, wir danken Ihnen für die Antworten!

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