Nachhaltige Fonds verlieren an Volumen – doch gleichzeitig wächst ihr Markanteil. / Foto: Pixabay

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Studie: Nachhaltige Fonds verzeichnen deutliche Abflüsse – Marktanteil wächst

Nachhaltige Fonds unterschiedlicher Kategorien haben im vierten Quartal 2023 deutliche Mittelabflüsse verkraften müssen. Das ergab eine Untersuchung des US-Analysehauses Morningstar. Das Unternehmen glaubt auch, die Gründe zu kennen.

Zum Abzug von investiertem Geld kam es laut Morningstar nach Beratungen der Europäischen Kommission über die Zukunft der EU-Offenlegungsverordnung (Sustainable Finance Disclosure Regulation, SFDR) im vierten Quartal 2023. Sogenannte Artikel-8-Fonds verzeichnen demnach die größten Quartalsabflüsse seit Beginn der Erhebungen und Artikel-9-Fonds ihre ersten vierteljährlichen Abflüsse überhaupt.

Die Artikel sind Klassifizierungen nach Vorschriften der Offenlegungsverordnung und sollen zeigen, wie nachhaltig ein Fonds oder ETF ist. Artikel-8-Fonds sind demnach hellgrüne Finanzprodukte und berücksichtigen ESG-Kriterien, also Bewertungen in den Bereichen Ökologie (Environmental), Soziales (Social) und gute Unternehmensführung (Governance). Artikel-9-Fonds sollen dunkelgrüne Angebote sein und explizite Nachhaltigkeitsziele verfolgen. Allerdings sind die Kriterien nicht klar definiert und die Kennzeichnungen nach Einschätzung von ECOreporter daher wenig aussagekräftig.

Marktanteil nachhaltiger Produkte wächst trotzdem

Im vierten Quartal 2023 zogen Anlegerinnen und Anleger nach Berechnungen von Morningstar 26,7 Milliarden Euro aus Artikel-8-Fonds ab. Bei Artikel-9-Fonds beliefen sich die Abflüsse auf 4,7 Milliarden Euro. Nicht nachhaltige Artikel-6-Fonds gewannen hingegen 15,7 Milliarden Euro hinzu.

Auf das gesamte Jahr gesehen sammelten Artikel-6-Fonds 2023 insgesamt 93 Milliarden Euro ein. Artikel-9-Fonds verzeichneten Zuflüsse von nur 4,3 Milliarden Euro. Und Artikel-8-Fonds beendeten das Jahr sogar mit einem Minus von 27 Milliarden Euro.

Als Grund für die schwache oder sinkende Nachfrage nach ESG-Fonds sieht die Morningstar-Analyse vor allem hohe Zinssätze, die Inflation, Rezessionssorgen in einigen großen Volkswirtschaften und geopolitische Risiken. Anlegerinnen und Anleger würden sich daher etwa verstärkt Anleihen zuwenden, bei denen das ESG-Angebot beschränkt ist.

Ein Problem ist Morningstar zufolge zudem die Zusammensetzung von nachhaltigen Fonds und ETFs, die stark auf Technologie- und andere Wachstumssektoren setzen. Zwar konnte der Technologiebereich 2023 wieder Gewinne verbuchen, nachhaltige Sektoren wie Erneuerbare Energien entwickelten sich aber weiterhin unterdurchschnittlich.

Auch würden Debatten um Greenwashing Anlegerinnen und Anleger verunsichern und die Nachfrage nach Artikel-8- und Artikel-9-Fonds belasten. Hier würden Abwertungen von Artikel-9-Produkten und Unklarheiten bei den SFDR-Richtlinien eine wichtige Rolle spielen.

Weil gleichzeitig aber die Zahl der Artikel-8- und Artikel-9-Fonds stieg, kletterte das Vermögen der nachhaltigen Produkte im vierten Quartal 2023 trotz der Abflüsse um 1,7 Prozent auf 5,2 Billionen Euro, was einen neuen Rekord darstellt. Der Marktanteil der beiden nachhaltigen Fondsgruppen in der EU stieg zudem weiter auf fast 60 Prozent.

Hier finden Sie einen Überblick zu allen ECOreporter-Fonds-Tests und hier die Liste der ETFs, die die Redaktion bislang analysiert hat.

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