Rendite und Risiko von Anleihen balancieren sich in einem funktionierenden Markt aus - über den Börsenkurs. / Foto: Pixabay

  Anleihen / AIF

Darum sind Anleihen derzeit so teuer

Viele europäische Unternehmensanleihen sind zuletzt im Kurs gestiegen. Heißt im Umkehrschluss: Ihre Renditen sind gesunken. Passt das zur derzeitigen Wirtschaftslage?

Der Global High Yield European Issuers Index von Merrill Lynch misst die Preisentwicklung von Anleihen europäischer Unternehmen, die vergleichsweise hohe Zinsen bieten, weil die Firmen höheren Risiken ausgesetzt sind als beispielsweise Staaten oder große globale Konzerne. Seit Mitte April ist der Index um 5 Prozent gestiegen, für den Anleihemarkt ein erheblicher Zuwachs. 

Steigt der Kurs, sinkt die Rendite

Wer jetzt Anleihen verkaufen will oder muss, wird sich über das hohe Kursniveau freuen – wer in Anleihen einsteigen möchte, hingegen weniger. Denn Anleihen werfen weniger Rendite ab, wenn sie zu hohen Kursen gekauft werden. Das liegt daran, dass die Papiere feste Zinssätze bieten. Diese beziehen sich auf den Ausgabekurs von 100 Prozent, den sogenannten Nennwert. Liegt der Kaufkurs über 100 Prozent, sinkt die Rendite, weil für die gleichen Zinsen ein höherer Preis gezahlt wurde. (Hier erklären wir den Zusammenhang zwischen Kurs und Rendite bei Anleihen ausführlich.)

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Üblicherweise sinken die Renditen von Unternehmensanleihen, wenn es den Firmen gut geht, denn dann kaufen Investoren solange Anleihen zu, bis der Kurs so weit gestiegen ist, dass er die niedrigeren Geschäftsrisiken der Firmen widerspiegelt. Aktuell stehen viele kleinere und mittlere europäische Unternehmen aber vor großen Herausforderungen, unter anderem wegen der Folgen des Ukrainekriegs und der brachialen Wirtschaftspolitik Donald Trumps. Trotzdem sind die Anleihekurse gestiegen.

Einer der Hauptgründe für diese auf den ersten Blick widersprüchliche Entwicklung sind die ebenfalls hohen Aktienkurse. Weil viele Aktien derzeit als zu teuer gelten – auch Aktiengesellschaften stecken aktuell häufig in größeren Schwierigkeiten, als ihr Börsenwert nahelegt –, flüchten Anlegerinnen und Anleger in vermeintlich sicherere Anleihen. 

Der zweite wichtige Grund ist mal wieder Donald Trump: Dessen Zoll- und Steuerchaos verunsichert immer mehr Investoren. Die legen ihr Geld dann lieber in europäische als in amerikanische Anleihen an.

Welche Renditen sind angemessen?

Was heißt das nun für nachhaltige Anlegerinnen und Anleger? ECOreporter empfiehlt, Anleihen grundsätzlich wenn möglich bis zu ihrem Laufzeitende zu halten. Denn dann bekommen Sie Ihr eingesetztes Geld vollständig zurück, da Anleihen grundsätzlich zum Nennwert (100 Prozent) zurückgezahlt werden. Die Kursentwicklung spielt hierbei keine Rolle.

Möchten Sie sich vorzeitig von einer Anleihe trennen, könnte jetzt ein guter Zeitpunkt sein, falls der Kurs hoch genug steht, am besten oberhalb von 100 Prozent.

Beim Neueinstieg in kleinere Anleihen rät die Redaktion momentan zur Vorsicht. Schauen Sie auf die reale Rendite auf Basis des aktuellen Börsenkurses. Ist diese Rendite fair? Berücksichtigt sie die Risiken des jeweiligen Unternehmens in angemessener Weise? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen vor Rückzahlung der Anleihe pleitegeht und Sie Ihr Geld möglicherweise nicht wiedersehen?

Als grobe Leitplanken können auf dem aktuellen Zinsniveau gelten: Anleihen von Unternehmen mit mittlerem Risiko sollten mindestens 4 Prozent Rendite bringen, riskantere Papiere mindestens 8 Prozent. Und achten Sie darauf, dass die Kaufkurse nicht zu niedrig sind. Kurse unterhalb von 80 Prozent deuten nämlich häufig darauf hin, dass Marktbeobachter bei dem jeweiligen Unternehmen schwerwiegende wirtschaftliche Probleme vermuten.

Für weitere Informationen lesen Sie auch die großen ECOreporter-Überblicke zu kleinen Unternehmensanleihen und zu Anleihen großer Konzerne.

Aktuelle Analysen von grünen Anleihen und anderen nachhaltigen Angeboten finden Sie hier.

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