Alstom baut Fern- und Regionalzüge, Güter-Loks und Signaltechnik. Auch Wasserstoffzüge hat der Konzern im Programm. / Foto: Alstom

  Nachhaltige Aktien

Alstom: 50 neue Elektroloks aus Kassel, Ärger in Salzgitter

Der französische Eisenbahnbauer Alstom hat einen Großauftrag von der belgischen Staatsbahn SNCB erhalten. Mit einer anderen Bestellung gibt es Probleme. Kann die Alstom-Aktie ihren Abwärtstrend stoppen?

Die SNCB hat bei Alstom 24 Elektrolokomotiven in Auftrag gegeben. Die im Mannheim entworfenen Loks mit einer Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h sollen im Alstom-Werk in Kassel gebaut werden, erste Auslieferungen sind für 2026 vorgesehen. Alstom nennt als Auftragsvolumen 120 Millionen Euro. Die belgische Staatsbahn hat zudem die Option, bis zu 26 weitere Elektrolokomotiven bei Alstom zu bestellen.

Schlechte Stimmung herrscht hingegen derzeit am Alstom-Standort Salzgitter. Dort sollten für einen norwegischen Auftraggeber zahlreiche Regionalzüge gebaut werden (ECOreporter berichtete hier). Der Betriebsrat des Werkes befürchtet nun, dass der Auftrag weitestgehend im polnischen Breslau bearbeitet wird. In einem Brief an den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) heißt es, man habe das Alstom-Management "aufgefordert, die abgeschlossenen Verträge einzuhalten und die Maßnahmen zur Verlagerung der Rohbaufertigung zu unterlassen". Alstom erklärte dazu am Donnerstag: "Wir richten den Standort Salzgitter auf die künftige Marktsituation aus."

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Das Werk soll laut Alstom künftig vor allem für Aluminium-Rohbauten und Innenausbauten eingeplant werden. In Salzgitter war es in den letzten Jahren bereits mehrfach zu Unterauslastungen gekommen. An dem Standort beschäftigt Alstom ungefähr 2.400 Menschen. Der Konzern will in Deutschland 900 bis 1.300 Stellen in der Produktion streichen (mehr dazu können Sie hier lesen).

Die Alstom-Aktie kostet im Tradegate-Handel aktuell 26,30 Euro (Stand 8.2.2022, 9:11 Uhr). Seit Anfang 2021 ist der Kurs kontinuierlich gesunken, im Jahresvergleich hat die Aktie 39 Prozent abgegeben. Eine Erholung deutet sich bislang nicht an, auf Wochensicht hat die Aktie 8 Prozent verloren.

Alte Aufträge belasten das Geschäft

Der Grund für die Kursverluste: Alstom hat Probleme mit der Integration des wirtschaftlich schlechter aufgestellten Konkurrenten Bombardier Transportation, den man Anfang 2021 übernommen hat. Hohe Umstrukturierungskosten und margenschwache Altaufträge von Bombardier sorgten im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2021/22 (April bis September) trotz deutlich gestiegener Umsätze für einen Nettoverlust von 26 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte Alstom einen Nettogewinn von 170 Millionen Euro ausgewiesen.

Bei der Integration von Bombardier Transportation sieht sich Alstom aber weiterhin im Zeit- und Kostenplan. Ab 2025 will der Konzern pro Jahr von Synergieeffekten der Übernahme in Höhe von 400 Millionen Euro profitieren und eine Vorsteuergewinnmarge von 8 bis 10 Prozent erreichen. Für das zweite Halbjahr 2021/22 rechnet Alstom mit Zuwächsen bei Umsatz und Ergebnis.

Die Redaktion sieht trotz der aktuellen Schwierigkeiten weiterhin solide langfristige Perspektiven für Alstom. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Geschäftsjahr 2021/22 von 13 ist sie nicht teuer. Anlegerinnen und Anleger mit einem langen Investitionshorizont können überlegen, mit einer kleinen Position einzusteigen. Allerdings sind derzeit weitere Kursverluste möglich, und es ist unklar, wie sozialverträglich Alstom seinen geplanten Stellenabbau umsetzen wird. ECOreporter verfolgt die weiteren Entwicklungen.

Lesen Sie auch: Weichen stellen für die Klimawende - 20 nachhaltige Bahnaktien.

Alstom S.A.: ISIN FR0010220475 / WKN A0F7BK

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