reconcept bietet eine neue Anleihe an. Wie attraktiv ist der Green Bond II? / Foto: reconcept

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Unabhängige Analyse: reconcept Green Bond II der reconcept GmbH im ECOanlagecheck

Das Kapital der grünen Anleihe reconcept Green Bond II fließt nicht direkt in Projekte, sondern zunächst zum Projektentwickler reconcept GmbH. Dieser will das Anlegerkapital vor allem in den Ausbau der Projektentwicklung im In- und Ausland investieren. Als Schwerpunkte sind derzeit Windenergieprojekte in Finnland und Solarprojekte in Deutschland vorgesehen. Der reconcept Green Bond II bietet ab 1.000 Euro Anlagebetrag einen Zins von 6,25 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von sechs Jahren. Der ECOanlagecheck analysiert die Geldanlage.

Bei der Anleihe reconcept Green Bond II handelt es sich um Inhaber-Schuldverschreibungen. Das Emissionsvolumen beträgt laut Wertpapier-Prospekt vom 30. August 2021 bis zu 10 Millionen Euro. Die Emissionskosten betragen laut Prospekt bis zu 700.000 Euro. Ein Börsenhandel der Anleihe ist laut Prospekt-Nachtrag Nr. 1 ab dem 25. Januar 2022 vorgesehen.

Unternehmensprofil reconcept GmbH

Die Emittentin der Anleihe, die reconcept GmbH aus Hamburg, ist die Holdinggesellschaft der reconcept-Unternehmensgruppe. Die reconcept-Gruppe konzentriert sich laut Prospekt auf Investments in Windenergie, Solarenergie sowie Wasserkraft. Die reconcept GmbH hat bereits zahlreiche Geldanlagen initiiert, mit denen Privatanlegerinnen und -anleger in Erneuerbare-Energien-Projekte investiert sind. Das Unternehmen entwickelt Projekte in Deutschland und – in Zusammenarbeit mit ausländischen Projektentwicklern – im Ausland.

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Gemäß den Angaben im Anhang des Jahresabschlusses der Emittentin für das Geschäftsjahr 2020 besteht das Anlagevermögen der Emittentin zum 31.12.2020 im Wesentlichen aus Finanzanlagen von rund 22 Millionen Euro. Davon betreffen alleine rund 19 Millionen Euro eine Ausleihung an die reconcept Finnland GmbH, eine Tochter der Emittentin. Die reconcept Finnland GmbH hält laut Prospekt 50 Prozent der Anteile an der Joint-Venture-Gesellschaft Tuulialfa Oy. Das Gemeinschaftsunternehmen Tuulialfa Oy entwickelt Windparkprojekte in Finnland.

Gewinn durch Anteilsverkauf an Tochterunternehmen

Die Emittentin hat 2019 ihren Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Tuulialfa Oy an ihre Tochtergesellschaft reconcept Finnland GmbH verkauft. Aus dem Verkauf resultierte laut Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) 2019 ein Gewinn von 10,9 Millionen Euro für die Emittentin, sodass sie für das Geschäftsjahr 2019 einen Jahresüberschuss von rund 3,3 Millionen Euro verbuchen konnte.

Für das Geschäftsjahr 2020 verzeichnete die Emittentin einen Jahresüberschuss von rund 0,8 Millionen Euro. Auch dieser resultiert aus dem 2019 erfolgten Verkauf: Laut Jahresabschluss-Anhang war 2019 auch ein variabler Kaufpreis vereinbart worden, der bei der Emittentin 2020 zu sonstigen betrieblichen Erträgen von rund 6,0 Millionen Euro geführt hat. Mit dem Verkauf in 2019 konnte die Emittentin somit vermeiden, in den GuV für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 jeweils einen Verlust von mehreren Millionen Euro ausweisen zu müssen. Inzwischen existiert die Ausleihung der Emittentin über rund 19 Millionen Euro an die reconcept Finnland GmbH nicht mehr:  Nach Angaben der Emittentin ist die Ausleihung über einen im Mai 2021 abgeschlossenen Einbringungsvertrag in eine Beteiligung umgewandelt worden.

Kein Umsatz durch Projektverkäufe

Projektverkäufe sind gemäß den Angaben im Jahresabschluss-Anhang im Geschäftsjahr 2020 nicht erfolgt. Daher sind die Umsatzerlöse der Emittentin auf niedrigem Niveau geblieben. Sie stiegen von rund 1,0 Millionen Euro (2019) auf rund 1,4 Millionen Euro (2020). Die Umsatzerlöse betreffen überwiegend Geschäftsbesorgungsvergütungen aus dem Emissionsgeschäft von Vermögensanlagen. Ein Beispiel: Laut „RE16“-Prospekt erhält die reconcept GmbH für die Initiierung und Realisierung der Vermögensanlage „RE16 Meeresenergie Bay of Fundy II, Kanada“ eine Mindestvergütung von 750.000 Kanadischen Dollar, umgerechnet rund 500.000 Euro.

Die Bilanzsumme der Emittentin ist von rund 20 Millionen Euro (Ende 2019) auf rund 31 Millionen Euro (Ende 2020) gestiegen. Die reconcept GmbH hatte 2020 die Anleihe reconcept Green Bond I emittiert. Auch daher hat sich die Eigenkapitalquote der Emittentin von rund 16,5 Prozent (Ende 2019) auf rund 12,5 Prozent (Ende 2020) verringert. Ein Jahresabschluss für den Konzern der reconcept GmbH wurde bislang nicht veröffentlicht, sodass auch die Konzern-Eigenkapitalquote nicht ermittelt werden kann.

Investitionen


reconcept will unter anderem in neue deutsche Solarprojekte investieren. / Symbolfoto: Pixabay

Bei den Investitionen der reconcept-Gruppe stehen laut Wertpapier-Prospekt vom 30. August 2021 aktuell neue Solarprojekte (Freifläche, Gewerbedächer) in Deutschland sowie deutsche Windenergieprojekte im Vordergrund. Die Emittentin setzt laut Prognosebericht, der im Jahresabschluss-Anhang für 2020 enthalten ist, „große Hoffnungen in den Aufbau der deutschen Projektentwicklungspipeline über unser Büro in Berlin“. Zunächst rechnet die reconcept GmbH aufgrund des Aufbaus über das neue Büro mit steigenden Betriebskosten in 2021. Nach Angaben der Emittentin befinden sich mehrere Solarprojekte mit zusammen 560 Megawattpeak (MWp) in der Entwicklung (Stand: 31. August 2021).

Neben Investitionen in Projekte in Deutschland ist laut Prospekt „untergeordnet die Investition in Akquisitionsmaßnahmen in Kanada für weitere Wind- und Photovoltaik-Projekte an der Ostküste“ möglich. In Kanada ist reconcept aber auch bei Wasserkraft- und Meeresenergieprojekten aktiv. Im Prospekt heißt es dazu: „Die aktuell in der Entwicklung befindlichen Wasserkraft- und Meeresenergieprojekte sind in Kanada belegen; die Planungen zukünftiger Meeresenergieprojekte sehen neben Kanada auch Standorte in Großbritannien, den Philippinen und Südkorea vor.“

Grundsätzlich steht die geplante Mittelverwendung des Anleihekapitals im Bereich der Erneuerbaren Energien laut Prospekt „unter dem Vorbehalt von veränderten Umständen, die möglicherweise andere Investitionen in Erneuerbare Energien als vorzugswürdig erscheinen lassen“.

Windenergie in Finnland

Zudem plant reconcept laut Prospekt, die Windkraftprojekte-Pipeline in Finnland weiterzuentwickeln. Die Emittentin ist laut Jahresabschluss 2020 mittelbar hauptsächlich in Entwicklungen von Windenergieprojekten in Finnland investiert. Daher sind diese Vorhaben wirtschaftlich sehr bedeutsam für die Emittentin und ihre Anlegerinnen und Anleger. Die reconcept-Gruppe übernimmt laut Prospekt insbesondere die Finanzierungsfunktionen der Projekte, indem sie das eingeworbene deutsche Anlegerkapital an das finnische Joint Venture Tuulialfa Oy und dessen Projektgesellschaften weiterleitet. Laut Prospekt ist die Position der Emittentin in einem ausländischen Joint Venture insbesondere nach erfolgten Finanzierungsleistungen tendenziell schwächer als die des ausländischen Partners, soweit dieser das operative Geschäft leitet. In der Regel ist vorgesehen, die Windkraftanlagen bis zur Baureife zu entwickeln und dann die Projektrechte zu verkaufen.

Laut Prognosebericht, der beim Jahresabschluss für 2020 enthalten ist, ist es möglich, dass mit „Vaala“ ein weiteres finnisches Projekt 2021 die vollständige Genehmigung erhält. Weiter heißt es: „Ob es aus dem Vaala-Projekt wie ursprünglich erwartet noch 2021 einen Liquiditätszufluss in die reconcept-Gruppe über die reconcept Finnland GmbH geben wird, lässt sich aufgrund des mit dem schwedischen Projektentwickler vereinbarten Zahlungsplans schlecht voraussagen.“

Hohe Verbindlichkeiten aus Anleihen


In Kanada plant reconcept den Bau von Gezeitenkraftwerken. / Foto: reconcept

Die Emittentin ist laut Prospekt eine Holdinggesellschaft mit einem eigenen wesentlichen Geschäftsbetrieb. Die wesentlichen Vermögensgegenstände der Emittentin sind aber ihre Beteiligungen an ihren operativen Tochtergesellschaften und an Joint-Ventures. Erfüllen von der Emittentin finanzierte Unternehmen der reconcept-Gruppe ihre Verpflichtungen gegenüber der Emittentin nicht vollständig, besteht das Risiko, dass die Emittentin ihrerseits ihren Verpflichtungen gegenüber den Anleihegläubigern nicht vollständig nachkommen kann.

Laut Prospekt sind im Zeitraum 2020 bis 2027 schon aus den Anleihen, die Gesellschaften der reconcept-Gruppe bisher begeben haben, Tilgungen von rund 33 Millionen Euro sowie Zinszahlungen von rund 7,7 Millionen Euro vorgesehen. Hinzu kommen die Verbindlichkeiten aus der neuen Anleihe reconcept Green Bond II, wobei Teile der Anleihe laut Prospekt zur Rückzahlung der Verbindlichkeiten aus vorherigen Anleihen verwendet werden sollen.

Erweitertes Platzierungsrisiko

Es ist möglich, dass die reconcept GmbH zur vollständigen Rückzahlung der Anleihe reconcept Green Bonds II nach sechs Jahren Laufzeit eine Anschlussfinanzierung benötigt. Es besteht dann das Risiko, dass sie diese nicht erhält. Schon während der Laufzeit der Anleihe tragen die Anlegerinnen und Anleger das Vertriebs- und Platzierungsrisiko der reconcept GmbH mit. Das gilt nicht nur für den reconcept Green Bonds II selbst, sondern auch für weitere (projektbezogene) Geldanlagen, die reconcept in den nächsten sechs Jahren auf den Markt bringt.

Stärken

  • Diversifizierung der Geschäftstätigkeit über mehrere Technologien
  • Langjährige Erfahrung der reconcept-Gruppe im Bereich Wind- und Wasserkraft

Schwächen

  • Projektentwicklungsrisiken
  • Hohe Abhängigkeit von finnischen Projektentwicklungen
  • Erfahrenere Wettbewerber auf dem deutschen Solarmarkt
  • Kein unabhängiges Gutachten zum Green Bond ("Second Party Opinion")

    Fazit:

    Finanziell

    Die Emittentin der Anleihe, die reconcept GmbH, hat als Holdinggesellschaft zahlreiche Tochtergesellschaften, mit denen sie eng verflochten ist. Ein Jahresabschluss für den reconcept-Konzern liegt aber nicht vor. Somit sind ein umfassender Einblick und eine fundierte Bewertung des Konzerns der Emittentin deutlich erschwert. Damit verringert sich auch die Transparenz des Anleiheangebotes. Die Emittentin ist derzeit wirtschaftlich erheblich von den Windenergie-Projektentwicklungen in Finnland abhängig. Es ist unsicher, wann und in welcher Höhe Kapitalrückflüsse über die finnischen Projektgesellschaften, das finnische Joint Venture und die reconcept Finnland GmbH bei der Emittentin landen werden. Auch der Aufbau einer Entwicklungspipeline für Solarprojekte in Deutschland verursacht zunächst Kosten, bevor im Erfolgsfall Erträge erwirtschaftet werden können.

    Nachhaltigkeit

    Die Emittentin finanziert die Entwicklung von Erneuerbare-Energien-Projekten. Diese haben im Erfolgsfall, wenn sie errichtet werden und in Betrieb gehen, eine hohe positive ökologische Wirkung.

    ECOreporter-Empfehlung

    Die reconcept GmbH hat 2019 und 2020 nur geringe Umsatzerlöse erzielt. Auch für 2021 erwartet die Emittentin laut Prognosebericht Umsatzerlöse auf dem Niveau von 2020. Es ist fraglich, wann und in welcher Höhe das Projektentwicklungs-Geschäft, das mit hohen Risiken verbunden ist, zu nennenswerten Umsatzerlösen bei der Emittentin führt. Insgesamt hohe Risiken – auch für Anlegerinnen und Anleger.

    Basisdaten

    Emittentin: reconcept GmbH, Hamburg

    Anlageform: Inhaber-Schuldverschreibungen (Anleihe)

    Emissionsvolumen: 10 Millionen Euro

    Mindestzeichnungssumme: 1.000 Euro

    Agio: 0 Prozent

    Laufzeit: 25. Januar 2022 bis 25. Januar 2028

    Zinsen: 6,25 Prozent pro Jahr

    Einkunftsart: Einkünfte aus Kapitalvermögen

    Prospekt-Billigung: CSSF (luxemburgische Aufsichtsbehörde des Finanzsektors)

    ISIN: DE000A3E5WT0

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