Die grünen Banken gehen unterschiedliche Wege bei der Abführung der neuen Abgeltungssteuer auf Fonds. / Foto: UmweltBank

21.12.18 Meldungen , Finanzdienstleister , Fonds / ETF

Neue Abgeltungssteuer: Was ändert sich 2019 für Fonds?

Anfang 2019 werden Depotbanken erstmals die nach einem neuen System berechnete Abgeltungssteuer für die Fonds ihrer Kunden abführen. Bei Fonds, die keine Dividenden ausschütten, holen sich die Banken die Steuer direkt von den Anlegern. ECOreporter erläutert, was Sie als Fondsbesitzer jetzt beachten sollten.

Seit 1. Januar 2018 werden in Deutschland alle Aktien- und Mischfonds nach dem gleichen Schema besteuert. Anders als in der Vergangenheit ist es egal, ob ein Fonds im In- oder Ausland ansässig ist, aktiv oder passiv (ETF) gemanagt wird und seine Aktiendividenden an die Anleger ausschüttet oder in neue Fondsanteile investiert (thesauriert). Als Besteuerungsgrundlage gilt bei allen Fonds die sogenannte jährliche Vorabpauschale.

Die Berechnung der Abgeltungssteuer

Zur Ermittlung der Vorabpauschale werden 70 Prozent des Werts der Fondsanteile mit einem an die Renditen von Bundeswertpapieren gekoppelten Basiszins multipliziert. Aktuell beträgt dieser Basiszins 0,57 Prozent.

Bei thesaurierenden Aktienfonds führt die Depotbank die Abgeltungssteuer (in der Regel 26,375 Prozent inklusive Solidaritätszuschlag) auf 70 Prozent der Vorabpauschale ans Finanzamt ab. Schüttet der Fonds Dividenden aus, wird letztlich die gleiche Summe abgeführt, da die Dividenden und die um die Dividenden gekürzte Vorabpauschale gleichermaßen mit Abgeltungssteuer belegt werden.

Einige Banken verkaufen Fondsanteile

Die neue Steuerregelung soll Banken, Anlegern und Finanzämtern die Arbeit erleichtern und Steuerschlupflöcher schließen. Allerdings tritt bei Fonds, die ihre Dividenden nicht ausschütten, ein Problem auf: Weil die Abgeltungssteuer nicht von den Ausschüttungsbeträgen abgezogen werden kann, müssen die Banken sie sich direkt von den Kunden holen.

Einer Umfrage der Zeitschrift Finanztest zufolge buchen die meisten nicht nachhaltigen deutschen Filial- und Direktbanken Anfang 2019 die Steuer von den Verrechnungskonten ihrer Kunden ab – einige Filialbanken ziehen das Geld sogar von Konten der Anleger bei anderen Finanzinstituten ein. Fondsbanken und Fondsgesellschaften wie DWS, Union Investment, Fonds Depotbank und Ebase hingegen verkaufen Fondsanteile der Anleger. Für die Kunden ist das unvorteilhaft, wenn sie ihre Fondsanteile zuvor mit Ausgabeaufschlag gekauft haben.

Wie gehen die nachhaltigen Banken vor?

ECOreporter hat bei einigen grünen Banken nachgefragt, wie sie verfahren. Die Bank für Kirche und Caritas und die Bank im Bistum Essen buchen die Abgeltungssteuer von den Verrechnungskonten ihrer Kunden ab. Die UmweltBank tut dies ebenfalls. Falls das Verrechnungskonto keine ausreichende Deckung aufweist, holt sich das Nürnberger Finanzinstitut die Steuer vom Girokonto des Anlegers bei dessen Hausbank, weil es bei der UmweltBank kein Girokonto gibt.

Für die GLS Bank ist das Thema aktuell noch nicht relevant, weil ihre Fonds entweder ihre Aktiendividenden ausschütten oder aufgrund ihrer Performance für 2018 keine Abgeltungssteuer anfällt.

Die EthikBank wählt einen anderen Weg: Sie verkauft Fondsanteile der Anleger, um die Steuer abführen zu können. Kunden haben jedoch sechs Wochen lang die Möglichkeit, einen Betrag in gleicher Höhe kostenlos wieder anzulegen. Die vergünstigte Wiederanlage wird automatisch beim nächsten Kauf von Fondsanteilen berücksichtigt.

Bei der Steyler Bank und der Evangelischen Bank hängt das Vorgehen von der Art des Wertpapierdepots ab. Wenn die Banken die Depots selbst führen, buchen sie die Abgeltungssteuer von den Verrechnungskonten der Kunden ab. Handelt es sich um Fondsdepots ohne Abwicklungskonto, die bei Union Investment geführt werden, werden für die Abführung der Steuer Fondsanteile verkauft.

Am günstigsten ist es für Anleger natürlich, wenn erst gar keine Steuer anfällt: Bis zu einem Betrag von 801 Euro (Ledige) bzw. 1.602 Euro (Ehepaare) sind Kapitalerträge steuerfrei. Freistellungsaufträge sollten so eingerichtet werden, dass sie möglichst komplett ausgeschöpft werden können.

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