Windkraftanlage von Siemens Gamesa auf Gran Canaria: Die Siemens-Tochter ist führend im Offshore-Segment. / Foto: Unternehmen

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien, Aktien-Favoriten

Vestas, Siemens Gamesa, Nordex - wer profitiert vom Windkraftausbau? Teil 2

Wie können Anleger vom weltweiten Windkraftausbau profitieren? Wir analysieren für Sie drei Wind-Aktien: Vestas, Siemens Gamesa und Nordex. Lesen Sie im zweiten Teil, wie ECOreporter Siemens Gamesa und Nordex einschätzt.

Siemens Gamesa: Starkes Wachstum in Sicht, aber hohe Bewertung

Starker Konkurrent von Vestas ist Siemens Gamesa. Der deutsch-spanische Windanlagenbauer erzielte im vergangenen Geschäftsjahr (1. Oktober 2016 bis 31. September 2017) einen Umsatz von 11 Milliarden Euro. 2017 hielt die Siemens-Tochter damit einen weltweiten Marktanteil von 16,6 Prozent - ganz knapp auf Platz zwei hinter Vestas. Wie ECOreporter berichtete, schlug Siemens Gamesa den dänischen Konkurrenten jedoch hinsichtlich der ausgelieferten Kapazität.

Zuletzt hat das Unternehmen einen Sparkurs eingeschlagen. Die Siemens-Tochter gab zu Beginn des Jahres bekannt, Stellen streichen zu wollen. Insgesamt will der Windkraftspezialist 6.000 Jobs weltweit abbauen, davon über 200 in Deutschland. Außerdem wolle man die Aktivitäten im Onshore-Bereich um 65 Prozent zurückschrauben, hieß es.

Die Siemens-Gamesa-Aktie notiert momentan bei 13,35 Euro (4.6., 08:07 Uhr). Das Unternehmen hat eine Marktkapitalisierung von 9,14 Milliarden Euro. Für das Geschäftsjahr 2017 schüttete Siemens Gamesa 0,09 Euro an Dividende an die Aktionäre aus. Im laufenden Geschäftsjahr wird eine Dividendenausschüttung in derselben Höhe erwartet. Bei dem momentanen Kurs würde das einer Dividendenrendite von 0,67 Prozent entsprechen.

Über die letzten fünf Jahre ist die Aktie, wie alle Aktien der Windkraftbranche, im Kurs stark geschwankt. Dennoch hätte sich eine Investition gelohnt. Wer vor genau fünf Jahren 1.000 Euro in Aktien von Siemens Gamesa angelegt hätte, könnte sich heute über einen Wert seiner Aktienanteile von knapp 4.653 Euro freuen. Die Kursrendite läge bei 365,3 Prozent - etwas weniger als bei Mitbewerber Vestas.

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Rasantes Gewinnwachstum erwartet

Bei Siemens Gamesa sehen die Wachstumsaussichten über die nächsten Jahre hervorragend aus. Im laufenden Geschäftsjahr erwarten Analysten, dass der deutsch-spanische Konzern einen Umsatz in Höhe von gut 9,4 Milliarden Euro erzielt. Der Gewinn soll sich 2018 auf 116,27 Millionen Euro belaufen. 2019 soll die Siemens-Tochter laut Analystenschätzungen 317,83 Millionen Euro Gewinn einfahren, 2020 498,18 Millionen Euro. Das entspricht bis 2020 einer Gewinnverdreifachung und einer durchschnittlichen jährlichen Gewinnsteigerungsrate von knapp 107 Prozent.

Momentan beläuft sich das KGV der Siemens Gamesa-Aktie auf 21,19. Ein relativ hoher Wert, bei dem die stark steigenden Gewinne über die kommenden Jahre bereits mit eingepreist sind. Im direkten Vergleich mit der Vestas-Aktie ist die Siemens-Gamesa-Aktie teuer. Erst bei einem Konzerngewinn von deutlich über 300 Millionen Euro dürfte sie ein ähnliches Bewertungsniveau erreichen wie das, was die Vestas-Aktie momentan aufweist.


Zentrale von Siemens Gamesa im spanischen Zamudio. / Foto: Unternehmen

Bei Siemens Gamesa ist das Orderbuch ebenfalls gut gefüllt. Laut Geschäftsbericht für 2017 sind Aufträge in Höhe von 20,7 Milliarden Euro in der Warteschleife. Davon machen 48 Prozent Service-Leistungen aus. 35 Prozent der Aufträge entfallen auf die Auslieferung von Offshore-Windanlagen und 17 Prozent auf Onshore-Windanlagen. 

Siemens Gamesa recycelt Altmagneten

Auch bei Siemens Gamesa ist man sich bewusst, dass in Windturbinen Rohstoffe stecken, die oft unter menschenunwürdigen Bedingungen gefördert werden. Auf Nachfrage von ECOreporter äußerte ein Sprecher des Unternehmens, dass der Konzern mit mehreren Zulieferern zusammenarbeite, um schneller auf schlechte Arbeitsbedingungen reagieren zu können. Diejenigen Zulieferer, die nicht die von den Vereinten Nationen formulierten Prinzipien des „UN Global Compact“ beachten, sortiere der Windkraftkonzern aus. Die Siemens-Tochter entwickle darüber hinaus die Windräder stets weiter, um weniger Rohstoffe zu benötigen. Eine weitere Besonderheit: Das Unternehmen engagiert sich für das Recycling von Altmagneten, um weniger auf die Förderung von seltenen Erden angewiesen zu sein.

Nordex: Erst 2019 wieder schwarze Zahlen

Aktuell ist er nur ein kleiner Player: der deutsche Windanlagenbauer Nordex SE. Nordex hat einen weltweiten Marktanteil von 5,2 Prozent. Im Gegensatz zu Vestas und Siemens Gamesa ist Nordex auf Windkraftanlagen an Land spezialisiert. Die drei größten Absatzmärkte des Unternehmens sind Europa, die USA und Südamerika. Nordex gehört zu der Kategorie der ECOreporter Mittelklasse-Aktien.

Die Nordex-Aktie steht momentan bei 10,77 Euro (4.6., 09:54 Uhr). Zuletzt ist die Aktie sehr stark gestiegen - trotz ausbleibender positiver Nachrichten. Mit einer Marktkapitalisierung von 1,03 Milliarden Euro ist Nordex deutlich kleiner als Vestas und Siemens Gamesa. Eine Dividende wird für das Geschäftsjahr 2017 vom Unternehmen nicht ausgeschüttet.

In den letzten fünf Jahren hat sich die Aktie weniger gut entwickelt als die der beiden Konkurrenten. Wer vor genau fünf Jahren 1.000 Euro in Nordex-Aktien investiert hätte, dessen Anteile wären heute 1581,60 Euro wert - ein Plus von 58,16 Prozent. Auch ist die Aktie starken Schwankungen ausgesetzt, die vor allem auf revidierte Umsatz- und Gewinnschätzungen zurückzuführen sind.


Nordex-Turbine: Nordex ist der sechstgrößte Arbeitgeber in Mecklenburg-Vorpommern. / Foto: Unternehmen

Im Geschäftsjahr 2017 hat das Unternehmen mit Sitz in Hamburg einen Umsatz von 3,08 Milliarden Euro erzielt. Allerdings verbuchte der Windradbauer davon nur 300.000 Euro als Gewinn.

Die Prognosen für die kommenden beiden Geschäftsjahre sehen für Nordex nicht besonders gut aus. Das Unternehmen rechnet mit fallenden Umsätzen. Für 2018 wird ein Umsatz von 2,56 Milliarden Euro erwartet - ein Minus von mehr als 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch wird sich der gesunkene Umsatz auf den Gewinn auswirken. Analysten schätzen, dass Nordex im Geschäftsjahr 2018 Verluste in Höhe von 38 Millionen Euro verbuchen wird.

Ab 2019 soll es wieder aufwärts gehen

Erst für das Geschäftsjahr 2019 wird ein positives Geschäftsergebnis erwartet, das jedoch Schätzungen zufolge mit 8,46 Millionen Euro mager ausfällt. Erst 2020 soll ein Gewinn in zweistelliger Millionenhöhe erzielt werden, in einer Größenordnung von 58,19 Millionen Euro. 

Zuletzt meldete der Hamburger Windkraftspezialist vermehrt Auftragseingänge. Aber eine nachhaltige Erholung dürfte erst 2020 erfolgen. Denn vor allem der deutsche Markt, auf den Nordex stark fokussiert ist, ist gesättigt und dürfte im Onshore-Bereich schrumpfen.

Auch Nordex ist um faire Arbeitsbedingungen bemüht

Nordex bemüht sich ebenfalls um faire Arbeitsbedingungen und eine transparente Lieferkette.  Der deutsche Windkraft-Konzern verfügt ähnlich wie Vestas und Siemens Gamesa über einen Verhaltenskodex für Zulieferer. ECOreporter fragte nach, wie weit das Unternehmen sich um die Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechtsstandards der Zulieferer kümmere - insbesondere bei seltenen Erden und Metallen. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, dass die Branche als Ganze sich sehr stark diesem Thema widme. Es sei allerdings für ein Einzelunternehmen nahezu unmöglich, alle Elemente der Lieferkette selbst zu kontrollieren. Aber selbstverständlich beende auch Nordex die Zusammenarbeit mit einem Zulieferer, wenn bekannt werde, dass dieser gegen Menschen- und Arbeitsrechte verstoße.

Fazit: Die am attraktivsten bewertete Aktie ist momentan Vestas. Das Unternehmen ist gut am Markt positioniert und wird an dem weltweiten Windkraftboom teilhaben. Die Gewinne dürften in den kommenden Jahren solide wachsen. Im Gegensatz zu Siemens Gamesa und Nordex bietet Vestas mit knapp 2 Prozent eine vergleichsweise hohe Dividendenrendite.

Siemens Gamesa hat exzellente Wachstumsaussichten, ist allerdings auch höher als Konkurrent Vestas bewertet. Trotz der hohen Bewertung schüttet der deutsch-spanische Konzern eine sehr geringe Dividende aus und dürfte erst in einigen Jahren ein annehmbares Dividendenniveau erreichen.

Nordex ist im Vergleich zu den beiden Konkurrenten Vestas und Siemens Gamesa das Unternehmen, das über die kommenden Jahre die schlechtesten Aussichten hat. Auch dürfte bei den Hamburgern eine Dividende erst 2020 in Sicht sein. Da Nordex sich auf Onshore-Anlagen konzentriert, wird das Unternehmen auch nicht am florierenden Offshore-Markt teilhaben.

Vestas Wind Systems A/S: ISIN  DK0010268606 / WKN 913769

Siemens Gamesa Renewable Energy S.A: ISIN ES0143416115 / WKN A0B5Z8

Nordex SE: ISIN DE000A0D6554 / WKN A0D65

Lesen Sie hier den ersten Teil unserer Analyse. Wir stellen Ihnen dort den Mitbewerber Vestas vor.

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