Recherchen aus Großbritannien zeigen, wie in Lieferketten für Solarmodule Zwangsarbeit in China involviert sein könnte. / Symbolfoto: Pixabay

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Bericht: Britische Solarprojekte haben womöglich Verbindung zu Zwangsarbeit

Eine hohe Zahl britischer Solarprojekte verwendet womöglich Module, die mit Rohstoffen aus Zwangsarbeit hergestellt wurden. Das berichtet der britische „Guardian“ unter Berufung auf eigene Recherchen. Betroffen seien sowohl staatliche als auch private Projekte.

Demnach deuteten "vertrauliche Daten aus der Industrie", die der Zeitung vorliegen, darauf hin, dass bis zu 40 Prozent der britischen Solarparks mit Paneelen gebaut wurden, die von Chinas größten Solarmodulherstellern stammten. Darunter sind etwa Jinko Solar, JA Solar und Trina Solar. Diesen Unternehmen wiederum wird in einer Untersuchung der US-Beratungsfirma Horizon Advisory vorgeworfen, das für die Modulherstellung benötigte Polysilizium aus Fabriken mit Zwangsarbeitern in der chinesischen Provinz Xinjiang zu beziehen.

In dem Bericht wird geschildert, dass China mittlerweile etwa eine Million Menschen der muslimischen Minderheit der Uiguren in der Provinz in Zwangsarbeitslagern interniert habe. Seit 2016 soll es eine Strategie der systematischen Internierung geben. Britische Abgeordnete bezeichneten die Vorgänge in der vergangenen Woche als Völkermord.

Xinjiang ist ein wichtiger Standort für Polysilizium

Unternehmen mit Fabriken oder wichtigen Zulieferern in Xinjiang produzieren laut Horizon Advisory etwa ein Drittel des Polysiliziums, das weltweit für die Herstellung von Solarzellen verwendet wird. China ist Weltmarktführer in der Polysiliziumproduktion.

Bis zu 40 Prozent der bestehenden Solarparks in Großbritannien wurden mit Paneelen von den im Bericht genannten Unternehmen gebaut, zitiert der "Guardian" eine anonyme Quelle aus der Industrie. Während viele von ihnen vor 2016 gebaut wurden, nennt der "Guardian" eine Reihe von neueren Geschäften, „die Fragen darüber aufwerfen, wie sorgfältig britische Unternehmen und Regierungsbehörden ihre Lieferketten überprüfen“.

Mehrere geplante Projekte, etwa vom britischen Verteidigungsministerium und der Coal Authority, einer Regierungsbehörde, werden demnach Solarmodule von kritischen Firmen wie Jinko Solar, JA Solar und Trina Solar beziehen.

Sowohl staatliche Stellen wie auch private Firmen beantworteten dem "Guardian" keine Fragen dazu, inwieweit Lieferketten überprüft würden. Es wurde lediglich wiederholt pauschal erklärt, Vorwürfe ernst zu nehmen und zu überprüfen. Die Lobbygruppe Solar Energy UK erklärte, derzeit werde „ein Rückverfolgbarkeitsprotokoll“ entwickelt, das die globale Lieferkette auf Menschenrechtsverletzungen prüfen soll. Künftig würden Aufträge nur noch an Lieferanten vergeben, die Polysilizium nachweislich nur aus unkritischen Fabriken beziehen.

Xinjiangs Polysilizium-Interessen werden angeblich vom Xinjiang Production and Construction Corps kontrolliert, einer wirtschaftlichen und paramilitärischen Organisation. Wegen Menschenrechtsverletzungen gegen uigurische Muslime ist sie mit US-Sanktionen belegt.

"Gesamte Solar-Lieferkette verwickelt"

Die US-Beratungsfirma Horizon Advisory erklärt in ihrer Untersuchung, dass die Polysiliziumfirmen "aktiv an der Umsiedlung" von Uiguren beteiligt zu sein scheinen. Sie würden "umgesiedelte Arbeitskräfte in Produktionsstätten in Xinjiang einsetzen" und zu den "Umerziehungsprogrammen" für Uiguren beitragen. Der Bericht behauptet, dass die Abhängigkeit von Xinjiang effektiv "die gesamte Solar-Lieferkette in die Menschenrechtsverletzungen verwickelt".

Viele der größten chinesischen Solarhersteller sind eng miteinander verbunden. Die Daqo Group, einer der größten Polysilizium-Lieferanten der Welt, der bedeutende Betriebe in Xinjiang hat, liefert sein hochreines Silizium etwa an Jinko Solar und Longi. Longi wiederum liefert Komponenten für Solarmodule laut Horizon Advisory an Unternehmen wie JA Solar und Trina Solar.

Dem "Guardian" zufolge reagierte keines der Unternehmen auf Anfragen nach einem Kommentar zum Einsatz von Zwangsarbeit in der Region Xinjiang. Alle Firmen gaben hingegen pauschale Erklärungen ab, in denen sie Zwangsarbeit grundsätzlich verurteilten.

Erst in der vergangenen Woche hatte das unter anderem auf Studien zu sozialer Gerechtigkeit in der Weltwirtschaft spezialisierte Südwind-Institut mit Sitz in Bonn kritisiert, dass Produkte aus Zwangsarbeit in China nach wie vor Zugang zum europäischen Markt hätten.

Eine garantiert unbelastete Fertigung von Solarzellen und Solarmodulen baut aktuell der Schweizer Solarkonzern Meyer Burger in Deutschland auf. Für die dazu benötigten Wafer hat der Konzern Verträge mit mehreren Herstellern geschlossen, die den wichtigsten Rohstoff Polysilizium vom Münchener Unternehmen Wacker Chemie beziehen.

Laut Meyer Burger haben alle Hersteller zugesichert, ihre Wafer ausschließlich aus Polysilizium von Wacker Chemie zu sägen, das in Europa produziert wird. 

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