PV-Anlage: Solaraktien haben seit des Beginn des Jahres ihres Kursverluste von 2018 teilweise wieder wettgemacht. / Foto: Pixabay

05.02.19 Nachhaltige Aktien

Solaraktien-Rallye: Strohfeuer oder Chance?

20, 30 und teilweise sogar 40 Prozent - so viel sind zu Beginn des Jahres Solaraktien gestiegen. Kommt noch mehr? Die Hintergründe zum Kursfeuerwerk.

Sowohl für die Produzenten von Solarmodulen als auch für die Hersteller von anderen Solaranlagenbauteilen war das vergangene Jahr turbulent. US-Handelsschranken und die Ankündigung der chinesischen Regierung, den Solarausbau zu stoppen, ließen die Kurse von Solaraktien tief in den Keller purzeln.

Mittlerweile hat eine Erholung eingesetzt. Wie nachhaltig ist sie? Und können Anleger von ihr profitieren?

SMA Solar: 30 Prozent Kurserholung - Aktie überbewertet?

SMA Solar litt im vergangenen Jahr unter den schwierigen Bedingungen auf dem Solarmarkt. Dem Wechselrichterhersteller mit Sitz im hessischen Niestetal bei Kassel machte insbesondere das Überangebot an Solartechnikkomponenten aus China zu schaffen. Das SMA Solar-Management kündigte einen Stellenabbau an und senkte die Umsatz- und Gewinnprognose für 2019.

Die SMA-Aktie verlor daraufhin fast 60 Prozent an Börsenwert. Mittlerweile hat sich der Aktienkurs wieder um über 30 Prozent erholt. Die im SDax gelistete Aktie steht derzeit an der Börse Stuttgart bei 20,86 Euro (4.2., 16:30 Uhr).

Die Aufwärtsbewegung der Aktie ist allerdings nicht durch bessere Zahlen gedeckt. Deshalb sollten Anleger von einem Einstieg noch absehen.

Auch die Bank Oddo BHF rät Anlegern zur Vorsicht. Sie geht von einem Kursziel für die SMA Solar-Aktie auf Sicht von zwölf Monaten von nur 19 Euro aus. Laut dem Analysten Anis Zgaya ist nicht mit einer substanziellen Erholung zu rechnen. Der Preisdruck in der Solarbranche dürfte den Kurs der Aktie weiterhin belasten. 

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

SolarEdge: Gute langfristige Aussichten, faire Bewertung

Die Aktie des israelischen Unternehmens SolarEdge, das auf Wechselrichter spezialisiert ist, ist seit Beginn des Jahres um 22 Prozent auf 38,10 Euro gestiegen (Börse Frankfurt, 4.2., 16:26 Uhr).

SMA_Solar_Produktion_Montage_800.jpg
Produktion bei SMA Solar: Die Aktie verspricht weniger Kurspotenzial als die Aktien der Konkurrenten SolarEdge und Enphase Energy. / Foto: Unternehmen

SolarEdge ist breit aufgestellt: Das Unternehmen verkauft neben Wechselrichtern auch komplette Solaranlagen mit Monitoring-Software, zudem Energiespeicher und Ladelösungen für Elektroautos.

Im Januar dieses Jahr verleibten sich die Israelis das italienische Unternehmen S.M.R.E. ein, das Antriebsstränge für E- und Hybridfahrzeuge herstellt. Durch den Zukauf will SolarEdge sein E-Mobilitäts-Segment weiter ausbauen und damit unabhängiger vom Solarmarkt werden. Als die Übernahme publik wurde, machte die Aktie ein Plus von 3 Prozent.

Das SolarEdge-Management rechnet mit einem leichten Gewinnrückgang für 2019. 2020 sollen die Gewinne jedoch wieder steigen. Auch Analysten sind zuversichtlich: Auf Sicht von fünf Jahren prognostizieren sie, dass die Gewinne jährlich um 22 Prozent steigen dürften.

Die Aktie erscheint angesichts dessen mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2019 von 16,25 nicht zu optimistisch bewertet. Das mehrheitliche Analystenvotum lautet "kaufen".

Enphase Energy: Gewinne sollen wachsen

Auch Enphase Energy mit Sitz im kalifornischen Pataluma ist breit diversifiziert. Die Kalifornier verkaufen Wechselrichter, Energiespeicher und komplette Solaranlagen. Der Kurs der Enphase Energy-Aktie zog in einem Monat um 44 Prozent an. Die Aktie steht derzeit an der Börse Nasdaq bei 6,83 US-Dollar (4.2., 17:32 Uhr).

Der Nettogewinn für 2019 soll um die 15 Millionen US-Dollar betragen. 2020 sollen sich die Gewinne auf 31 Millionen US-Dollar mehr als verdoppeln. Wie bei SolarEdge raten die meisten Analysten zum Kauf der Aktie. Das durchschnittliche Kursziel zum Jahresende beträgt 7,46 US-Dollar. Da ist also nicht mehr viel Potenzial.

First Solar: 11,5 Prozent Kursplus – noch Luft nach oben?

Die First Solar-Aktie erreichte im letzten Monat ein Kursplus von 11,5 Prozent. Sie steht derzeit an der US-Technologiebörse Nasdaq bei 48,64 US-Dollar (4.2., 17:42 Uhr). Die Aktie hat ein geschätztes KGV für 2019 von 17,11. Das Unternehmen mit Sitz in Tempe im US-Bundesstaat Arizona stellt Dünnschicht-Solarmodule her. Es will die Gewinne über die kommenden Jahre deutlich steigern. Die Mehrzahl der Analysten empfiehlt die Aktie immer noch zum Kauf, stuft sie dennoch als riskant ein.

Canadian Solar: Trotz Importzöllen 30 Prozent im Plus

Canadian Solar mit Sitz in Guelph (Ontario) ist Marktführer in den USA für Solarmodule. Allerdings produzieren die Kanadier zum großen Teil in Asien. Deshalb leidet das Unternehmen unter den von Donald Trump verhängten Importzöllen in den USA. 

First_Solar_20170214_nb_800.jpg
Solaranlage mit Modulen von First Solar. / Foto: Unternehmen

Trotzdem hat die Canadian Solar-Aktie im letzten Monat ein Kursplus von 30 Prozent erzielt. Die Aktie steht derzeit an der Börse Nasdaq bei 19,80 US-Dollar (4.2., 17:55 Uhr). Die Aktie erscheint mit einem KGV von knapp 9,6 günstig bewertet. Allerdings rechnen Experten über die kommenden beiden Jahre nicht mit großen Gewinnsteigerungen. Die meisten Analysten raten derzeit, die Aktie des Solarmodulproduzenten zu halten.

JinkoSolar: Aktie überbewertet?

JinkoSolar litt 2018 unter den Neubaubeschränkungen auf dem Heimatmarkt in China. Im letzten Jahr ging der Aktienkurs nur nach unten - das Minus betrug zeitweise 50 Prozent. Im letzten Monat hat die Aktie das Kursminus wieder wettgemacht. Sie stieg an der Börse Stuttgart von knapp 9 Euro auf derzeit 13,62 Euro (4.2., 17:57 Uhr).

Experten erwarten für die kommenden Geschäftsjahre schwankende Gewinne. Mit einem erwarteten KGV von über 20 ist die Aktie relativ hoch bewertet. Viele Analysten gehen bereits von einer Überbewertung aus. Das Votum der meisten Experten lautet dennoch "halten".

SunPower: Weniger Potenzial als die Konkurrenten

Der US-Solarmodulproduzent SunPower unterliegt den gleichen Strafzöllen und Handelsbarrieren wie ausländische Firmen. Denn Sunpower fertigt die Solarmodule überwiegend in Fabriken auf den Philippinen und in Mexiko. SunPower stellt nicht nur Module her, sondern errichtet auch schlüsselfertige Solaranlagen - ein Geschäft, das weniger anfällig für Probleme durch Zollschranken ist.

Wie die anderen Aktien der Solar-Branche kam die SunPower-Aktie 2018 stark unter die Räder. Allerdings hat auch sie im letzten Monat ein Kursplus von 11,4 Prozent erzielt; die Aktie steht an der Börse Nasdaq derzeit bei 5,62 US-Dollar (4.2., 18:04 Uhr).

Das Unternehmen dürfte laut Schätzungen in den kommenden Jahren die Umsätze deutlich steigern. Dennoch soll SunPower weder im Geschäftsjahr 2018 noch im Geschäftsjahr 2019 die Gewinnzone erreichen. Ein positives Jahresergebnis ist laut eigenen Prognosen erst 2020 in Sicht. Die meisten Analysten raten derzeit dazu, die Aktie des US-Solarkonzerns zu halten.

Verwandte Artikel

01.02.19
Solarenergie boomt, Windkraft schwächelt
 >
30.01.19
Solaraktien sind wieder gefragt: Bis zu 58% Plus in einem Monat
 >
24.01.19
PV-Modulproduzenten: Jinko Solar liefert die meisten Module aus
 >
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x