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Crowdinvesting für großen Solarpark in Bayern mit 4 % Zins

Im Norden von Bayern soll im April ein Solarpark mit einer Nennleistung von über 50 Megawattpeak (MWp) in Betrieb gehen. Der Park ist bereits finanziert, hauptsächlich mit Bankkapital. Um einen Teil des Eigenkapitals zu refinanzieren, werden ab 100 Euro Nachrangdarlehen angeboten. Deren Zinssatz beträgt 4,0 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von rund fünf Jahren. Mittlerweile kann das Angebot auch deutschlandweit gezeichnet werden.

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Anbieterin und Emittentin der Nachrangdarlehen mit der Bezeichnung  „Crowdinvesting – Sonnenberg Issigau“ ist die Sonnenwerk Issigau Reitzenstein GmbH & Co. KG aus Reitzenstein in der Gemeinde Issigau (Oberfranken, Nordbayern).

Die Initiatoren des Solarparks Sonnenberg Issigau sind laut einer Projektbroschüre vom November 2021 Dr. Constantin Freiherr von Reitzenstein, die Gemeinde Issigau und Mario Münch. Reitzenstein (Jahrgang 1982) ist laut Projektbroschüre studierter Volkswirt und leitet als Geschäftsführer der Boscor-Gruppe den land- und forstwirtschaftlichen Familienbetrieb in Oberfranken, Sachsen und Thüringen. Mario Münch (Jahrgang 1981) ist den Angaben nach Inhaber von Münch Energie, einem rund 20 Jahre alten Pionier-Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien.

Die Kommanditisten der Emittentin sind laut Handelsregister Freiherr von Reitzenstein (55 Prozent), die Münch Kraftwerke GmbH & Co. KG (20 Prozent) und die Gemeinde Issigau (25 Prozent). Persönlich haftender Gesellschafter (Komplementärin) der Emittentin ist laut Handelsregister die Sonnenwerk Issigau Reitzenstein Verwaltungs GmbH mit ihren Geschäftsführern Constantin Freiherr von Reitzenstein und Mario Münch.

Geschäftstätigkeiten der Emittentin sind laut Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB, Stand: 16.2.2023) der Bau, der Betrieb und die Instandhaltung der Photovoltaikanlage in Issigau mit einer Leistung von 58 MWp sowie eng damit verbundene Aktivitäten der Energieerzeugung, -lieferung und -versorgung.

Projektstand

Das Solarprojekt Sonnenberg Issigau ist laut VIB zu 100 Prozent fertig geplant. Den Angaben nach liegen alle relevanten Verträge vor (Pachtverträge, Netzanschlussvertrag, Generalunternehmer-Vertrag mit der M. Münch Elektrotechnik GmbH & Co. KG, Darlehensverträge, Stromabnahmevertrag). Die Trassierung zum Umspannwerk ist zurzeit in Arbeit und zu ca. 50 Prozent fertiggestellt. Das Anlageobjekt ist fast fertig. Die Unterkonstruktion, die Module und alle Wechselrichter sind bereits verbaut (VIB, Stand jeweils 16.2.2023). Gemäß den Angaben auf der Vermittler-Internetseite des Crowdinvesting-Angebots Sonnenberg Issigau (Abruf: 17.3.2023) ist die Photovoltaik-Anlage inzwischen bereits vollständig errichtet, und die Inbetriebnahme soll im April 2023 erfolgen.

Finanzierung

Das Emissionsvolumen der angebotenen Nachrangdarlehen „Crowdinvesting – Sonnenberg Issigau“ beträgt insgesamt bis zu 4 Millionen Euro. Die voraussichtlichen Gesamtkosten des Solarprojektes liegen dem VIB zufolge bei 40,5 Millionen Euro. Die Solaranlage wurde laut VIB bereits durch Bankdarlehen von 36,0 Millionen Euro und aus Eigenkapitalmitteln von 4,5 Millionen Euro finanziert. Die Teil-Refinanzierung der Eigenkapitalmittel soll durch die Aufnahme von voraussichtlich insgesamt 4,0 Millionen Euro aus den Nachrangdarlehen erfolgen.

Laufzeit und Zins

Die Laufzeit der Nachrangdarlehen endet laut VIB am 31. Dezember 2027. Der Zinssatz der Nachrangdarlehen beträgt 4,0 Prozent pro Jahr.

Die Vermittlung der Vermögensanlage erfolgt über die Internet-Dienstleistungsplattform sonnenbergissigau.muench-crowdinvest.de der Concedus GmbH. Der Platzierungsstand des Crowdinvestings beträgt nach den Angaben auf der Plattform rund 2,2 Millionen Euro (Abruf: 17.3.2023, 9:00 Uhr). Damit ist die Fundingschwelle (Mindestplatzierungsvolumen) von 1 Million Euro überschritten. Laut VIB kann die Vermögensanlage deutschlandweit seit 15. März gezeichnet werden. Das Emissionsvolumen beträgt insgesamt maximal 4,0 Millionen Euro.

Geplante Einnahmen

Die jährliche Sonneneinstrahlung am Standort des Solarparks beträgt nach Angaben der Emittentin durchschnittlich 1.052 kWh/kwp. Die Solaranlage erzeugt laut VIB nach Prognosen eine Strommenge von 58 MWh pro Jahr. Dieser Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist. Der Strom aus einem Teil der Anlage (38 MWp) wird den Angaben nach über einen zehnjährigen PPA-Vertrag an den Energieversorger N-Ergie AG vermarktet. PPAs sind Stromlieferverträge (Power Purchase Agreement, PPA).

Der andere Teil (20 MWp) hat laut VIB im Rahmen einer Ausschreibung einen Zuschlagswert von 5,04 Cent/kWh erhalten. Dieser Zuschlagswert ist nach Angaben der Emittentin die Mindestvergütung des Anlagenteils für die nächsten 20 Jahre. Im ersten vollen Kalenderjahr wird mit Einnahmen von 5,21 Millionen Euro gerechnet.

Hohe Risiken

Bei der vorliegenden Vermögensanlage handelt es sich um unbesicherte Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt. Der qualifizierte Nachrang der Nachrangdarlehen bewirkt, dass die Geltendmachung sämtlicher Forderungen aus den Nachrangdarlehen gegen die Emittentin soweit und solange ausgeschlossen ist, wie die Geltendmachung einen Insolvenzgrund bei der Emittentin herbeiführen würde.

Im Fall der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Emittentin oder der Liquidation der Emittentin außerhalb eines Insolvenzverfahrens treten sämtliche Forderungen aus den Nachrangdarlehen im Rang hinter die sonstigen Verbindlichkeiten der Emittentin zurück, für die kein entsprechender Rangrücktritt gilt. Die Emittentin ist in hohem Umfang mit Bankdarlehen finanziert, für die kein Rangrücktritt gilt. Zudem sind projektbezogene Bankdarlehen in der Regel besichert.

Es kann das Risiko bestehen, dass die Emittentin Nachrangdarlehen und/oder Bankdarlehen nicht vertragsgemäß bedienen kann. Die Aussichten für die vertragsgemäße Zins- und Rückzahlung sind laut VIB in besonderem Maße vom wirtschaftlichen Erfolg der Emittentin sowie von verschiedenen Marktbedingungen abhängig. Es ist beispielsweise möglich, dass Baumängel auftreten, die Betriebskosten steigen und/oder die Sonneneinstrahlung und damit die Stromproduktion unter der Prognose liegt.

Für Anlegerinnen und Anleger besteht ein erhebliches Risiko, dass sie ihr eingesetztes Kapital teilweise oder vollständig verlieren.

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