Biogasanlage der UDI-Gruppe. Anlegerinnen und Anleger haben mit UDI-Investments wahrscheinlich mehr als 100 Millionen Euro verloren. / Foto: UDI

  Anleihen / AIF, Wachhund

Weiteres Urteil gegen UDI: Anleger bekommt Schadenersatz zugesprochen

Die UmweltDirektInvest-Beratungsgesellschaft mbH und ein ehemaliger Geschäftsführer der Nürnberger UDI-Gruppe müssen einem Anleger Schadensersatz zahlen. Das hat das Landgericht Leipzig entschieden. Das am 8. Mai ergangene Urteil (Aktenzeichen 09 O 2061/22) ist noch nicht rechtskräftig.

Der Anleger hatte 2012 der UDI Energie Festzins IV GmbH & Co. KG ein unbesichertes Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt in Höhe von 5.000 Euro gewährt, in den Folgejahren allerdings nur 1.258 Euro an Ausschüttungen zurückerhalten. 2021 rutschte das Unternehmen zusammen mit zahlreichen weiteren Firmen der UDI-Gruppe in die Insolvenz (ECOreporter berichtete unter anderem hier).

Aufsichtspflichten verletzt

Der Anleger verklagte daraufhin die UmweltDirektInvest-Beratungsgesellschaft mbH als Anlagevermittlerin und den ehemaligen UDI-Geschäftsführer, der den Darlehensprospekt unterzeichnet hatte, wegen unzureichender Aufklärung und Prospektfehlern. Das Landgericht Leipzig stellte fest, dass die Beklagten ihre Aufsichtspflichten verletzt hatten, indem sie den Anleger nicht über die tatsächlichen Risiken der Kapitalanlage und das erhebliche Totalverlustrisiko aufklärten. Problematisch seien unter anderem die irreführende Darstellung der Kapitalanlage als „solide Wertanlage“ und die Verwendung des Begriffs „Festverzinsung“ gewesen. Beide Begriffe hätten suggeriert, dass es sich um sichere und risikoarme Investments handelte.

Die Beklagten müssen dem Anleger nun den vollen Schaden in Höhe von knapp 3.742 Euro nebst Zinsen sowie entgangene Gewinne in Höhe von 1.000 Euro erstatten.

„Das Urteil des LG Leipzig zeigt in beeindruckender Weise, dass sich Verbraucherschutz auch im Bereich der Rechtsprechung zunehmend etabliert und durchsetzt“, sagt Rechtsanwalt Alexander Weigert von der Kanzlei AKH-H, der den Anleger in dem Rechtsstreit vertreten hat. „Wenn man als Anbieter der UDI-„Festzins“-Geldanlagen mit dem Begriff des festen Zinses auf Anleger zugeht und als Geschäftsführer hierfür tätig wird und insbesondere den Emissionsprospekt auf dem Titelbild mit Festzins überschreibt, suggeriert man damit den Anlegern und Erwerbern gleichermaßen, wie eine Sparkasse beziehungsweise Bank tätig zu sein und sichere Anlagen anzubieten.“

Ende 2023 hatte bereits das Oberlandesgericht Dresden den ehemaligen UDI-Geschäftsführer zur Zahlung von Schadenersatz an Anlegerinnen und Anleger verurteilt, die 2012 und 2013 „Festzins“-Nachrangdarlehen von UDI gezeichnet hatten (ECOreporter berichtete hier).

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