Anleihen / AIF, Crowd-Investment, Crowd-Test

Wachstumsfinanzierung für wiwin - Anleihe mit 6,5 % Zins plus Bonus

Die wiwin GmbH vermittelt nachhaltige Kapitalanlagen. Das Unternehmen will sich vom Finanzvermittler zum Fintech wandeln und bekannter werden. Um Maßnahmen dafür (z. B. Marketing, Personalausbau) zu finanzieren, bietet die wiwin GmbH ab 250 Euro Schuldverschreibungen an. Die nachrangige Anleihe hat bei einer Laufzeit von rund 5,5 Jahren einen Zinssatz von 6,5 Zins pro Jahr. Zudem sind ein gewinnabhängiger Bonuszins und eine Exit-Erlösbeteiligung möglich. Wie hoch sind die Risiken des digitalen Wertpapiers?

Anbieterin und Emittentin der Anleihe „Wiwin Wachstumsfinanzierung“ ist die wiwin GmbH mit Sitz in Gerbach in Rheinland-Pfalz. Ihre Geschäftstätigkeit ist die Vermittlung von Geld- und Vermögensanlagen im Zusammenhang mit Erneuerbaren Energien und ökologisch orientierten Produkten an Anlegerinnen und Anleger. Kerngeschäft der Emittentin sind dabei Crowdinvestings. 2021 hat die Emittentin nach eigenen Angaben rund 20 Millionen Euro über Crowdinvestings vermittelt. Das Unternehmen hat knapp 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wozu dient das Anlegerkapital?

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Das Emissionsvolumen der Schuldverschreibungen (Anleihe) beträgt 999.950 Euro. Den Nettoemissionserlös will die Emittentin laut Basisinformationsblatt (BIB, Stand: 4.2.2022) für den Ausbau ihrer Geschäftstätigkeit verwenden.

Aktuell nutzt die wiwin GmbH laut Anlagebroschüre (Stand: 1.2.2022) noch externe Informationstechnik-Lösungen. Das Unternehmen plant, eine eigene IT-Plattform und ein internes IT-Team aufzubauen, und Funktionalität und Flexibilität zu erhöhen.

„Wiwin“ soll laut Anlagebroschüre als Marke bekannter und stärker werden. Im Fokus stehe dabei die Neukundengewinnung durch entsprechende Marketingmaßnahmen. Zudem will die wiwin GmbH ein fundiertes Nachhaltigkeits-Scoring entwickeln. Darüber hinaus werden die eingeworbenen Mittel laut Anlagebroschüre gegebenenfalls zur kurzfristigen Vor- oder Zwischenfinanzierung genutzt.

Digitales Wertpapier

Bei dem vorliegenden Kapitalanlageprodukt handelt es sich um nachrangige, tokenbasierte Schuldverschreibungen. Für jede ausgegebene Schuldverschreibung wird ein Token von der Emittentin herausgegeben, das die Rechte aus der tokenbasierten Schuldverschreibung repräsentiert und Blockchain-basiert ist.

Für die Verwahrung der Token benötigen die Anlegerinnen und Anleger eine sogenannte Wallet (digitale Geldbörse), die mit der verwendeten Blockchain kompatibel ist. Verfügen Anlegerinnen und Anleger nicht über eine Wallet, wird ihnen laut BIB kostenfrei eine kompatible Wallet von der Emittentin zur Verfügung gestellt. Die Schuldverschreibungen werden nicht an einer Börse gehandelt. Es existiert laut BIB kein liquider Zweitmarkt für die tokenbasierten Schuldverschreibungen.

Bei der Etablierung von digitalen Wertpapieren hat wiwin nach eigener Einschätzung eine Vorreiterrolle in Deutschland eingenommen. Die Blockchain-Technologie sowie alle damit in Verbindung stehenden technologischen Komponenten befinden sich laut Anlagebroschüre nach wie vor in einem frühen technischen Entwicklungsstadium. Es besteht das Risiko, dass technische Probleme auftreten. Zudem hat es laut Anlagebroschüre in der Vergangenheit bereits zahlreiche Hackerangriffe auf diverse Blockchains gegeben.

Laufzeit und Zins

Die Laufzeit der Schuldverschreibungen endet mit Ablauf des 30. Juni 2027. Der Zinssatz der Anleihe beträgt 6,5 Prozent pro Jahr. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit für einen Bonuszins. Dafür wird auf die Schuldverschreibungen ein Betrag in Höhe von 1,7 Prozent des EBIT der Emittentin (Ergebnis der Geschäftstätigkeit vor Zinsen und Steuern) verteilt.

Laut Anlagebroschüre hat die Emittentin seit 2019 jeweils ein negatives EBIT verzeichnet. Gemäß den Angaben in dem Anlagebroschüre-Kapitel „Finanzplanung“ hat die wiwin GmbH 2020 einen EBIT-Verlust von 989.000 Euro bei einem Umsatz von 765.000 Euro erwirtschaftet. Für das Geschäftsjahr 2021 werden ein EBIT-Verlust von 1,682 Millionen Euro und ein Umsatz von 1,18 Millionen Euro angegeben.  Die Emittentin plant ein positives EBIT ab dem Jahr 2024. Für 2026 sieht die Finanzplanung des Unternehmens einen EBIT-Gewinn von rund 8,3 Millionen Euro und einem Umsatz von rund 18 Millionen Euro vor.

Soweit bei der Emittentin während der Laufzeit der Anleihe ein Exitereignis eintritt (Börsengang, Verkauf der wesentlichen Gesellschaftsanteile, Verkauf der wesentlichen Werte des Unternehmens), werden Anlegerinnen und Anleger laut BIB an 50 Prozent eines etwaigen Netto-Exiterlöses beteiligt, wenn dieser größer ist als der Nennbetrag der tokenbasierten Schuldverschreibungen.

Im optimistischen Szenario im BIB ergibt sich eine jährliche Durchschnittsrendite von 12,51 Prozent. Hierfür wird unter anderem angenommen, dass die Emittentin im Zuge eines Asset Deals abzüglich Kosten und Präferenzen für 100 Millionen Euro verkauft werden würde. Präferenzen sind dabei laut Definition in den Anleihebedingungen „die nach der jeweils maßgeblichen Beteiligungs- und/oder Gesellschaftervereinbarung oder dem Gesellschaftsvertrag an bestimmte Gesellschafter der Emittentin vorrangig zu zahlenden Liquidations-, Erlös- und ähnliche Präferenzen, die den an die übrigen Gesellschafter der Emittentin zu zahlenden Erlös mindern“. Die komplexe Berechnungsformel ist in den Anleihebedingungen enthalten.

Die Emittentin ist gemäß den Anleihebedingungen „berechtigt, bei Änderung der Fassung der Anleihebedingungen, wie z. B. Wortlaut und Reihenfolge, die Anleihebedingungen durch einseitige Willenserklärung zu ändern bzw. anzupassen“.

Ökologische Wirkung

Die wiwin GmbH selbst investiert als Vermittlerin nicht in ökologische Projekte, sondern wirbt Kapital für andere Emittentinnen ein, die ihrerseits in ökologische Projekte investieren wollen. Das maßgebliche Ziel der wiwin GmbH ist nach eigenen Angaben, Investitionen in nachhaltige Projekte und Unternehmen zu ermöglichen und dadurch die Nachhaltigkeitswende zu beschleunigen. Bei der Auswahl der Projekte, die auf seine Online-Plattform aufgenommen werden, achtet das Unternehmen daher nach eigenen Angaben neben der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Vorhabens besonders auf Nachhaltigkeit und einen langfristig positiven Impact.

Hohe Risiken

Bei der Anleihe handelt es sich um nachrangige, tokenbasierte Schuldverschreibungen, die mit einem Rangrücktritt und einer vorinsolvenzlichen Durchsetzungssperre ausgestattet sind.

Die Emittentin vermittelt über ihre Internetseite ökologische Kapitalanlagen. Alle Zahlungen an die Anlegerinnen und Anleger hängen laut BIB im Wesentlichen von der erfolgreichen Vermittlung dieser Kapitalanlagen ab. Zu den wesentlichen Risiken für die Emittentin zählen laut BIB beispielsweise Änderungen der gesetzlichen Grundlagen, Anstieg des Wettbewerbs, Reputationsrisiken und Haftungsrisiken im Falle des Ausfalls vermittelter Kapitalanlagen, Abhängigkeit von qualifiziertem Personal.

Zudem besteht das Risiko, dass die Emittentin ihre Wachstumsstrategie nicht im geplanten Kostenrahmen umsetzen kann. Die Entwicklung einer eigenen Software und Aufbau einer eigenen IT-Abteilung könnten laut Anlagebroschüre deutlich teurer werden und länger dauern als geplant. Die Marketingmaßnahmen der Emittentin zur weiteren Bekanntmachung der Marke Wiwin und Neukundengewinnung könnten nicht den erwarteten Erfolg haben.

Auf die Reputation der Emittentin kann es sich laut BIB negativ auswirken, wenn die Emittentin Produkte vermittelt, die zu Verlusten der Anlegerinnen und Anlegern führen. Nach Einschätzung der Emittentin ist davon auszugehen, dass es vor allem bei Start-ups, die sich in einer frühen Unternehmensphase befinden, zu Ausfällen kommen kann.

Es besteht das Risiko, dass sich die gesetzlichen, regulatorischen Anforderungen für die Vermittlung von Kapitalanlagen im Crowdinvesting-Bereich erhöhen. Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn die Anzahl der Zahlungsausfälle bei Projekten, die über Crowdinvesting-Plattformen vermittelt wurden, zunimmt. Ist die Emittentin zur Erfüllung von eventuell steigenden Anforderungen nicht in der Lage, kann dies laut BIB einen Wettbewerbsnachteil und im Extremfall die Einstellung der Geschäftstätigkeit zur Folge haben.

Für Anlegerinnen und Anleger besteht das Risiko, dass sie ihr bei der Emittentin eingesetztes Kapital vollständig verlieren.

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