Hauptgebäude der Allianz in München. Die Allianz-Aktie hat sich auf lange Sicht gut entwickelt. / Foto: Unternehmen

  Nachhaltige Aktien

Allianz: Saftig grün trotz Kohle und Atomwaffen?

Der Versicherungsriese Allianz will kein Geld mehr mit Kohle verdienen. Bei genauerem Hinsehen gibt es aber Ausnahmen. Und andere umstrittene Geschäfte. Wie nachhaltig ist der Münchener Konzern? Welche Aussichten hat die Aktie?

Kranken-, Lebens- und Schadenversicherungen – das ist das Kerngeschäft der Allianz. Mit einem Jahresumsatz von mehr als 140 Milliarden Euro ist die Allianz das fünftgrößte Versicherungsunternehmen der Welt. Zudem gehört der 1890 gegründete Konzern mit einem Anlagevermögen von fast 2,4 Billionen Euro zu den größten Vermögensverwaltern (Stand Ende 2020). Über die Tochterunternehmen Allianz Global Investors und Pimco vertreibt die Allianz neben herkömmlichen auch nachhaltige Finanzprodukte, etwa den Aktienfonds Allianz Global Sustainability.

Stand März 2020 beschäftigte der Konzern weltweit über 174.000 Menschen und betreute etwa 100 Millionen Kundinnen und Kunden in mehr als 70 Ländern.

Raus aus der Kohle – aber nicht sofort und überall

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Die Allianz bietet eigenen Angaben zufolge seit 2015 nur noch in Ausnahmefällen Versicherungen für neue Kohlekraftwerke und Kohleminen an – beispielsweise in Entwicklungsländern, in denen Menschen sonst keinen Zugang zu Elektrizität haben. Zudem versichere und investiere man nicht mehr in Unternehmen, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohleförderung oder Kohlestrom erzielen. Anfang 2023 soll die Toleranzschwelle auf 25 Prozent sinken, bis 2040 will die Allianz komplett aus Kohlegeschäften aussteigen. Diese Richtlinien gelten allerdings laut der Nichtregierungsorganisation urgewald nicht für Investitionen, die die Allianz im Auftrag von Kunden tätigt – immerhin drei Viertel des verwalteten Vermögens.

Die Allianz gehört für die Nachhaltigkeits-Ratingagenturen V.E (vormals Vigeo Eiris) und MSCI ESG zu den zehn Prozent der nachhaltigsten Versicherungsunternehmen. V.E schätzt das Engagement des Konzerns in den Bereichen Umweltschutz und Menschenrechte als überdurchschnittlich hoch ein. Aber es gibt auch Kritik: Unter anderem, weil die Allianz weiterhin in Unternehmen investiert, die Regenwälder abholzen oder Atomwaffen herstellen.

Robust durch die Krise

Die Allianz ist besser als erwartet durch das Corona-Jahr 2020 gekommen. Der Umsatz ging zum Vorjahr nur um 1 Prozent auf 140,5 Milliarden Euro zurück. Der Nettogewinn sank um 14 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro, weil die Versicherungsschäden durch Betriebsunterbrechungen und abgesagte Großveranstaltungen deutlich gestiegen waren. Analysten hatten im Schnitt mit höheren Gewinneinbußen gerechnet.

Im Geschäftsjahr 2021 will die Allianz ihren operativen Gewinn auf 11 bis 13 Milliarden Euro steigern. 2020 lag der operative Gewinn bei 10,8 Milliarden Euro.

Wie attraktiv ist die Aktie?

Die Allianz-Aktie hat seit der Finanzkrise 2008 mehr als 240 Prozent an Wert gewonnen. Auf Sicht von fünf Jahren hat sie 45 Prozent zugelegt, im Jahresvergleich ist sie nach hohen Verlusten im Corona-Crash-Monat März 2020 noch 15 Prozent im Minus. Aktuell notiert die Aktie im Tradegate-Handel bei 198,02 Euro (Stand 19.2.2021, 12:19 Uhr). Das entspricht einer Marktkapitalisierung von 81,6 Milliarden Euro. Mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,5 ist die Aktie günstig bewertet.

Die Aktien des DAX-Konzerns befinden sich zu 100 Prozent in Streubesitz. Seit 2008 schüttet die Allianz steigende oder gleichbleibende Dividenden aus, in der Regel 50 Prozent des Jahresüberschusses. Für das Geschäftsjahr 2019 zahlte der Konzern 9,60 Euro je Aktie, für 2020 soll die Dividende unverändert bleiben.  Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei attraktiven 4,8 Prozent.

Fazit: Mit ihren Investments in Kohle, Atomwaffen und die Abholzung von Regenwäldern ist die Allianz kein kerngrünes Unternehmen. Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit sind aber erkennbar.

Finanziell steht der Konzern auch in der Corona-Pandemie gut da. Solange das Virus die Wirtschaft belastet, wird die Allianz mit moderaten Gewinneinbußen leben müssen. Die Chancen stehen aber gut, dass der Konzern die Krise ohne größere Blessuren überstehen wird. Momentan ist die Aktie günstig bewertet. Wer keine sehr hohen Nachhaltigkeitsansprüche hat, kann mit einer kleinen Position einsteigen.

Allianz SE: ISIN DE0008404005 / WKN 840400

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