Finanzprodukte dürfen gerne grün aussehen - wie nachhaltig sie tatsächlich sind, ist oft nur schwer zu erkennen. / Foto: Pixabay

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Nachhaltige Finanzen: Viel Lobbyarbeit gegen strenge EU-Taxonomie

Fast jede Bank, fast jeder Versicherer wirbt derzeit mit "nachhaltigen“ Produkten. Hinter den Kulissen scheinen sich aber viele Unternehmen und Verbände der Finanzbranche gegen strenge Nachhaltigkeitsstandards auf EU-Ebene auszusprechen.

Die EU möchte ein einheitliches Klassifizierungssystem für nachhaltige Finanzen einrichten, die sogenannte EU-Taxonomie. Es sollen Kriterien festgelegt werden, nach denen Wirtschaftsaktivitäten, Investitionen und Finanzprodukte als nachhaltig gekennzeichnet werden dürfen. Eine anspruchsvolle Taxonomie könnte verhindern, dass – wie aktuell oft zu beobachten – Finanzprodukte als nachhaltig angepriesen werden, obwohl sie es bei genauem Hinschauen nicht sind.

Derzeit befindet sich die Nachhaltigkeits-Taxonomie in den abschließenden Verhandlungen zwischen Europäischem Rat, EU-Kommission und EU-Parlament. Einer neuen Studie der britischen Nichtregierungsorganisation InfluenceMap zufolge versuchen zahlreiche Finanzinstitute und Wirtschaftsverbände, durch Lobbyarbeit eine anspruchsvolle Taxonomie zu verhindern.

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InfluenceMap hat die Lobby-Bemühungen von 50 Finanzinstitutionen und 22 Wirtschaftsverbänden zur EU-Taxonomie seit 2017 untersucht. "Unsere Analysen zeigen, wie versucht wird, den wichtigen Taxonomie-Prozess so zu verändern, dass Eigeninteressen und der Status quo im Finanzwesen gewahrt bleiben“, fasst Ed Collins, der Hauptautor der Studie, die Ergebnisse zusammen.

Laut InfluenceMap haben sich nur wenige Finanzinstitute aktiv für eine anspruchsvolle Taxonomie ausgesprochen, darunter Aviva, Group BPCE, BNP Paribas, AXA, Allianz und HSBC. 37 der 50 untersuchten Finanzunternehmen hätten sich nicht oder nur eingeschränkt für anspruchsvolle EU-Nachhaltigkeitsstandards eingesetzt. Und selbst die meisten Positivbeispiele seien Mitglieder in Branchenverbänden, die eine laxere Taxonomie propagierten. Vereinigungen wie Association for Financial Markets in Europe (AFME), die Europäische Bankenvereinigung (EBF), European Fund and Asset Management Association (EFAMA) und EuropeanIssuers haben sich der Studie zufolge in den letzten Jahren für niedrige Nachhaltigkeitsstandards stark gemacht. 49 der 50 analysierten Finanzinstitute sind InfluenceMap zufolge in mindestens einer dieser Vereinigungen vertreten.

Außerdem sollen Interessenverbände der Gasindustrie wie Eurogas, GasNaturally und FuelsEurope versucht haben, die Verbrennung von Erdgas in der EU-Taxonomie als umweltfreundlich klassifizieren zu lassen.

Die komplette (englischsprachige) Studie von InfluenceMap kann unter influencemap.org/site/data/000/434/IM_Taxonomy_Dec2019.pdf heruntergeladen werden.

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