Mit Mikrokrediten können sich Kleinstunternehmer in den ärmeren Gegenden der Welt eine Existenz aufbauen. / Foto: Pixabay, CC0-Lizenz

20.11.19 Finanzdienstleister , Fonds / ETF , Gut erklärt - Mikrofinanzen

Nachhaltige Geldanlage: Zwei Mikrofinanzfonds im Test

Mit Geld Gutes tun, weit weg von Börsenturbulenzen? Und eine solide Rendite erhalten? Das geht: mit Mikrofinanzfonds. Zwei dieser Fonds treten im ECOreporter-Test gegeneinander an.

2011 erhielt das Ehepaar Nert aus der vietnamesischen Provinz Prey Veng seinen ersten Mikrokredit – 125 US-Dollar. Mit dem Geld kauften die Nerts Reis und Ferkel, bauten sich eine Existenz als Landwirte auf. Als der erste Kredit zurückgezahlt war, nahmen sie einen zweiten auf. Neben ihrem Bauernhof errichteten sie einen kleinen Shop, in dem Handy-Akkus aufgeladen werden können. Mittlerweile ist daraus ein erfolgreicher Lebensmittelladen geworden, und das Einkommen der Eheleute reicht aus, um ihren Kindern eine Ausbildung zu finanzieren.

Wie den Nerts gelingt es vielen Kleinstunternehmern in ärmeren Weltgegenden, sich mit Mikrokrediten aus der Armut herauszuarbeiten. Das Kapital für diese Kredite sammeln Mikrofinanzfonds ein. Diese Fonds gelten als vergleichsweise sichere Anlageform. Das liegt auch an dem Weg, den das Geld nimmt: Zunächst verleiht der Mikrofinanzfonds das Geld an sogenannte Mikrofinanz-Dachorganisationen. Diese wiederum vergeben es an Mikrofinanzbanken vor Ort in den Zielländern. Die Mitarbeiter dieser Banken bringen das Geld zu den Kunden. Manchmal fahren sie dazu mit dem Moped durch den Dschungel. Auf dieselbe Art holen sie dann später Zinsen und Rückzahlungen ab.

Weil ein Mikrofinanzfonds in der Regel mit Dutzenden von Mikrofinanzinstituten zusammenarbeitet, verteilen sich die Risiken. Hin und wieder gerät zwar eine Mikrofinanzbank in Schwierigkeiten. Insgesamt haben sich die Mikrofinanzfonds in den letzten Jahren jedoch als sehr solide erwiesen – auch wegen der extrem guten Rückzahlungsmoral der Kreditnehmer. Schließlich ist ein Mikrokredit für viele Menschen, die sonst nie eine Bank betreten würden, eine oft einmalige Chance, sich eine Existenz aufzubauen.

Das Anlegerinteresse ist groß

Zwei Mikrofinanzfonds treten im Test gegeneinander an. Der 2011 aufgelegte IIV Mikrofinanzfonds war lange der einzige in Deutschland zum Vertrieb zugelassene Mikrofinanzfonds. IIV ist keine römische Ziffernfolge, die Buchstaben stehen für "Invest in Visions“. Edda Schröder hat den Fonds gegründet und leitet die Invest in Visions GmbH aus Frankfurt. Zweiter Testfonds ist der KCD Mikrofinanzfonds – III. KCD steht für Kirche – Caritas – Diakonie. Die Bank im Bistum Essen (BiB) startete den Fonds 2015. Die katholische Kirchenbank investiert selbst seit vielen Jahren im Bereich Mikrofinanz.

Beide Fonds stoßen auf starkes Anlegerinteresse. Von Juni 2017 bis September 2019 ist das Volumen des IIV Mikrofinanzfonds von 415 auf 732 Millionen Euro gestiegen. Der KCD Mikrofinanzfonds – III wuchs im gleichen Zeitraum von 56 auf 90 Millionen Euro.

Stabile Wertentwicklung

Beim IIV Mikrofinanzfonds betrug der Wertzuwachs von Oktober 2018 bis Oktober 2019 1,1 Prozent. Der KCD Mikrofinanzfonds – III legte in diesem Zeitraum um 2,4 Prozent zu. Ein gutes Ergebnis, denn seit 2018 erreicht kaum noch ein Mikrofinanzfonds die früher üblichen Wertsteigerungen von jährlich 2 bis 3 Prozent. Das Zinsniveau ist in vielen Ländern gesunken, zudem drängen immer mehr Anbieter in den Mikrofinanzsektor. Vom gestiegenen Wettbewerbsdruck profitieren vor allem die Kreditnehmer: Sie erhalten ihre Darlehen zu günstigeren Konditionen.

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