Anleger hatten zuletzt nur wenig Freude mit Aktieninvestments, die Kurse fielen. / Foto: Pixabay

02.11.18 Aktientipps , Aktien-Favoriten

Nach turbulenten Börsenwochen: Dividendenkönige jetzt kaufen, verkaufen oder halten?

Konnten die Dividendenkönige in den vergangenen Wochen den starken Marktschwankungen Stand halten? Wie haben sie in den letzten drei Monaten abgeschnitten? Wo gab es Ausreißer – nach oben und nach unten? Wir haben für Sie die ECOreporter-Favoriten-Aktien aus der Reihe Dividendenkönige genauer unter die Lupe genommen.

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Seit Ende August 2018 konnten insbesondere Unternehmen aus den USA und der Konsumgüterbranche im Kurs zulegen.

Die Aktie von Procter & Gamble ist in den letzten drei Monaten um mehr als 11 Prozent gestiegen (siehe Kurstabelle unten). Die Dividendenrendite des Unternehmens beträgt unter Berücksichtigung der zuletzt gezahlten Dividende für 2017 und des aktuellen Kurses 3,1 Prozent. Das aktuelle (1.11.) Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 24,2. Zum Vergleich: Der US-amerikanische Aktienindex S&P 500 verlor in den vergangenen drei Monaten 4 Prozent.

Linde und Johnson & Johnson besser als der Markt

Gut entwickelten sich auch die Aktien von Linde, Spezialist für Industriegase, und Johnson & Johnson, weltweit größter Anbieter von Medikamenten und Drogerieartikeln. Die Linde-Aktie stieg innerhalb von drei Monaten um 6,6 Prozent auf 190,80 Euro (der deutsche Leitindex DAX verlor in den vergangenen drei Monaten 9 Prozent).

Die Linde-Dividendenrendite liegt derzeit bei 3,7 Prozent, das KGV bei 24,7. Linde meldete letzte Woche die Zusammenlegung der Industriegasekonzerne Linde AG und Praxair Inc. Seit Montag, 29.10., debütiert die neue Gesellschaft Linde plc am Frankfurter Aktienmarkt.

Die Johnson & Johnson-Aktie legte im letzten Vierteljahr um 5,6 Prozent auf 140,82 US-Dollar (umgerechnet etwa 123 Euro) zu. Johnson & Johnson hat eine Dividendenrendite von aktuell 2,4 Prozent, das KGV beträgt 292,7.

Nur wenige Dividendenkönige mit Kursgewinnen

Gewinn weist in den letzten drei Monaten auch die Aktie von Cisco Systems, Netzwerkspezialist für das Internet, auf. Die Cisco Systems-Aktie stieg innerhalb von drei Monaten um 5 Prozent auf 45,65 US-Dollar (umgerechnet fast 40 Euro).

Auf Sicht von einem Jahr gehört die Cisco-Aktie zu den Gewinnern der Dividendenkönige. Um fast 32 Prozent legte die Aktie im betrachteten Zeitraum zu. Die Cisco Systems-Dividendenrendite liegt derzeit bei 2,5 Prozent, das KGV bei 23,1.

Liebling der Dividendenkönige SAP: Abgeschlagen auf Rang neun im Kursranking

SAP AG, Spezialist für Unternehmenssoftware mit Sitz im baden-württembergischen Walldorf, belegt mit einer Kursentwicklung von minus 7 Prozent innerhalb der letzten drei Monate den neunten Platz (von insgesamt 15 Unternehmen) im Kursranking der Dividendenkönige.

SAP gehörte in der Vergangenheit immer zu den Top-Performern bei den Dividendenkönigen. Investoren kauften zuletzt Aktien von Technologieunternehmen für ihre Portfolios zu, davon profitierte auch die SAP-Aktie. Aktuell (2.11., 9:30 Uhr) liegt der Kurs bei 93,46 Euro im Xetra-Handel (Dividendenrendite: 1,5 Prozent, KGV: 27,6).

Anleger ziehen die Reißleine und nehmen Gewinne mit

Die Aktienkurse sind zuletzt auf breiter Front gefallen. Zum einen will das EU-Mitglied Italien seine Schulden für 2019 entgegen der EU-Vereinbarung deutlich erhöhen: Das Land ist bereits hoch verschuldet, dennoch plant Italien auch im kommenden Jahr eine Neuverschuldung von 2,4 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). 2017 lag die Staatsverschuldung bei 131 Prozent des BIP. Das weckt Sorge bei Anlegern von europäischen Unternehmen.

Und auch der weiter anhaltende Handelskrieg zwischen China, der EU und den USA sorgt für Unruhe an den weltweiten Aktienmärkten. Es ist nicht absehbar, wann es im Handelsstreit zu einer langfristigen und verbindlichen Einigung kommt.

Ein weiterer Grund für den letzten Ausverkauf an der Aktienmärkten sind die gestiegenen Renditen für 30-jährige US-Staatsanleihen: Anleger bekommen 3,3 Prozent Ausschüttungsrendite pro Jahr. Und das bei hoher Bonität des Schuldners. Die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) bewertete zuletzt (21.10.2018) die USA mit einer Bonität von AA+ (zuverlässiger und stabiler Schuldner).

Im internationalen Vergleich sind die USA mit rund 50 Prozent des gesamten Umlaufvolumens an Staatsanleihen der weltweit wichtigste Emittent. Investoren zogen sich daher zuletzt aus risikobehafteten Aktieninvestments zurück und wechselten in weniger risikoreiche Anlagen wie beispielsweise US-Staatsanleihen.

Trotz Kursrückgängen: US-Steuerreform bringt nach wie vor Wachstumsschub

Procter & Gamble, Johnson & Johnson und Cisco Systems profitieren nach wie vor von der von US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf angeregten und seit 1. Januar 2018 geltenden Steuerreform. Alle drei Unternehmen sind überwiegend im US-Markt aktiv, dort erzielen sie ihre höchsten Umsätze.

Teilweise zweistellige Kursrückgänge auf Dreimonatssicht bei Dividendenkönigen

Weit weniger gut entwickelten sich die Kurse des französischen Immobilienkonzerns Unibail-​Rodamco-​Westfield (ehemals Unibail-Rodamco), des Münchener Technologiekonzerns Siemens (Kraftwerks- und Medizintechnik, Schienenfahrzeuge) und des Medizintechnikkonzerns Fresenius.  

Unibail-Rodamco-Westfield kämpft immer noch mit der Integration des 2017 übernommenen australischen Immobilienkonzerns Westfield. Aktien von Unibail-Rodamco-Westfield verloren in drei Monaten mehr als 14 Prozent im Kurs. Die Dividendenrendite ist mit 6,8 Prozent die aktuell höchste aller ECOreporter-Favoriten-Aktien. Und das KGV ist mit 6,1 sehr gering. Die Aktie von Unibail-Rodamco-Westfield notiert aktuell (2.11., 9:30 Uhr) bei 160,55 Euro.

Siemens arbeitet weiterhin an einem Sparprogramm und weiteren Umbauschritten für die Zeit nach 2020. Trotz Milliardengewinnen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 hatte Konzern-Chef Joe Kaeser "Kapazitätsanpassungen und schmerzhafte Einschnitte" angekündigt, vor allem in der Kraftwerkssparte Power and Gas. Die Siemens-Aktie verlor in den vergangenen drei Monaten mehr als 15 Prozent und notiert bei 101,66 Euro (Xetra-Kurs, 2.11.).

Die Dividendenrendite von Siemens beträgt enorme 3,7 Prozent (Dividende für 2017, aktueller Kurs). Das aktuelle KGV liegt bei fairen 13,8.

Einen deutlichen Kursrücksetzer musste die Aktie von Fresenius (minus 15,3 Prozent) hinnehmen. Fresenius gab erst Mitte Oktober bekannt, seine Jahresziele für 2018 nach unten zu korrigieren. Auslöser ist das schwächelnde Geschäft der Konzerntochter Fresenius Medical Care (FMC). FMC hat momentan mit rückläufigen Umsätzen bei Gesundheitsdienstleistungen in Nordamerika und mit schwierigen Rahmenbedingungen in den wichtigen und zukunftsträchtigen Schwellenländern zu kämpfen.

Fresenius verlor in den vergangenen drei Monaten mehr als 15 Prozent und notiert bei 56,50 Euro (Xetra-Kurs, 2.11.). Die Dividendenrendite beträgt 1,3 Prozent (Dividende für 2017, aktueller Kurs), das aktuelle KGV liegt bei attraktiven 17,3.

Unternehmen breit aufgestellt

Die nachhaltigen ECOreporter-Dividendenkönige und Value-Unternehmen wie beispielsweise Siemens und Fresenius sind sehr breit aufgestellt und können schwache Marktphasen gut kompensieren. Beide Unternehmen verfolgen eine globale Strategie. Aktien dieser Branche bleiben weiterhin interessant: Es sind Giganten mit nach wie vor hohen Margen, einem umfangreichen und breiten Produkt- und Dienstleistungsportfolio, enormer Dominanz am Markt und in den aufstrebenden Schwellenländern. Unibail-Rodamco-Westfield, Siemens und Fresenius können von der Aktienkursentwicklung her nicht überzeugen. Aber die Dividendenrenditen und das KGV sind bei allen drei Unternehmen so hoch, dass sich für Neueinsteiger der Aufbau einer kleinen Position derzeit lohnen kann.

Die Dividendenkönige sind Teil der Reihe ECOreporter-Favoriten-Aktien. Zu den ausführlichen Unternehmensportraits gelangen Sie hier.

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