Delignit gibt an, Holz aus nachhaltiger Forstbewirtschaftung zu verwenden. / Foto: Pixabay

  Nachhaltige Aktien

Aktienanalyse Delignit AG: Holz-Unternehmen schweigt sich über Nachhaltigkeit aus

Das Geschäftsfeld der Delignit AG ist simpel: Es geht um Holz. Das Unternehmen aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen entwickelt, fertigt und vertreibt Holzwerkstoffe. Aber hat Delignit auch das Zeug zur ECOreporter-Favoriten-Aktie?

1799 gründeten die Familien Hausmann und Telemann in Königswinkel im Allgäu Deutschlands erste Fabrik zur Verarbeitung von Sperrholz: die Blomberger Holzindustrie B. Hausmann GmbH & Co. KG. Heute ist das Unternehmen unter dem Namen Delignit AG in den Bereichen Automobil, Schienenverkehr und Sicherheitstechnik aktiv – mit Kunden auf der ganzen Welt.

Automobil- und Technologieanwendungen

Delignit arbeitet in Automobil- und Technologieanwendungen. Der Unternehmensbereich Automotive konzentriert sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Sicherheitseinrichtungen für den Pkw-Innenraum und die Laderaumsicherung für leichte Nutzfahrzeuge, wie beispielsweise für Böden, Wände und Trennwände.

Das Segment Technologische Anwendungen stellt Böden für Fabriken und Schienenfahrzeuge her, Brandschutz und Schallschutz in öffentlichen Gebäuden und Werkzeuge zur Blechumformung.

Das operative Geschäft der Delignit AG wird durch die Konzerngesellschaft Blomberger Holzindustrie GmbH geführt. Zur Delignit Gruppe gehören außerdem die DHK automotive GmbH (Übernahme 2013) sowie die Delignit North America Incorporated. 2003 wurde die Delignit AG durch die mittelständische und familiengeführte Beteiligungsgesellschaft MBB SE übernommen. Im Oktober 2007 brachte MBB Delignit an die Börse. MBB mit Sitz in Berlin hält 76 Prozent der Anteile an dem Unternehmen (Stand Dezember 2019). Die Familien der ursprünglichen Firmengründer Hausmann und Telemann sind heute als Aktionäre nur noch mit weniger als 1 Prozent der Aktienanteile an Delignit beteiligt.

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Delignit beschäftigt 2019 insgesamt 356 Mitarbeiter. 2012 waren es noch 213. Die Firmenzentrale befindet sich in Blomberg in Nordrhein-Westfalen. Weitere Standorte liegen in Sachsen und in den USA. Produziert wird in Deutschland und Rumänien. Delignit bezieht seinen wichtigsten Rohstoff Holz eigenen Angaben zufolge aus “nachhaltigen und regionalen Forstbewirtschaftungen“. Was darunter genau zu verstehen ist, konnte ECOreporter nicht ermitteln, da das Unternehmen auf Anfragen nicht reagierte.

Umsatzsteigerung seit 2012

Seit 2012 steigert Delignit Jahr für Jahr seinen Umsatz: 2012 erzielte der Holzspezialist einen Jahresumsatz von 34,1 Millionen Euro. 2018 waren es 60,3 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte des Umsatzes (56 Prozent) entfiel 2018 auf Deutschland, 39 Prozent auf weitere europäische Länder und 5 Prozent auf den Rest der Welt. Hauptwachstumstreiber war jahrelang die hohe Nachfrage aus der Automobilindustrie.

Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2019 konnte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10 Prozent auf knapp 23,8 Millionen Euro gesteigert werden. Ob der Gesamtumsatz 2019 höher ausfallen wird als im Vorjahr, ist allerdings unklar. Denn mittlerweile schwächelt die Autoindustrie. Für Delignit ist sie mit der wichtigste Auftraggeber.

Gewinneinbruch 2019

Von 2015 bis 2018 steigerte Delignit den Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT). 2015 betrug das EBIT 2 Millionen Euro, 2016 2,4 Millionen Euro. 2017 waren es 3,1 Millionen Euro, 2018 schließlich 4,03 Millionen Euro.

Im ersten Halbjahr 2019 erlitt das Unternehmen einen Gewinneinbruch um mehr als 36 Prozent. In der ersten Jahreshälfte 2018 betrug das EBIT fast 2,1 Millionen Euro, im ersten Halbjahr 2019 nur 1,3 Millionen Euro. Trotz 10 Prozent Umsatzsteigerung. Delignit begründet das schwache Ergebnis im Geschäftsbericht mit kurzfristigen Änderungen am Lieferumfang eines Großauftrags, der den Gewinn „im hohen sechsstelligen Bereich“ geschmälert habe. Außerdem habe man ein neu eingeführtes Computersystem zur Optimierung von Ressourcen und Prozessen noch nicht vollständig nutzen können.

Aktienkurs niedriger als beim Börsengang

Die Delignit AG hat (Stand 12.12.2019) eine Marktkapitalisierung von 42,9 Millionen Euro. Insgesamt hat das Unternehmen knapp 8,2 Millionen Aktien.

Vor einem Jahr (12.12.2018) kostete die Delignit-Aktie 6,80 Euro. Aktuell notiert sie am Handelsplatz Xetra bei 5,24 Euro. In den vergangenen drei Monaten hat der Kurs um fast 7 Prozent zugelegt. Seit dem Börsengang vor mehr als zwölf Jahren liegt die Aktie 26 Prozent im Minus. Zum Vergleich: Der deutsche Mittelstands-Index MDAX legte im gleichen Zeitraum etwa 260 Prozent zu. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Delignit ist mit mehr als 39 sehr hoch. Das ist auf den in 2018 stark angestiegenen Gewinn zurückzuführen. Das Durchschnitts-KGV aus den Jahren 2012 bis 2018 beträgt 21,5 (2012: 9,6; 2018: 19,8).

Der Spread, also die Preisspanne zwischen An- und Verkaufspreis, an deutschen Handelsplätzen ist bei Delignit für ein deutsches Unternehmen ungewöhnlich hoch. Er schwankt zwischen 3 und 5 Prozent.

Dividende: Delignit zahlt seit 2013 an seine Aktionäre eine Dividende. 2013 betrug sie 3 Cent je Aktie, 2018 wurden 8 Cent ausgezahlt, und für 2019 sollen Anleger 5 Cent bekommen. Delignit schüttete in der Vergangenheit zwischen 10 und 20 Prozent der Unternehmensgewinne an die Aktionäre aus, das ist ein guter Wert.

Nachhaltigkeit: Delignit beschreibt auf der Unternehmens-Homepage in blumigen Worten die Nachhaltigkeitsanstrengungen. Genaue Informationen hat ECOreporter jedoch nicht. Einer telefonischen und schriftlichen Anfrage von ECOreporter mit der Bitte um weitere und konkrete Auskünfte zur Nachhaltigkeit kam Delignit nicht nach. ECOreporter kann die Nachhaltigkeit des Unternehmens deshalb nicht abschließend einschätzen. Dass Holz aus einer nachhaltigen Forstbewirtschaftung stamme, wie es Delignit angibt, sagt erstens wenig aus und reicht zweitens nicht, um ein Unternehmen als nachhaltig einzustufen.

K.O.-Kriterien: Nicht zu beurteilen.

Fazit: Eine Aktie, deren Nachhaltigkeit aufgrund mangelnder Informationen nicht beurteilt werden kann. Eine Aktiengesellschaft, die mit den Auswirkungen der Autokrise zu kämpfen hat: Beides spricht nicht für einen Kauf.

ECOreporter empfiehlt aus der Holz- und Papierbranche die Aktien des österreichischen Verpackungskonzerns Mayr-Melnhof und des schwedischen Zellulose-Spezialisten Essity – zwei ECOreporter-Favoriten-Aktien aus der Kategorie nachhaltige Mittelklasse-Aktien.

Delignit AG: ISIN DE000A0MZ4B0 / WKN A0MZ4B

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