Mikrokreditkundin von Invest in Visions. / Foto: Unternehmen

11.05.20 Fonds / ETF , Gut erklärt - Mikrofinanzen

Corona weltweit: Mikrofinanzfonds verlieren an Wert

Die Corona-Krise hat längst auch die Schwellen- und Entwicklungsländer erreicht – also jene Länder, in denen Mikrofinanzfonds ihre Kredite vergeben. Die Kurse der Fonds geben nach. Allerdings offenbar nicht in erster Linie, weil Endkunden ihre Kreditraten nicht mehr bezahlen können.

Nach ECOreporter-Recherchen haben alle großen in Deutschland zugelassenen Mikrofinanzfonds im März und April an Wert verloren. Der IIV Mikrofinanzfonds der Invest in Visions GmbH aus Frankfurt beispielsweise büßte im April 2,55 Prozent ein.

Im aktuellen Monatsbericht des IIV Mikrofinanzfonds heißt es dazu:

"Der Grund für die signifikanten Wertabschläge liegt in der Verwendung eines Bewertungsmodells, das neben Finanzkennzahlen der MFIs (Mikrofinanzinstitute, an die der Fonds sein Geld verleiht – Anm. d. Red.) überproportional Länderrisiken anhand von Staatsanleihen berücksichtigt. Insgesamt weisen die Staatsanleihen in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern momentan deutlich erhöhte Risikoprämien (Spreads) auf, die wie im Fall von Ecuador dazu führen, dass Positionen in unserem Fonds aufgrund von Vorsichtsmaßnahmen neu bewertet wurden.

Positiv hervorzuheben ist, dass die negative Wertentwicklung im April im Wesentlichen nicht aus tatsächlichen Kredit- oder Zinsausfällen resultiert, sondern eine rein präventive Wertberichtigung darstellt. (...) Wichtig ist, dass es sich dabei nicht um Abschreibungen handelt, sondern um eine auf dem
Vorsichtsprinzip basierende Anpassung. Ohne diesen Sondereffekt läge die monatliche Performance bei circa +0,10 Prozent.

Das Portfolio des IIV Mikrofinanzfonds hat mit 20 Monaten eine geringe durchschnittliche Restlaufzeit. Infolgedessen erwarten wir, dass sich die wertadjustierten Darlehen mit näher rückender Fälligkeit ihrem Nennwert nähern und folglich schrittweise wieder aufgewertet werden.

Wir erwarten, dass es aufgrund von Liquiditätsengpässen und staatlich veranlassten Zahlungsmoratorien in einigen Ländern zu vorübergehenden Aussetzungen der Tilgungen kommen kann. Unsere Absicht ist es, die MFIs nach gründlicher Risikobewertung weiterhin zu unterstützen und durch diese herausfordernde Situation zu begleiten. Zu erwähnen ist auch, dass alle bedeutenden internationalen Gläubiger signalisiert haben, die MFIs in der aktuellen Situation zu fördern. Im Interesse der MFIs und der Mikrofinanzfonds werden Schuldenmoratorien oder Restrukturierungen unter Abwägung der Risiken so kosteneffizient und schnell wie möglich umgesetzt.“

Mehr zum Thema Mikrofinanzen und Corona können Sie im ECOreporter-Interview mit Invest in Visions-Gründerin Edda Schröder lesen.
 

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