Wasserstoff-Generator von Linde. Weltweit muss laut einer Studie mehr in den Ausbau der Wasserstoff-Herstellung investiert werden. / Foto: Linde

  Erneuerbare Energie

Studie: Investitionen in Grünen Wasserstoff reichen nicht aus

Die aktuell geplanten Investitionen und Anstrengungen, den Markthochlauf von grünem Wasserstoff anzutreiben, reichen nicht aus, um den Energieträger zu einem entscheidenden Faktor in der Energiewirtschaft zu machen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Die globale Elektrolysekapazität, also die Menge der Generatoren zur Wasserstoffherstellung, müsse bis 2050 um den Faktor 6.000 bis 8.000 steigen.

Bis 2030 würde der Anteil von Wasserstoff und Folgeprodukten wie Methanol am Endenergieverbrauch ansonsten bei unter einem Prozent liegen. Die Versorgungslage mit grünem Wasserstoff bleibe daher "kurzfristig knapp und langfristig unsicher".

„Ein großer Teil der Debatte und Forschung über Wasserstoff drehte sich um nachfragebezogene Fragen nach geeigneten Anwendungen, Märkten und Sektoren“, so der leitende Studienautor Adrian Odenweller.  „Aber bisher hat noch keine Studie mit Blick auf das Angebot von Wasserstoff den Engpass möglicher Ausbaupfade für die Elektrolyse analysiert – eine noch junge Technologie, die rasche Innovation und Verbreitung erfahren muss, um ihr Potenzial für den Klimaschutz zu entfalten.“

Warnung vor übertriebener Euphorie

Dem Modell der Potsdamer Forscher zufolge werden bis 2030 beim aktuellen Ausbautempo weder in Europa noch global mehr als ein Prozent der verbrauchten Energie aus Grünem Wasserstoff gewonnen werden. Erst 2040 werde der Durchbruch gelingen. Allerdings dürften auch dann nur 3 bis 11 Prozent des europäischen Endenergiebedarfs durch Wasserstoff gedeckt werden.

Global wird der Wasserstoff-Anteil der Studie zufolge nicht über 3 Prozent hinauswachsen. Und der Weg dorthin sei von Investitionsrisiken und großen Unsicherheiten gespickt. Damit Wasserstoff zum Ziel einer Erderwärmung um maximal 1,5 Prozent beitragen kann, muss die globale Elektrolyseur-Kapazität bis 2050 etwa um das 6.000- bis 8.000-fache steigen. Hierzu brauche es klare politische Anreize.

Als Beispiele nannten die Autoren etwa die hohen öffentlichen Ausgaben und die zentrale Koordinierung bei der Kernkraft in Frankreich oder den Ausbau der Hochgeschwindigkeitszüge in China. Die Investitionsbereitschaft sollte sich an solchen Projekten orientieren.

Allerdings warnt die Studie auch davor, das Potenzial von grünem Wasserstoff zu überschätzen. Der Brennstoff sollte wirklich nur dort zum Einsatz kommt, wo eine direkte Elektrifizierung nicht umsetzbar ist. Die Stahlindustrie wäre so ein Fall. Wasserstoff dürfe zudem nicht als Vorwand dienen, die Einführung von aktuell günstigen und leicht verfügbaren Technologien wie der Elektromobilität oder Wärmepumpen zu verzögern.

Auch ECOreporter rät immer wieder zur Vorsicht beim Wasserstoff-Sektor und dessen Aussichten. Eine ausführliche Analyse der Branche lesen Sie hier: Von Plug Power bis Linde: Das sind die besten Wasserstoff-Aktien.

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