Ein Solarpark von IBC Solar: Das Ausschreibungsmodell für neue Photovoltaik-Projekte in Deutschland hat für sinkende Fördertarife gesorgt. / Foto: Unternehmen

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Bieten neue Solarparks Investitionschancen?

Können neue Solarparks in Deutschland noch Chancen für private und institutionelle Anleger darstellen - trotz des Preisdrucks? 

4,33 Cent je Kilowattstunde (kWh): Das war der durchschnittliche Zuschlagswert bei der letzten Ausschreibungsrunde für neue Solarparks in Deutschland. Wir hatten darüber berichtet.

Unter welchen Bedingungen sind diese niedrigen Zuschlagswerte auskömmlich, um derzeit Solarprojekte wirtschaftlich realisieren zu können? Welche Faktoren  sind entscheidend? Wer unterstützt den Solarzubau in Deutschland, ohne es zu wollen? Und welche Möglichkeiten bietet der veränderte Solarmarkt für Anleger? 

ECOreporter hat zwei führende Solarunternehmen in Deutschland unabhängig voneinander dazu befragt: Die familiengeführte IBC Solar AG mit Hauptsitz in Bad Staffelstein in Bayern gehört zu den Pionieren der Solarbranche.

Seit der Gründung 1982 hat das Unternehmen mehr als 3.300 Megawatt (MW) an Solarleistung installiert und sich zum Systemhaus für Photovoltaik- und Energielösungen entwickelt.

Die inhabergeführte Wattner AG aus Köln entwickelt, finanziert und errichtet seit 2004 Solarkraftwerke. Als Emissionshaus hat Wattner bislang sieben Solar-Vermögensanlagen auf den Markt gebracht, die bereits in Solarkraftwerke mit zusammen über 270 MW Leistung in Deutschland investierten.

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ECOreporter.de: Sind die Zuschlagswerte der letzten Solar-Ausschreibungsrunde auskömmlich, um derzeit Solarprojekte wirtschaftlich realisieren zu können? Oder ist hier Voraussetzung für eine wirtschaftlich sinnvolle Realisierung, dass die Modulpreise in 2018/2019 weiter in dem Umfang sinken, wie es 2016/2017 passiert ist?

Oliver Partheymüller, Leiter Projektentwicklung & EPC (Engineering, Procurement and Construction) Deutschland bei der IBC Solar AG: Ob sich mit diesen Preisen ein Projekt wirtschaftlich, daher mit Gewinn realisieren lässt, ist immer vom Einzelfall abhängig. Da spielen alle mögliche Faktoren eine Rolle: Wie ist der Baugrund beschaffen, zu welchen Kosten lässt sich der Netzanschluss realisieren, wie hoch sind die Pachten, welche Ausgleichsmaßnahmen müssen geschaffen werden, welche Module sind wann zu welchen Preisen verfügbar und vieles mehr.

Am Ende ist es immer eine individuelle Rechnung, die für jeden Standort neu aufgemacht werden muss. Nur so lässt sich eine seriöse Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellen, die dann auch in einer erfolgreichen Projektrealisierung mündet. Gezielt oder sogar ausschließlich auf sinkende Modulpreise zu setzen, um die Wirtschaftlichkeit zu schaffen, halte ich für ein teures und unseriöses Glücksspiel.

Ulrich Uhlenhut, Vorstand der Wattner AG: Die aktuell niedrigen Zuschlagwerte sind realisierbar. Hier ist es wie immer eine Frage aller Variablen. Gerade die Flächen in Bayern haben beste Sonneneinstrahlung, da muss man dann nicht auf fallende Modulpreise warten. Ob der Netzanschluss direkt am Standort liegt oder erst mehrere Kilometer Trasse gelegt werden müssen, ist ein entscheidendes Kriterium heutzutage.

Ein wesentlicher Aspekt für die momentan niedrigen Zuschläge ist auch Donald Trump mit seiner Entscheidung für Modulimportbeschränkungen. Da die USA nun bald keine Module aus Asien mehr aufnehmen werden, gehen die bald wieder billig zu uns. Darauf haben gewiss viele Bieter spekuliert.

Wie beurteilt IBC Solar den Einfluss der Strafzölle in den USA?

Partheymüller: Die Strafzölle werden sicherlich eine Rolle spielen. Aber wie sich die Preise zu dem Zeitpunkt darstellen, an dem das Projekt realisiert werden kann oder muss, das ist zum heutigen Zeitpunkt ein Blick in die Glaskugel. Aus den vergangenen Ausschreibungen wissen wir, dass viele Projekte, die einen Zuschlag erhalten haben, doch nicht realisiert wurden.

Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur. In einigen Fällen werden auch Spekulationen auf niedrige Modulpreise eine Rolle gespielt haben, die dann doch nicht so eingetreten sind wie erhofft.

Welche Rolle hat die Freigabe von benachteiligten Ackerflächen in Baden-Württemberg und Bayern für die Entwicklung der Zuschlagswerte gespielt? Ist es möglich, dass für Solarparks auf Ackerflächen niedrigere Zuschlagswerte wirtschaftlich auskömmlich sind als beispielsweise auf Randflächen an Autobahnen/Bahntrecken? Mögliche Gründe: Ackerflächen ermöglichen größere Solarparks (economies of scale), Grundstückszuschnitte sind bei Randflächen ungünstiger, die Bodenbeschaffenheit bei Ackerflächen ist in der Regel unproblematischer als bei Rand- oder Konversionsflächen (Bodenversiegelung, Altlasten). Wie schätzen Sie das ein?

Uhlenhut: Die Gründe, die Sie als Pro-Argumente für Ackerflächen nennen, treffen zu. Insbesondere die in der Regel zügige Bebaubarkeit ohne Altlastenprobleme. Große Flächen gibt es aber auch woanders und werden heute durch jeden Projektentwickler angestrebt.

Partheymüller: Klar ist, je weniger Aufwand in die Vorbereitung des Baugrunds fließt, desto besser. Im Hinblick auf die Ackerflächen teilen wir Ihre Einschätzung. Dazu ist noch zu ergänzen, dass Projektentwickler bei diesen Flächen schon sehr frühzeitig - bereits bei der Ersteinschätzung - gefordert sind, möglichst alle Rahmenbedingungen zu bewerten.

Geschieht das, haben Ackerflächen definitiv die von Ihnen genannten Vorteile in den Ausschreibungsverfahren im Vergleich zu Randstreifen, Konversionsflächen und Deponien.

IBC Solar bei der letzten Ausschreibung den Zuschlag für vier Solarparks erhalten. Werden Privatanleger (voraussichtlich) die Möglichkeit haben, sich an diesen Solarprojekten zu beteiligen?

Partheymüller: IBC Solar legt bereits seit einigen Jahren keine neuen Solarfonds mehr auf, sondern managt das vorhandene Portfolio im Rahmen der kaufmännischen und technischen Betriebsführung.

Derzeit planen wir nicht, neue Solarfonds aufzulegen. Unsere Ausschreibungsprojekte sind für Privatanleger grundsätzlich nicht geeignet. Hier kommen nur institutionelle Investoren wie zum Beispiel Rentenfonds und reine Finanzinvestoren zum Zuge.

Privatanleger können wir derzeit im Projektsegment "750-kW-Anlage" berücksichtigen. Hier arbeitet IBC Solar gezielt mit Privatinvestoren, Kommunen, Energiegenossenschaften oder kleineren Stadtwerken zusammen.

Anmerkung der Redaktion: Beispielsweise arbeitet IBC Solar mit der 7x7energie GmbH bei der Realisierung von Solarparks mit einer Nennleistung von unter 750 Kilowatt (kW) zusammen. In solche kleinere Solaranlagen investiert die 7x7 Energiewerte Deutschland II. GmbH & Co. KG. Diese bietet derzeit eine Anleihe an, die wir in einem ECOanlagecheck analysiert haben.

Die Wattner SunAsset 7 GmbH & Co. KG bietet derzeit ein Nachrangdarlehen an. Sie hat bereits in mehrere Solarparks in Deutschland investiert, die bereits in Betrieb sind. Anleger können die Vermögensanlage ab 3.000 Euro zeichnen. Wir haben das Angebot in einem ECOanlagecheck geprüft.

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