Alstom baut Fern- und Regionalzüge, Güter-Loks und Signaltechnik. Auch Wasserstoffzüge hat der Konzern im Programm. / Foto: Alstom

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Eisenbahnbauer Alstom streicht in Deutschland bis zu 1.300 Stellen

Der französische Bahnkonzern Alstom will an mehreren deutschen Standorten Personal abbauen. Die Gewerkschaft IG Metall reagiert verschnupft.

Von den Stellenkürzungen betroffen sind nach Unternehmensgaben unter anderem die Produktionsstätten im sächsischen Görlitz und Bautzen sowie das Werk im niedersächsischen Salzgitter. Alstom zufolge müsse man „eine Anpassung der Positionen in der Fertigung" vornehmen, es gehe dabei in den nächsten drei Jahren um 900 bis 1.300 Stellen.

Gleichzeitig kündigt der Konzern an, im Digital- und Ingenieursbereich bis zu 700 neue Arbeitsplätze zu schaffen, etwa in Berlin, Braunschweig und Mannheim. Um die Einsparungen in der Produktion käme man nicht herum, wenn man wettbewerbsfähiger werden wolle, heißt es von Alstom.

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Nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall beschäftigt Alstom in Deutschland derzeit etwa 9.400 Menschen. IG-Metall-Bezirkschefin Birgit Dietze nennt die Pläne des Konzerns kurzsichtig. „Personalabbau ist ein einfaches und zunächst schnell wirksames Mittel“, sagt sie. „Auf lange Sicht bedeutet das aber Know-how-Verlust.“ Man werde die Kürzungen nicht einfach hinnehmen.

Die Alstom-Aktie verliert seit Januar beständig an Wert. Auf Sicht von drei Monaten hat sie 11 Prozent abgegeben, im Jahresvergleich beträgt das Minus 31 Prozent. Auf fünf Jahre gesehen liegt die Aktie 29 Prozent im Plus. Aktuell kostet sie an der Frankfurter Börse 30,78 Euro (Stand 13.12.2021, 8:19 Uhr).

Bombardier-Übernahme belastet weiterhin

Alstom hat weiterhin Probleme mit der Integration des wirtschaftlich schlechter aufgestellten Konkurrenten Bombardier Transportation, den man Anfang 2021 übernommen hat. Hohe Umstrukturierungskosten und margenschwache Altaufträge von Bombardier sorgten im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2021/22 (April bis September) trotz deutlich gestiegener Umsätze für einen Nettoverlust von 26 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte Alstom einen Nettogewinn von 170 Millionen Euro ausgewiesen.

Bei der Integration von Bombardier Transportation sieht sich Alstom aber weiterhin im Zeit- und Kostenplan. Ab 2025 will der Konzern pro Jahr von Synergieeffekten der Übernahme in Höhe von 400 Millionen Euro profitieren und eine Vorsteuergewinnmarge von 8 bis 10 Prozent erreichen. Für das zweite Halbjahr 2021/22 rechnet Alstom mit Zuwächsen bei Umsatz und Ergebnis.

Die Redaktion sieht trotz der aktuellen Schwierigkeiten weiterhin solide langfristige Perspektiven für Alstom. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Geschäftsjahr 2021/22 von 21 ist die Aktie noch moderat bewertet. Anlegerinnen und Anleger mit einem langen Investitionshorizont können überlegen, mit einer kleinen Position einzusteigen.

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Alstom S.A.: ISIN FR0010220475 / WKN A0F7BK

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